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Wer bietet Vorschulkindern die besten Sprachprojekte?

22.03.2005 - (idw) Pädagogische Hochschule Weingarten

Forscherteam ermittelt die erfolgreichsten Konzepte und entwickelt daraus Leitlinien / PH Weingarten gewinnt Ausschreibung
Mit 340.000 ¤ Projektmitteln wird eine interdisziplinäre Forschergruppe der Pädagogischen Hochschule Weingarten von der Landesstiftung Baden-Württemberg und der Stiftung Ravensburger Verlag versehen. Sie wird in den kommenden dreieinhalb Jahren die diversen Sprachförderungsangebote in baden-württembergischen Kindertageseinrichtungen wissenschaftlich prüfen und die erfolgreichsten Modelle bekannt machen. Die Wissenschaftler aus Weingarten konnten sich gegen zahlreiche Mitbewerber durchsetzen und dürfen nun die landesweite Evaluation übernehmen gemeinsam mit Kollegen der PH Heidelberg. "Dieser Forschungsauftrag bedeutet eine große Ehre für unsere Hochschule", gratulierte PH-Rektor Professor Dr. Jakob Ossner seinen Kollegen in Weingarten: Professorin Dr. Barbara Gasteiger-Klicpera (Pädagogische Psychologie), Professorin Dr. Diemut Kucharz (Schulpädagogik) und Professor Dr. Werner Knapp (Deutsch). Die Landesstiftung Baden-Württemberg, die den wissenschaftlichen Wettbewerb ausgeschrieben hatte, stellt knapp 300.000 ¤ bereit. Die Stiftung Ravensburger Verlag trägt 40.000 ¤ zur Untersuchung bei.

Sprachförderung vor der Einschulung
Kinder, die sprachliche Defizite haben, wenn sie eingeschult werden, haben schlechtere Startchancen als ihre Klassenkameraden. Wer nicht alles verstehen und sich nicht richtig ausdrücken kann, wird auch Probleme beim Lesenlernen und Verstehen von Sachaufgaben, beim Schreiben von Aufsätzen und bei der Rechtschreibung haben. Er wird überhaupt Mühe haben, dem Unterricht folgen und in ihm aktiv kommunizieren zu können - eine hindernisreiche Schulkarriere scheint unausweichlich. In Deutschland weist nach Schätzungen ungefähr jedes vierte Kind im Vorschulalter sprachliche Defizite auf. Bis zu zwei Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund sind hiervon betroffen, weil Deutsch für sie nicht die Muttersprache ist. Nur gezielte Sprachförderung der Vorschulkinder kann die Chancen dieser Kinder verbessern. Hinzu kommt, dass die Teilnahme am sozialen Leben der Klasse, die Entwicklung von sozialen Beziehungen und Freundschaften mit den sprachlichen Fähigkeiten der Kinder verbunden ist. Auch dies hat Auswirkungen auf ihre Entwicklungsmöglichkeiten.
Im den beiden ersten Jahren profitierten rund 20.000 Kinder
In Baden-Württemberg wird Sprachförderung inzwischen flächendeckend in Kindergärten und Tageseinrichtungen angeboten - ein im Jahr 2003 begonnenes, groß angelegtes Projekt der Landesstiftung Baden-Württemberg mit einem jährlichen Gesamtvolumen von mittlerweile 16,5 Millionen Euro. Um die Teilnahme können sich alle kommunalen und freien Träger von Tageseinrichtungen für Kinder bewerben. Das Projekt richtet sich sowohl an Kinder, deren Muttersprache Deutsch ist, als auch an Kinder, für die Deutsch eine Zweitsprache ist. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund sollen davon profitieren, da für eine erfolgreiche Bildungsbiographie in Deutschland das Erlernen der deutschen Sprache für diese Kinder besonders wichtig ist. In den ersten beiden Jahren konnten insgesamt 20.000 Kinder in ganz Baden-Württemberg von Sprachfördermaßnahmen profitieren.
Die besten Modelle sollen sich durchsetzen
Welche der zahlreichen Sprachförderungskonzepte, mit denen in den Kindertageseinrichtungen gearbeitet wird, bewähren sich nun aber am ehesten? "Wie effektiv sind die Angebote? Was kann verbessert werden und wie können wir die besten Vorgehensweisen verbreiten?" Diese Fragen wird das Team aus Weingarten stellen, erläutert Professorin Kucharz. Hierzu wird die sprachliche Entwicklung von 800 Kindern, die an einer Sprachfördermaßnahme teilnehmen, über zwei Jahre begleitet. Die Kinder kommen aus unterschiedlichen städtischen und ländlichen Regionen. Der Sprachentwicklungsstand der Kinder wird zu Beginn der Förderung, nach deren Abschluss und am Ende der ersten Grundschulklasse erhoben. Zu diesem Zeitpunkt wird auch ihre Lesefähigkeit überprüft. Es werden auch Erzieherinnen, Eltern und Lehrer zu deren sprachlichen und sozialen Fähigkeiten befragt. Um die Wirkung der Förderung nachweisen zu können, werden zudem 300 nicht geförderte Kinder untersucht. In ausgewählten Kindergärten werden die Sprachfördermaßnahmen mit Hilfe von Videoaufnahmen dokumentiert.


Nähere Informationen
Über das Projekt der PH Weingarten:
Professorin Dr. Diemut Kucharz (kucharz@ph-weingarten.de)
Über das Projekt "Sprachförderung für Vorschulkinder" der Landesstiftung Baden-Württemberg: www.sprachfoerderung-bw.de und www.landesstiftung-bw.de
Über die Arbeit der Stiftung Ravensburger Verlag:
www.stiftung.ravensburger.de

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