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Mediävistentreffen in Amsterdam

07.03.2005 - (idw) Universität Rostock

Die Vereinigung evangelischer Mittelalterforscher, die "Societas Mediaevistica theologorum evangelicorum", hielt ihre diesjährige Konferenz am 4. und 5. März in den Niederlanden ab. Gastgeberin war die Freie Universität Amsterdam (Vrije Universiteit Amsterdam), die aus der vor 125 Jahren gegründeten Theologischen Fakultät hervorgegangen ist und seitdem neben der (staatlichen) Universität von Amsterdam große Bedeutung erlangt hat. Außer Vertretern der Kirchengeschichte waren auf der Tagung auch Wissenschaftler der Musikwissenschaft, der Germanistik und der Literaturwissenschaft vertreten. Von der Theologischen Fakultät Rostock nahmen Prof. Heinrich Holze und Dr. Igor Pochoshajew an der wissenschaftlichen Zusammenkunft teil.
Die jährlichen Tagungen der Societas mediaevistica sind ein wichtiges Forum für den Austausch von neuesten Ergebnissen auf dem Gebiet der mediävistischen Forschung. Die Vernetzung dieser theologischen Disziplin bedingt, dass zunehmend Vertreter anderer Fachgebiete in kirchenhistorische Forschungsprojekte integriert werden oder die Ergebnisse der kirchen- und dogmengeschichtlichen Forschung für die eigene wissenschaftliche Arbeit nutzen. Das Mediävistentreffen bietet den jungen Wissenschaftlern die Gelegenheit, ihre Projekte und Arbeitsvorhaben vorzustellen; außerdem haben interessierte Studenten die Möglichkeit, einen Einblick in die Arbeit dieses Wissenschaftszweiges zu bekommen.
Vorträge zu verschiedenen Themen der Mittelalterforschung füllten das Programm der diesjährigen Tagung. Aus Rostock kam ein Beitrag über die christlich-theologische Polemik gegen den Islam aus dem frühmittelalterlichen Spanien. Die muslimische Eroberung der iberischen Halbinsel Anfang des siebten Jahrhundert und das nachfolgende Eindringen der islamischen Kultur brachten Mitte des neunten Jahrhunderts in Cordoba eine einzigartige Situation hervor. Einige cordobenser Christen reagierten auf die kulturelle Überfremdung durch den Islam mit heftigen Angriffen gegen diese Religion und wurden daraufhin von den muslimischen Behörden exekutiert. Andere Christen, zumeist Vertreter der christlichen Bildungsschicht und des Klerus, bemühten sich demgegenüber, die lateinische Kultur und den christlichen Glauben durch ihr literarisches Werk aufzuwerten. Die Ereignisse in Cordoba Mitte des neunten Jahrhunderts und die theologischen Texte, die in ihrem Umfeld entstanden sind, bieten reichhaltiges und noch wenig untersuchtes Material für die Erforschung der interreligiösen Auseinandersetzung und der kulturellen Konfrontation. Die Analyse der geschichtlichen Beispiele soll zum besseren Verständnis vergleichbarer Phänomene in der gegenwärtigen Entwicklung beitragen. Das Verhältnis von Islam und Christentum ist einer der Forschungsschwerpunkte der Theologischen Fakultät in Rostock.
Auf Einladung der Theologischen Fakultät Rostock wird die nächste Konferenz der "Societas mediaevistica" im März 2006 in der Hansestadt stattfinden.

Dr. Igor Pochoshajew
Tel: 0381/498 84 16
Email: igor.pochoshajew@uni-rosotock.de

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