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Universität Jena eröffnet einmaliges Tagungs- und Begegnungszentrum

22.03.2005 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Friedrich-Schiller-Universität Jena betreibt jetzt das Alte Schloss in Dornburg Jena (22.03.05) Ein ungewohnter Augenblick auf dem "Balkon Thüringens" in Dornburg, wo rund 90 Meter über der Saale drei Schlösser den Blick auf sich ziehen: Im Schlossensemble herrscht nach mehr als 800-jähriger Baugeschichte Ruhe. Denn nun strahlt auch das Alte Schloss in neuem, dem 16. Jahrhundert entsprechendem Glanz. Die Sanierung ist außen wie innen abgeschlossen, der Renaissancebau neu eingerichtet - das Schloss beginnt einen neuen Lebensabschnitt. Das Alte Schloss dient ab sofort als Tagungs- und Begegnungszentrum der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Universitäts-Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke und der Direktor der "Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten" Dr. Helmut-Eberhard Paulus unterzeichneten heute (22.03.) ein Übergabeprotokoll; die Nutzungsrechte am Alten Schloss sind aus den Händen der Stiftung in die Obhut der Universität übergegangen.

"Das wundervolle Ambiente des Alten Schlosses bietet der Universität eine Tagungsmöglichkeit, die kaum ihresgleichen findet. Ein so vielfältig nutzbares Veranstaltungszentrum mit historischem Flair wird den Kongressbetrieb an der Universität, aber auch darüber hinaus, weiter ankurbeln und noch mehr Gäste in die Region holen", ist sich Rektor Dicke sicher. Er hat bereits die ersten Tagungen für das neue Begegnungszentrum der Universität gewinnen können und ist überzeugt, dass viele weitere Veranstaltungen folgen werden. Interessenten wenden sich an Helen Müller von der Ernst-Abbe-Stiftung (Telefon 03641 / 885430, E-Mail: order@planetarium-jena.de), die das Veranstaltungsmanagement für die Universität übernimmt. Doch sollen im Schloss nicht nur wissenschaftliche Tagungen und Seminare, sondern auch Konzerte und Ausstellungen stattfinden. "Außerdem soll die historische Schlossanlage zum lebendigen Begegnungszentrum werden, das auch von den Bürgern der Gemeinde, Vereinen, Institutionen und Unternehmen genutzt wird", ergänzt Stiftungs-Direktor Paulus. So werden ebenso Führungen durch das Areal möglich sein, sobald die Außenanlagen im Frühjahr vollständig begehbar gemacht worden sind.

Tagungen mit bis zu 150 Teilnehmern erlaubt das Alte Schloss, das seine heutige, dreigliedrige Form im 16. Jahrhundert erhielt - es geriet bereits damals in Kontakt mit der Universität, als sich 1551 der spätere Universitätsgründer Johann Friedrich in Dornburg aufhielt. Das Schloss bietet für Veranstaltungen eine Audio- und Videotechnik auf neuestem Stand - beispielsweise wurde der historische Kaisersaal multimediafähig hergerichtet - sowie Cafeteriabereiche für eine optimale Pausenversorgung und nicht zuletzt zahlreiche Seminarräume und Gesprächsflächen verschiedener Größe, die unterschiedliche Raum- und Kommunikationserlebnisse ermöglichen. "Die moderne Technik ist so integriert worden, dass das historische Ambiente nicht gestört wird", betont der Liegenschafts-Dezernent der Universität Udo Hätscher. Selbst der gläserne Vorbau, der einen behindertengerechten Zugang sowie eine problemlose Erschließung gestattet, ist modern gestaltet, ermöglicht aber dennoch einen ungestörten Blick auf das Alte Schloss.

Trotz des unterzeichneten Mietvertrags zwischen Stiftung und Universität sowie der Aufnahme des Betriebs ist das Projekt Altes Schloss Dornburg, für das sich die Universität intensiv engagiert hat, nicht abgeschlossen. Nun steht der Um- und Ausbau der Domäne, die der Universität gehört, an. Das ehemalige Pächterhaus mit Stall- und Speichergebäuden soll in Zukunft 50-60 Übernachtungsmöglichkeiten bieten und damit das Tagungszentrum erweitern. "Wir engagieren uns durch den Betrieb des Schlosses bereits sehr stark", sagt Rektor Dicke. Die Mittel der Universität sind begrenzt, aber er hofft, "dass sich für den Umbau der Schlossdomäne weitere Förderer finden lassen".

Schlaflos muss jedoch niemand in Dornburg tagen. Durch Kooperation mit Dornburger und Jenaer Hotels sowie Pensionen ist die nächtliche Unterbringung sichergestellt. Die Tagungsgäste können kommen.

Zur Sanierung des Alten Schlosses Dornburg

Etwa 90 Meter über der Saale beherrscht die umfangreiche Anlage des Alten Schlosses das Tal. Eine nahezu achthundertjährige Bautätigkeit hinterließ einen umfangreichen, heterogenen Baukörper, der den Wandel einer hoch- und spätmittelalterlichen Adelsburg zum fürstlichen Wohnschloss anschaulich widerspiegelt.

