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Demographischer Wandel und Veränderungen des Wassersektors - neue Herausforderungen für eine nachhaltige Infrastruktur-E

14.03.2005 - (idw) Institut für sozial-ökologische Forschung ISOE

Tagung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersucht erstmalig Zusammenhang von Bevölkerungswandel und der Entwicklung des Wassersektors. Die aktuellen und zukünftig zu erwartenden Bevölkerungsveränderungen sind derzeit ein breitdiskutiertes Thema. Ursachen und Folgen der niedrigen Geburtenraten, Chancen und Risiken der Alterung und des Bevölkerungsrückgangs für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt, die Gesundheitsversorgung und das Rentensystem stellen dabei einige der zentralen Überlegungen dar. Kaum beachtet wird jedoch, dass die in Deutschland regional sehr unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklungen auch die netzgebundenen Infrastrukturen vor völlig neue Herausforderungen stellen. Insbesondere der Wassersektor ist hier mit stark veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert.

Der Zusammenhang von Bevölkerungsdynamik und der Entwicklung des Wassersektors wird auf der BMBF-Tagung "Wege zur Nachhaltigkeit - Die Zukunft der Ver- und Entsorgungssysteme" am 5. April 2005 in Bonn erstmalig öffentlich diskutiert. Im Forum "Entwicklung des Wassersektors" werden Befunde und Lösungsansätze aus zwei laufenden interdisziplinären Forschungsprojekten vorgestellt, an denen das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) beteiligt ist. So untersucht die Nachwuchsgruppe "Die Versorgung der Bevölkerung" die Wirkungszusammenhänge von demographischen Entwicklungen, Bedürfnissen und Versorgungssystemen. Zentrale Befunde der Forschungsarbeit zu den Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Systeme der Wasserversorgung in Deutschland werden Dr. Diana Hummel und Alexandra Lux (ISOE) vorstellen. "Im Rahmen der Planung und Gestaltung der Systeme der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wird vorwiegend in Wachstumskategorien gedacht; die langfristigen Wirkungen der demographischen Umbrüche werden zu wenig berücksichtigt", wie Projektleiterin Dr. Diana Hummel feststellt. Der demographische Wandel und veränderte Konsummuster tragen zu einer regional unterschiedlich ausgeprägten Reduktion des Wasserverbrauchs bei. Unter ressourcen- und umweltpolitischen Gesichtspunkten ist diese Entwicklung zwar zu begrüßen, doch für die auf eine Lebensdauer von bis zu 100 Jahren ausgerichteten Wasserinfrastrukturen bringt dies erhebliche Folgen mit sich. Die zukünftige Herausforderung für eine nachhaltige Gestaltung und Struktur des Wassersektors liegt daher nach Auffassung der Nachwuchsgruppe im Umgang mit Variabilität. Auch die zentrale Auslegung der Infrastrukturanlagen und -netze wird vor dem Hintergrund der demographischen Veränderungen fragwürdig. Die große planerische und politische Aufgabe ist daher, das System der Wasserversorgung adäquat umzugestalten, um sich den auch demographisch induzierten Veränderungen anpassen zu können.

Das interdisziplinäre Verbundprojekt netWORKS "Sozial-ökologische Regulation netzgebundener Infrastruktursysteme" stellt auf der Tagung seine Arbeiten zum kommunalen Transformationsmanagement für eine nachhaltige Wasserwirtschaft vor. PD Dr. Thomas Kluge (ISOE) und Jens Libbe (Deutsches Institut für Urbanistik) diskutieren dabei die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen vor dem Hintergrund der sich verändernden gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen für die Bereitstellung von Wasserdienstleistungen: Die Städte und Gemeinden geraten zunehmend unter Druck, gleichzeitig stehen aber neue Strategien zur Bewältigung der Herausforderungen (noch) nicht zur Verfügung. Nach Auffassung des Forschungsverbundes netWORKS sind es vor allem die Komplexität der Problemlage und das fehlende Wissen über einzuschlagende Wege, die es den Kommunen schwer machen, das Ausmaß der neuen anstehenden Aufgaben zu erkennen und einen guten Umgang damit zu finden. Um hier Orientierung zu geben, wird der netWORKS-Ansatz zur Integration und Strategiebildung vorgestellt, der eine Grundlage für ein Transformationsmanagement in den Kommunen darstellt. Es lassen sich mit diesem Ansatz Handlungsstrategien und -optionen entwickeln, zur (öffentlichen) Diskussion stellen und bewerten. Zentral hierbei sind Leitprinzipien, die sich auf Transformations- und Nachhaltigkeitsaspekte beziehen und es ermöglichen Anpassungserfordernisse einer betrachteten Option zu identifizieren bzw. geeignete Regulationen zu entwickeln.

Beide vorgestellten Projekte werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunktes "Sozial-ökologische Forschung" gefördert. Kooperationspartner des Projektes "Die Versorgung der Bevölkerung" ist die J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Mitglieder des Verbundprojektes netWORKS sind das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), Berlin, das Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), Erkner, die Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung (ARSU), Oldenburg und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus.

Weiterführende Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung zur Tagung "Wege zur Nachhaltigkeit - Die Zukunft der Ver- und Entsorgungssysteme" finden Sie unter http://www.sozial-oekologische-forschung.org/de/60.php.
Umfassende Informationen zu den Forschungsprojekten unter: http://www.demons-project.de; http://www.networks-group.de

sowie unter http://www.isoe.de.

Pressekontakt:
Michaela Kawall
Wissenskommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069-707 69 19-30
Fax: 069-707 69 19-11
E-Mail: kawall@isoe.de
http://www.isoe.de

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