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Frankfurter Uniklinik startet Modellversuch zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit

15.03.2005 - (idw) Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

Eröffnung einer klinikinternen Praxis nach dem Modell der niedergelassenen Ärzte soll Kosten minimieren Der Kostendruck im deutschen Gesundheitswesen ist enorm. Von der wirtschaftlichen Last betroffen sind auch Krankenhäuser und Klinika. Sie sind gezwungen, noch effizienter zu arbeiten und Kosten auf allen Ebenen einzusparen. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass die kostensenkenden Reformbestrebungen zu Lasten der Qualität der medizinischen Versorgung gehen. Leidtragende sind dann vor allem die Patienten. Das Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität hat sich zur Aufgabe gemacht, dieser drohenden Entwicklung mit einem Modellversuch entgegen zu wirken. Ziel der Bestrebungen ist es, die Wirtschaftlichkeit der Allergologischen Ambulanz am Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (ZKi) zu erhöhen, um auch künftig eine umfassende und hochwertige medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit schweren Allergien und Erkrankungen der Atemwege sicher zu stellen. Kernstück des von der Kinderhilfe Stiftung e. V. geförderten Modellversuchs ist die Gründung einer Spezial-Praxis innerhalb der Kinderklinik, die am 15. März 2005 eröffnet wurde. Die direkt an die Klinik angeschlossene "Praxis für allergie- und lungenkranke Kinder" bietet jungen Patienten maßgeschneiderte Lösungen für häufige Krankheitsbilder wie Allergien, Asthma und Mukoviszidose.

Neue Wege zugunsten einer optimierten Patientenversorgung

Wie Thomas Müller-Bellingrodt, Kaufmännischer Direktor am Klinikum der Frankfurter Universität, erklärt, arbeiten die Hochschulambulanzen in ihrer derzeitigen Form nicht kostendeckend. Daher lohne sich aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht deren Aufrechterhaltung eigentlich nicht. Doch wolle sich das Frankfurter Universitätsklinikum seiner medizinischen und gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen und habe daher nach Lösungen gesucht, die ambulante Versorgung auch vor dem Hintergrund des wachsenden Kostendrucks sicherzustellen. "Bei aller Notwendigkeit und Richtigkeit, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken, dürfen Reformbestrebungen nicht zu Lasten der Patienten und einer qualitativ hochwertigen Versorgung gehen", so Müller-Bellingrodt. Um auch zukünftig eine hochwertige und umfassende ambulante Versorgung anbieten zu können, sei es daher notwendig, neue Wege einzuschlagen. "Vor dem Hintergrund der sich ändernden ökonomischen Rahmenbedingungen sehen wir uns dazu aufgerufen, tragfähige Konzepte zu entwickeln, die sowohl den betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten als auch einem hohen medizinisch-versorgerischen Anspruch gerecht werden", erklärt Müller-Bellingrodt. Deshalb habe der Vorstand des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität gemeinsam mit dem ZKi im Bereich Allergologie und lungenkranker Kinder ein Pilotprojekt nach dem Modell der niedergelassenen Ärzte gestartet.

Geringere Kosten bei höchstem medizinischen Niveau

Aus Sicht von Professor Dr. med. Stefan Zielen, Leiter des Bereichs Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose an der Klinik für Kinderheilkunde I, ist der Modellversuch "Praxis in der Klinik" überaus vielversprechend. "Da unsere Praxis für allergie- und lungenkranke Kinder und Jugendliche direkt in die hochwertige Infrastruktur der Kinderklinik eingebunden ist, sind wir in der Lage, die Patienten auf höchstem medizinischen Niveau zu versorgen", so Zielen. Das Projekt setze das Konzept der integrierten Versorgung um. Neben den medizinischen Vorteilen bestehen betriebswirtschaftliche Vorzüge. "Eine Besonderheit des Modellversuchs liegt darin, dass die medizinischen Leistungen der klinikinternen Praxis - so wie es bei niedergelassenen Ärzten der Fall ist - direkt und ohne Umwege über die Klinikverwaltung mit den Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet werden", erklärt Zielen. Dadurch reduziere sich sowohl der verwalterische als auch der personelle Aufwand. Die Folge: geringere Kosten.

Klinikinterne Praxis: weniger administrativer Aufwand - höhere Effizienz

Hinzu komme, wie Müller-Bellingrodt betont, dass die administrativen Anforderungen an eine Praxis im Bereich der Dokumentation, Verwaltung und Archivierung von Patientendaten wesentlich geringer seien als es bei Kliniken und Krankenhäusern der Fall ist. Das gleiche gelte für die betriebswirtschaftlichen Prozesse. "Die Abrechnungsmodalitäten in der Praxis eines niedergelassenen Arztes sind längst nicht so aufwändig und kompliziert wie die einer Klinik", erklärt der Kaufmännische Direktor. Auch hier ergeben sich seiner Ansicht nach Einsparungspotentiale, die zugunsten einer höheren Effizienz genutzt werden können. "Dank der finanziellen Unterstützung der Kinderhilfe Stiftung e.V. konnten wir ein elektronisches Abrechnungssystem implementieren, das speziell für niedergelassene Ärzte entwickelt wurde", ergänzt Professor Zielen. Dieses System, das so genannte Medistar, trage wesentlich dazu bei, den organisatorischen Aufwand zu minimieren und die administrativen Prozesse zu beschleunigen.

Wie Müller-Bellingrodt erklärt, laufe der von den Kassenärztlichen Vereinigungen unterstützte Modellversuch zunächst bis Ende des Jahres 2005. "Nach Abschluss und Auswertung des Pilotprojektes wird sich zeigen, in welchem Maß unser Konzept zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit beigetragen hat und inwieweit es sich gegebenenfalls auch auf andere Ambulanzen übertragen lässt", so Müller-Bellingrodt.


Für weitere Informationen:

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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