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Noam Chomsky besucht Zentrum für allgemeine Sprachwissenschaft in Berlin [MIT BILD]

21.03.2005 - (idw) Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ)

Noam Chomsky, der weltbekannte Sprachwissenschaftler und politische Aktivist, besucht vom 23. bis 27. März 2005 das Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft in Berlin. Aus Anlass des Chomsky-Besuchs richtet das Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft gemeinsam mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Emmy-Noether Nachwuchsgruppe "Quantoren" am 24. März ein wissenschaftliches Symposium aus, zu dem sich mehr als 300 Sprachwissenschaftler aus dem In- und Ausland angemeldet haben. Außerdem hält Professor Chomsky am 23. März einen öffentlichen politischen Vortrag in der Ernst-Fraenkel-Reihe des John-F-Kennedy Instituts für Nordamerikastudien der Freien Universität. Noam Chomsky, der weltbekannte Sprachwissenschaftler und politische Aktivist, besucht vom 23. bis 27. März 2005 das Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft in Berlin. Aus Anlass des Chomsky-Besuchs richtet das Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft gemeinsam mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Emmy-Noether Nachwuchsgruppe "Quantoren" am 24. März ein wissenschaftliches Symposium aus, zu dem sich mehr als 300 Sprachwissenschaftler aus dem In- und Ausland angemeldet haben. Außerdem hält Professor Chomsky am 23. März einen öffentlichen politischen Vortrag in der Ernst-Fraenkel-Reihe des John-F-Kennedy Instituts für Nordamerikastudien der Freien Universität. Die Resonanz für diese Veranstaltung war so gross, dass der größte Hörsaal der Freien Universität schon Wochen im Voraus ausgebucht war.

Noam Chomsky, der von seiner Frau Carol Chomsky begleitet wird, besucht Berlin das erste Mal. Aber wegen verschiedener Verbindungen zu Berlin ist dieser Besuch auch für Chomsky ein besonderes Ereignis. Zum einen nimmt Chomsky in seiner Arbeit oft auf das sprachwissenschaftliche Werke Wilhelm von Humboldts Bezug. Im Rahmen seines Berlin Besuchs besichtigt Chomsky das Humboldt-Schloss in Tegel. Zweitens verlegt der Berliner Mouton de Gruyter Verlag einige der wichtigsten linguistischen Werke Chomskys, speziell das Buch "Syntactic Structures" mit dessen Erscheinen 1957 Chomsky als junger Mann erstmals Aufsehen erregt hat. Der Mouton de Gruyter Verlag unterstützt den Besuch der Chomskys in Berlin finanziell. Schließlich haben in Berlin schon seit den 60er Jahren Wissenschaftler sowohl im Ostteil als auch im Westen Chomsky's Ideen zur Sprachwissenschaft auf das Deutsche angewendet und dadurch wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der Theorie geleistet.

Der 76-jährige Chomsky hat über 50 Jahre hinweg die moderne Sprachwissenschaft wesentlich geprägt, indem er das dem Menschen angeborene Sprachvermögen in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt hat. Seine Arbeiten haben den Anstoß gegeben zu einem neuen Verständnis der menschlichen Natur. Nach Chomsky's Meinung besitzt der Mensch von Natur aus eine Vielzahl angeborener kognitiver Fähigkeiten, die sich der Umgebung anpassen und in modularer Weise zusammenarbeiten. Diese Ansicht liegt der modernen Kognitionswissenschaft zugrunde. Über seine wissenschaftliche Arbeit hinaus ist Chomsky als intelligenter politischer Kommentator einer breiten Öffentlichkeit auch in Deutschland bekannt, insbesondere durch seine scharfen Kritiken der US-amerikanischen Außenpolitik und der Massenmedien.

Das Thema des wissenschaftlichen Symposiums am 24. März ist die Hypothese, dass das menschliche Sprachvermögen allein durch die Eigenschaft der Rekursion charakterisiert werden kann. Rekursion bedeutet, dass ein Teil einer Struktur ebenso so komplex sein kann wie die gesamte Struktur. Rekursion erklärt, warum in menschlichen Sprachen unendlich viele Sätze gebildet werden können. Schon Wilhelm von Humboldt hat erkannt, dass dieses eine wesentliche Eigenschaft der menschlichen Sprache ist; nach ihm macht die Sprache von endlichen Mitteln unendichen Gebrauch. Die Hypothese das Rekursion das einzige wesentliche Merkmal der menschlichen Sprache ist, hat Chomsky gemeinsam mit zwei Experten für Kommunikation in der Tierwelt, Marc Hauser und Tecumseh Fitch, in einer Arbeit aufgestellt, die 2002 in der Zeitschrift "Science" erschienen ist. Außer Chomsky tragen auf dem Symposium sechs herausragende jüngere deutsche Sprachwissenschaftler -- Gereon Müller aus Leipzig, Artemis Alexiadou aus Stuttgart, Sigrid Beck und Jens Michaelis aus Potsdam, sowie Hans-Martin Gärtner und Uli Sauerland aus Berlin --- vor, sowie Luigi Rizzi aus Siena, einer der bekanntesten europäischen Sprachwissenschaftler.

Das Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft, Typologie und Universalienforschung, eines von drei geisteswissenschaftlichen Zentren in Berlin, ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung des Landes Berlin, welches den Großteil seiner Forschungsmittel durch Bundesmittel und aus anderen Quellen einwirbt. Es widmet sich der Erforschung der menschlichen Sprachfähigkeit und ihrer Ausprägung in Einzelsprachen, koordiniert Forschungsaktivitäten im Berliner Raum und führt Arbeitstreffen und wissenschaftliche Konferenzen durch. So trägt das Zentrum wesentlich dazu bei, dass Berlin heute wie zu Humboldts Zeit ein wichtiges Zentrum der internationalen Sprachwissenschaft ist, wie der Besuch Chomskys in Berlin beweist.


Kontakt:
Professor Dr. Manfred Bierwisch
(030) 2093 5351
privat: (030) 821 9175

Hinweise:
KEINE WEITEREN INTERVIEWS MIT PROFESSOR CHOMSKY MOEGLICH
BELEGEXEMPLARE ERBETEN AN:
ZAS, Direktor
Jägerstr. 10/11
10117 Berlin
Weitere Informationen: http://www.zas.gwz-berlin.de/events/symposium http://www.fu-berlin.de/jfki/news/chomsky_d.shtml
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