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2nd Dortmund Spring School for Academic Staff Developers - Kompetenz gefragt!

08.03.2005 - (idw) Universität Dortmund

Wie wichtig ist die Qualität der Lehre an Hochschulen? Selten sind sich Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft so einig wie in dieser Frage. Unisono heißt es, die Studierenden stellten die zukünftige Elite des Landes dar und bildeten darum den entscheidenden "Standortfaktor Mensch". Dabei wird allerdings übersehen, dass die Qualität der Lehre unmittelbar abhängt von der Lehrkompetenz der Dozenten. "Gemessen an den internationalen Standards der OECD-Länder zur Qualität der Lehre an Hochschulen ist Deutschland nach wie vor ein Entwicklungsland". Dies erklärt Johannes Wildt, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Hochschuldidaktik (AHD) und der Leiter des Hochschuldidaktischen Zentrums (HDZ) der Universität Dortmund anlässlich der "2nd Dortmund Spring School für Academic Staff Developers", einem bislang einzigartigen Weiterbildungs- und Beratungsforum für Lehrende an Hochschulen, das auf professionellem Niveau interdisziplinäre sowie internationale Standards des Lehrens vermittelt.

Auf diesem Forum treffen sich ca. 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter der Rektor der Universität Dortmund, Prof. Dr. Eberhard Becker, der Präsident der Universität Bremen, Prof. Dr. Wilfried Müller, der Rektor der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Lothar Zechlin, sowie die vormalige Präsidentin der Fachhochschule Lüneburg, nunmehr eine Hochschule neuen Zuschnitts, Prof. Dr. Christa Cremer-Renz und die Vize-Präsidentin der TU-Berlin, Ulrike Strate. Ferner nehmen teil Vertreter aus Politik und Wirtschaft, so Prof. Dr. Gerd Bollermann, MdL, Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft und Forschung, Bettina Jorzik, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. und Gerd Köhler vom Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

"Wenn es uns nicht gelingt, die Qualität in Lehre und Studium spürbar zu verbessern, ist Deutschland das Schlusslicht auf dem umkämpften und sich dynamisch entwickelnden europäischen Bildungs- und Weiterbildungsmarkt," so Wildt weiter. Während weltweit spürbar in die Erforschung moderner Lehr und Lernkonzepte und in die Professionalisierung von Lehrenden investiert werde, verliere Deutschland seine besten und besseren Studenten und Dozenten nicht nur an Hochschulen in den USA, in Kanada oder Australien, sondern mittlerweile auch innerhalb Europas, z.B. an Universitäten in England oder den skandinavischen Reformländern, wo hochschuldidaktische Forschung und Entwicklung einer modernen Personalentwicklung, qualitätsvollen Lehr-/Lernkonzepten und damit motivierten Studierenden zu Gute komme.

Wildt kritisiert außerdem, dass sich die Hochschulen in Deutschland im Zuge des "Bologna-Prozesses" auf dem Weg zu einem europäischen Hochschulraum lediglich auf die Veränderung der Studienstrukturen in Bachelor- und Masterstudiengänge konzentrieren. Im Kern gehe es aber um einen Wandel in den Lehr- und Lernkulturen im Sinne eines "Shift from Teaing to Learning"! Dies bedeute eine Abkehr von einer Dozentenzentrierung zugunsten einer Zentrierung von Lehre und Studium auf die Studierenden. Europaweit, so Wildt, habe man aus internationalen Vorbildern gelernt, "dass es für die Umsetzung solcher Reformprozesse der Mitwirkung und Beratung durch die Hochschulforschung und der weltweit vernetzten Hochschuldidaktik bedarf".

Hatte nämlich eine Bestandsaufnahme der Tagung im vergangenen Jahr noch Hinweise geliefert, dass die Länderregierungen zunehmend erkennen, dass die Lehrqualität durch verbesserte Lehrkompetenz gesteigert werden müsse, ändert sich das Bild inzwischen wieder. Dazu Wildt: "Bund, Länder und Hochschulen sparen erneut am falschen Ende. Statt Ressourcen zu streichen, muss alle Energie darauf verwendet werden, die Notwendigkeit hochschuldidaktischer Fort- und Weiterbildung von Lehrenden in allen Bundesländern endlich deutlich zu machen, weil die Qualität der Lehre für die Ausbildung unserer Studierenden einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste, Faktoren am Standort Deutschland ist".

Ohne Investitionen an Energie und Zeit auf Seiten der Lehrenden werde eine zeitgemäße Professionalisierung allerdings nicht erreichbar sein. Auf der Grundlage internationaler Vergleichsstudien seien die hochschuldidaktischen Netzwerke im Begriff, sich auf Grundlinien eines hochschuldidaktischen Weiterbildungs- und Beratungsprogramms in Deutschland zu verständigen. Dabei werde es von Experten als angemessen betrachtet, Ausbildungsangebote für Lehrende im Umfang von 200-240 akademischen Stunden vorzusehen, was dem internationalen Standard in den OECD-Ländern entspricht.

Die Weiterbildung geschieht in modularisierter Form. Sie beginnt mit Grundlagen des Lehrens und Lernens, geht in ein Erweiterungsmodul über und schließt mit Veranstaltungen zur Vertiefung ab.

Die "Dortmund Spring School" habe sich erneut als Trendsetterin für den internationalen und interdisziplinären Austausch, der Analyse und der Vermittlung hochschuldidaktischer Angebote bewährt, so Wildt. Die Weiterbildungsthemen:
- Prüfungen im gestuften Studiensystem (B.A./M.A.),
- Kreativität in der Hochschuldidaktik
- Theater in der Lehre
- Gender Mainstreaming in die Lehre!
- Evaluation hochschuldidaktischer Weiterbildung
- Lehren und Lernen in Modulen
- Die Rolle der Dozentin/des Dozenten
- eine Führungsaufgabe
- Massenveranstaltungen - welche Wege zeigt die Hochschuldidaktik?
- Das Konzept des problemorientierten Lernens (POL)
- Konfliktmoderation
- Professionelle Supervision zum Selbstverständnis in der Lehre
- Kurswechsel in der Hochschuldidaktik durch E-Learning
- Didaktische Aspekte von Blended-Learning-Szenarien
- Konzepte einer Personalentwicklung im akademischen Bereich
- Praxisbegleitende Beratung im Kontext hochschuldidaktischer Weiterbildung
- Aktivierende Textarbeit mit Studierenden
- Hochschuldidaktik à la carte - Zielgruppen-spezifische Angebote und Methoden

Diese Workshops zur Qualitätssicherung und Qualifizierung sind ein wichtiger Schritt, im Zuge des Bologna-Prozesses die Lehre an Hochschulen aus der Sicht der Lernenden neu zu durchdenken, denn es sind die Studierenden, um die es sich drehen muss, wenn es um Lernprozesse gehe, und, so Wildt: "Das Lernen aller Studierender bestmöglich zu unterstützen, ist professionell. Lehrenden an Hochschulen dafür die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, hat heute, mehr denn je, politische Priorität. Sonst besteht die Gefahr, dass die deutschen Hochschulen international abgehängt werden."


Kontakt:
Angelika Koch, HDZ, Vogelpothsweg 78, 44227 Dortmund,
Tel.: 0231/755-5534, Fax: 0231/755-5543,
Email: angelika.koch@uni-dortmund.de,
http://www.hd-on-line.de/DOSS

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