Aufgrund umfangreicher Forschungen liegt ein weitgehend abgerundetes Bild der Entwicklung der Burg bzw. Schlossanlage seit dem 12./13. Jahrhundert vor. Von besonderer Bedeutung sind die baulichen Details aus der prägendsten Bauphase von 1562 bis 1573. Hierzu gehören der Grundriss und die massive Bauhülle mit großem Wendelstein, die Raumstrukturen mit den Repräsentationsräumen im Erd- und ersten Obergeschoss des Südflügels, die repräsentativen Balken-Bohlen-Decken mit profilierten Deckenbalken und Unterzügen in diesen Sälen, repräsentative Ausmalungen im Südflügel sowie Reste der Infrastruktur, wie Küche und Wendelstein. Seit 1996 gehören das Alte Schloss und die Fronveste zum Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Die grundhafte Instandsetzung der äußerst desolaten Bausubstanz begann bereits Anfang 1990 unter der Ägide der Stadt Dornburg. Die denkmalfachliche Betreuung und ein Teil der Finanzierung oblagen dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege. Hinzu kamen Fördermittel des Landes Rheinland-Pfalz. Zuerst wurden Dach- und Deckentragwerk des Hauptgebäudes saniert und statisch gesichert sowie die Dächer einschließlich der Fronveste und des Wirtschaftsgebäudes neu gedeckt. Ab 1995 wurde das stark deformierte, zweischalige Außenmauerwerk vernadelt und verpresst, Ausbruchstellen ergänzt. Fenstergewände und Werksteine aus Sandstein wurden gesichert, gereinigt, gefestigt, restauratorisch ergänzt, verfugt und farbig lasiert. Die Farbe des mineralischen Neuverputzes orientierte sich dabei am historischen Erscheinungsbild der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Einbau von Verbundfenstern bildete 2001 den Abschluss der äußeren Bestandssanierung.

Das Alte Schloss Dornburg, die Fronveste, das Wirtschaftsgebäude und die Kapelle gehören zum Eigentum der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Die Domäne ist im Liegenschaftsbestand der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gemeinsames Ziel der Universität Jena und der Stiftung war die Sanierung des Schlosses, um dort eine Seminar- und Begegnungsstätte zu schaffen, deren Träger die Universität ist. Hierfür wurde ein passendes Nutzungskonzept erstellt. Die Restaurierung und der Ausbau für diese Nutzung dienen dem dauerhaften Erhalt des bedeutenden Kulturdenkmals.

Die historischen Raumstrukturen und die über Jahrhunderte erhaltene Bausubstanz erforderten einen behutsamen Umgang bei der Sanierung. Entsprechend wurde mit dem Einbau der Gebäudetechnik verfahren. So wurden die Rohrleitungen der zentralen Heizungsanlage zum Teil durch vorhandene Schornsteinzüge geführt. Um den Kaisersaal - das räumliche Prunkstück des Schlosses - als Tagungssaal nutzen zu können, wurde eine lüftungstechnische Anlage konzipiert, die sich gestalterisch unter denkmalpflegerischen Aspekten integriert. Eine zentrale Be- und Entfeuchtungsanlage sichert den optimalen Erhalt der historischen Dekorationsmalereien. Hochwertige Elektro- und Beleuchtungstechnik wurde mit Bedacht ins historische Bauwerk eingefügt. Das Hauptanliegen der großzügig durch die Messerschmitt-Stiftung geförderten Restaurierungsarbeiten im so genannten kleinen und großen Kaisersaal war die Integration der historischen Dekorationsmalerei des 16. Jahrhunderts in die Neugestaltung der Räume unter heutigen Nutzungsbedingungen. Im kleinen Kaisersaal wurden die Reste der Ausmalung in den Fensternischen gesichert und behutsam ergänzt. In Anlehnung an die Befunde wurde in beiden Räumen eine textile Wandbespannung angebracht, die zusätzlich der Schalldämmung dient.

Der Zugang zum Tagungssaal und zu den Obergeschossen im Westflügel wird über einen galerieartigen Treppenanbau im Hof gewährleistet. Durch die transparente Stahl-Glas-Konstruktion des Anbaus bleibt die Fassade des historischen Baukörpers weitgehend ablesbar.

Das Umfeld des Schlosses wurde 2004 neu gestaltet. Das Schlossgelände ist nun wieder über einen Durchgang mit der Gartenanlage des Rokokoschlosses verbunden, wodurch ein vollständiger Rundgang durch die Gartenanlagen der drei Dornburger Schlösser möglich ist. Der Schlosshof wurde mit historischen Obstsorten neu bepflanzt. Die Beete im kleinen Gartenhof vor dem Westflügel erhalten im April erstmals ihre saisonale Bepflanzung. Gleichzeitig beginnt die Neugestaltung des Gartens hinter dem Nordflügel. Das historische Baumaterial vor der so genannten Kapelle im Norden des Schlosses wird durch einen Sichtschutz verdeckt.


Die Finanzierung erfolgte durch die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sowie durch Fördermittel des Bundes im Rahmen des Programms "Kultur in den neuen Ländern". Die Restaurierungsarbeiten im so genannten Kaisersaal und östlichen Nebenraum des Südflügels wurden von der Messerschmitt-Stiftung gefördert. Die Gesamtkosten betrugen rund 5 Millionen Euro. Davon kamen knapp 3,2 Millionen Euro aus dem stiftungseigenen Haushalt, an Bundesmitteln standen 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Restaurierung im Kaisersaal unterstützte die Messerschmitt-Stiftung mit 250.000 Euro.

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