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Effizienter Naturschutz: Wissenschaftler fordern mehr Mitwirkungsmöglichkeiten

04.03.2005 - (idw) Universität Hohenheim

Plädoyer der Europäischen Sektion der Society for Conservation Biology

"Für einen effektiven Naturschutz müssen Wissenschaftler stärker beteiligt werden, wenn es darum geht, Programme zur Bewahrung des Europäischen Naturerbes zu evaluieren und umzusetzen", fordert Dr. Martin Dieterich, Vorstandsmitglied der Europäischen Sektion der Society for Conservation Biology (SCB-Europe) und Agrarwissenschaftler an der Universität Hohenheim. Mit ihrer Resolution wendet sich die Vereinigung an das EU-Parlament, die EU-Kommission und nationale Regierungen. Seit dem Erdgipfel in Rio de Janeiro im Jahr 1992 haben sich viele Nationen zum Ziel gesetzt, dem weiteren Verlust der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten Einhalt zu gebieten. In Europa wurden nach den ermutigenden politischen Absichtserklärungen neue gesetzgeberische und finanzielle Instrumente für die Erreichung dieses Zieles entwickelt. Zu nennen sind z.B. die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH), Natura 2000 und die LIFE-Programme. Diese Instrumente werden teilweise bereits seit einem Jahrzehnt eingesetzt, um den Naturschutz auf lokaler und nationaler Ebene voranzubringen. Dennoch gibt es bisher keinerlei Anzeichen dafür, dass der Verlust an Arten und Habitaten tatsächlich gebremst werden konnte.

Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Sektion der Society for Conservation Biology, die den europäischen Teil eines globalen Netzwerks von über 8.000 Naturschutzfachleuten repräsentiert. Die SCB-Europe hat zum Ziel, die Naturschutzbiologie als wissenschaftliche Disziplin zu forcieren und in politischen Diskussionen sachorientiert mitzuwirken. Mitglieder der Gesellschaft sind insbesondere Wissenschaftler aus den Bereichen Naturschutz, Ressourcenmanagement und Bildung sowie Vertreter von Verwaltungen und Naturschutzorganisationen (NROs).

Als Ausweg nennen die europäischen Naturschutzfachleute die kontinuierliche, wissenschaftlich begleitete Überprüfung der eingeleiteten Maßnahmen als Schlüssel für die Realisierbarkeit des 2010-Naturschutz-Zieles. "Dabei geht es darum, vorhandene Instrumente vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Überprüfung realer Umsetzungsergebnisse weiterzuentwickeln und mit steigender Effektivität anzuwenden", so Dr. Dieterich. Besonders bedeutsam ist in diesem Zusammenhang auch die Förderung der Kommunikation zwischen Forschern, Entscheidungsträgern und Anwendern.

Mittels Fachleuten bietet die Europäische Sektion der SCB an, zur kritischen Evaluierung und Verbesserung der relevanten europäischen Umweltmaßnahmen und Naturschutzprogramme beizutragen. In einer Resolution und im Rahmen von begleitenden Gesprächen auf der Ebene der Europäischen Kommission wird die EU mit Nachdruck gebeten, die Wirksamkeit ihrer Naturschutzprogramme zu überprüfen und sie auf Grundlage der vorliegenden Erkenntnisse, wo notwendig, zu aktualisieren. Nur so können die zur Erhaltung des Naturerbes für künftige Generationen formulierten Ziele auch tatsächlich erreicht werden.

Nur wenn Geldmittel, Zeit und Energie innerhalb der entsprechenden Programme künftig wesentlich effizienter eingesetzt würden, könne das gesamteuropäische Ziel, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2010 zum Stillstand zu bringen, innerhalb der verbleibenden fünf Jahre erreicht werden

Die europäischen Naturschutzrichtlinien und die Vorgaben zur gemeinsamen Landwirtschafts- und Fischereipolitik böten die große Chance, Naturschutz mit nachhaltiger Entwicklung zu vereinbaren - allerdings nur dann, wenn diese Richtlinien auch in angemessener Form umgesetzt werden.

Weitere Informationen zur Resolution advocating an expanded role for scientists in reviewing the efficacy of the EU nature conservation directives, CAP and CFP, siehe:
www.conbio.org/scb/activities

Kontaktadresse (Nicht zur Veröffentlichung):
Dr. Martin Dieterich dieterim@fh-nuertingen.de oder
Dr. Per Sjögren-Gulve per.sjogren-gulve@naturvardsverket.se

Resolution
advocating
an expanded role for scientists in reviewing the efficacy of the EU nature conservation directives, CAP and CFP.

At the European Union summit in Gothenburg 2001 and the Rio+10 summit in Johannesburg 2002, nations declared unanimously that the loss of biodiversity should be halted by the year 2010. Yet, as of November 2004, there is no solid evidence suggesting that the loss of biodiversity within the EU is starting to decrease; and this despite the facts that all EU nations have ratified the Convention on Biological Diversity, that nature conservation directives exist, and that there is potential to allocate significant resources to biodiversity conservation, for example as part of the Common Agricultural Policy (CAP) by strengthening agri-environment schemes in terms of conservation efficacy. Recently the European Environment Agency and UNEP (http://reports.eea.eu.int/report_2004_1), the IUCN (i.e. http://www.aembac.org) and the BioPlatform e-conference on the EU Biodiversity Strategy (http://www.epbrs.org) all stress the importance of research and using the CAP for biodiversity conservation.

The Society for Conservation Biology hereby highlights the urgent need for the EU Commission, DG Research, DG Environment, DG Agriculture and DG Fisheries, to initiate and fund an expanded systematic review of the evidence where independent conservation biologists critically examine and assess the effects of the CAP, the EU nature conservation directives and the Common Fisheries Policy (CFP) in halting biodiversity loss. In addition to the review, the process should expand the advisory role and direct involvement of scientists in the planning, accomplishment and evaluation of the practical conservation work.

Initiating this review during 2005 is particularly important since the EU has now grown to include ten more nations, which harbour unique biodiversity and knowledge important for pan-European nature conservation. At the same time a significant shift in agricultural funding policies has been initiated. Will the recent modifications to the CAP suffice to prevent further biodiversity loss and help sustain the small-scale farming practices vital for the conservation of many species in the traditionally managed agricultural landscapes? What changes in the CFP are needed, and how can the EU nature conservation directives become more efficient tools in preserving the great natural heritage inherent in pristine and cultural landscapes throughout the enlarged EU?


The Sixth Environmental Action Programme has identified assessment of programme success as a key priority. We urge the European Commission to apply this key action to nature conservation efficacy. The European Section of the Society for Conservation Biology offers assistance from the direct involvement of independent conservation scientists to make this effort swift and strong - 2010 is only five years away!

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