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Das gläserne Gehirn:

22.11.2002 - (idw) Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen

Das Wissenschaftszentrum NRW wird mit der Veranstaltung zum Neuroimaging die Möglichkeiten und Grenzen moderner Bildgebung in der Medizin und Hirnforschung hinterfragen und den Zusammenhang zwischen Gehirn und Bewusstsein im Licht der neuen Techniken diskutieren.

Bildgebende Verfahren (Neuroimaging) erlauben es, Gehirnaktivitäten für das menschliche Auge sichtbar zu machen, ohne operative Eingriffe vornehmen zu müssen. Mit den neuesten Verfahren können Forscher dem Hirn sogar direkt, in Echtzeit, bei der Arbeit zuschauen. Dadurch ist es möglich, die Aktivität einzelner Hirnregionen am Computermonitor zu beobachten, während sich Versuchspersonen Musik anhören, eine Rechenaufgabe lösen oder über komplexe Probleme nachdenken. Die Bilder vom Gehirn scheinen unsere individuellen Gedanken und Gefühle wiederzugeben und gelten damit als neue Schlüsseltechnik zur Erforschung des menschlichen Bewusstseins.

Der zunehmende Einsatz der modernen Bildgebung zur Erforschung des menschlichen Bewusstseins führt zu dem voreiligen Schluss, dass wir menschliches Denken und Fühlen mit diesen Bildern vom Gehirn gleichsetzen dürfen. Ist der Mensch letztlich wirklich durch seine Gehirnaktivität erklärbar? Während einige Neurowissenschaftler die Bedeutung der Struktur und Funktionsweise des Gehirns für die Entschlüsselung des menschlichen Bewusstseins herausstreichen, weisen andere Wissenschaftler darauf hin, dass wir unser Bild vom Menschen und seinen Fähigkeiten nicht auf Hirnfunktionen reduzieren können und dürfen. Die Frage nach dem Zusammenhang von "Gehirn und Geist" ist nicht neu und ist in der Philosophie unter dem Stichwort "Leib-Seele-Problem" immer wieder erörtert worden. Doch während man früher metaphysische Theorien zur Erklärung der Beziehung von Gehirn und Geist heranzog, sind Phänomene wie das Bewusstsein oder die Seele heute längst Gegenstand der Neurowissenschaften und der modernen Bildgebung geworden. Doch was genau sehen wir, wenn wir mit unserem Gehirn auf unser Gehirn blicken, und können wir dem Leib-Seele-Problem mit modernster Technik wirklich auf den Grund gehen?

Das Wissenschaftszentrum NRW wird durch diese Veranstaltung die Möglichkeiten und Grenzen moderner Bildgebung in der Medizin und Hirnforschung vorstellen und den Zusammenhang zwischen Gehirn und Bewusstsein im Licht der neuen Techniken diskutieren. Die Veranstaltung "Das gläserne Gehirn" thematisiert das Spannungsfeld zwischen Gehirnforschung, Philosophie und Gesellschaft und knüpft damit an vorangegangene Veranstaltungen des Wissenschaftszentrums, wie "Neuroworlds" und "Mensch oder Roboter - Wem gehört die Zukunft?", an. International renommierte Mediziner, Hirnforscher und Philosophen werden erörtern, ob sich das, was wir unter "Bewusstsein" verstehen, durch die moderne Bildgebung erklären und untersuchen lässt. Auf der Tagung sollen die unterschiedlichen Sichtweisen und deren Hintergründe gegenübergestellt werden. Eine zentrale Frage wird dabei sein, ob das menschliche Bewusstsein in Zukunft technisch zugänglich und verfügbar oder ob es ein nicht fassbares Geheimnis bleiben wird.


Leitfragen:
Welche Erkenntnisse liefern uns die ständig verbesserten Techniken über das Gehirn und die mentalen Prozesse beim Menschen?

Welche neuen Einsatzgebiete ergeben sich für die Bildgebung in der Medizin und Forschung?

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gehirn und Bewusstsein? Ist das Bewusstsein überhaupt empirisch erfassbar?

Können wir mit modernen bildgebenden Verfahren das alte Leib-Seele-Problem auflösen, oder ist der Mensch doch mehr als sein Gehirn?

Welche Zugriffsmöglichkeiten auf unser Gehirn und unser Denken werden durch moderne bildgebende Verfahren möglicherweise eröffnet?

Welchen Einfluss wird diese Technik auf das Bild vom gesunden und kranken Menschen haben?


Programm am 4. Dezember 2002

13:00 Uhr Begrüßung und Einführung
Gert Kaiser

13:15 Uhr Was sagt uns Sprache über das Bewußtsein?
Peter Hagoort

13:45 Uhr Können wir Gedanken lesen? Möglichkeiten und Grenzen der modernen Bildgebung - heute
Henrik Walter

14:15 Uhr Irren ist menschlich - Befunde zur Fehlerverarbeitung im Gehirn
Thomas Münte

14:45-15:15 Uhr Kaffeepause

15:15 Uhr Bewusstsein: Über die biologischen Grundlagen vom Denken und Fühlen
David Papineau

15:45 Uhr Vom Gehirn zum Geist? Bilddaten und ihre Aussagekraft
Ansgar Beckermann

16:15 - 16:45 Uhr Kaffeepause

16:45 Uhr Das gläserne Gehirn -Wird der Geist zum öffentlichen Objekt?
Thomas Metzinger

17:15- 18:30 Uhr Moderne Bildgebung -
Der Schlüssel zum menschlichen Bewusstsein?
Diskussion mit allen Referenten
Moderation: Gert Tille


Referenten

Prof. Dr. Ansgar Beckermann, Philosophische Fakultät, Universität Bielefeld
Präsident der Gesellschaft für Analytische Philosophie e.V.

Prof. Dr. Peter Hagoort, Direktor des F.C. Donders Centre for Cognitive Neuroimaging, Nijmwegen

Prof. Dr. Dr. h.c. Gert Kaiser, Präsident des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Prof. Dr. Thomas Metzinger, Leiter des Arbeitsbereiches Theoretische Philosophie am Philosophisches Seminar, Universität Mainz

Prof. Dr. Thomas Münte, Direktor des Instituts für klinische Neuropsychologie an der Universität Magdeburg

Prof. Dr. David Papineau, Direktor der Philosophischen Fakultät, Kings College, London

Gerd Tille, Journalist, WDR, "Der Tag Heute"

Dr. Dr. Henrik Walter, Leiter der Arbeitsgruppe "Emotion, Kognition und Handlungskontrolle" an der Universitätsklinik Ulm, Abteilung Psychiatrie

Mittwoch, den 4. Dezember 2002

13:00 Uhr - 18:30 Uhr

Veranstaltungsort
Rheinterrasse
Joseph-Beuys-Ufer 33
Düsseldorf


Journalistenanmeldung
Carolin Grape
grape@mail.wz.nrw.de

Anmeldung
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Die Anmeldung ist telefonisch über den Veranstalter oder online unter http://www.wz.nrw.de/wz/anmeldung möglich.
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