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Universität Osnabrück: Neue Untersuchung zur Musik Gustav Mahlers erschienen

23.03.2005 - (idw) Universität Osnabrück

Führende Gustav Mahler-Forscher meinen bereits seit den späten zwanziger Jahren, in der Sechsten Symphonie des Komponisten und in seinen Soldatenliedern sei die Vorahnung der Katastrophe des Ersten Weltkrieges zu erkennen. Auch weitere politische Tragödien des Jahrhunderts hätte er vorausgeahnt. Eine Studie des Musikwissenschaftlers PD Dr. Stefan Hanheide von der Universität Osnabrück geht dieser Frage nach. Sein Ergebnis: "Die Musik selbst, ihre Entstehungsumstände und die Wirkungsgeschichte der Musik unterstützen diese Sichtweise aufs deutlichste." Die Studie ist im Osnabrücker Verlag epOs-music erschienen (http://www.epos.uni-osnabrueck.de). Mahler habe immer betont, dass sich in seinen Werken die Weltgeschehnisse widerspiegeln. Der antizipatorischen Qualität seiner Musik stand er positiv gegenüber, erläutert Hanheide. In diesen Werken Mahlers werde die Klangsphäre des Militärs, vor allem der Militärmarsch, tatsächlich in deutlichster Weise negativ dargestellt. Darüber hinaus zeichne der Schluss der Sechsten Symphonie eine düstere Untergangsvision - und zwar ganz im Gegensatz zur Gattungstradition. "Besonders eine Gruppe von Mahler-Interpreten mit zumeist jüdisch-sozialistischem Hintergrund, die mit ihm in Wien in Kontakt stand, propagierte früh diese Untergangs-Interpretation." Breitere Kreise nahmen diese ungewöhnliche Ausrichtung der Symphonie vor dem Ersten Weltkrieg jedoch kaum wahr. Erst nach dem Krieg erkannte man erheblich deutlicher die pessimistische und grauenvolle Untergangsbotschaft dieser Musik. Diesen Rezeptionswandel hat Hanheide mit empirischen Methoden anhand von mehr als 100 Aufführungskritiken zwischen 1906 und 1933 nachgewiesen.

Als Hintergrund liefert die Arbeit erstmalig eine politische Biographie Mahlers. Dabei werden seine Berührungen mit den politischen und gesellschaftlichen Strömungen der Zeit, vor allem mit dem militanten Nationalismus und dem wachsenden Antisemitismus, in den Mittelpunkt gerückt.

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Weitere Informationen:
PD Dr. Stefan Hanheide, Universität Osnabrück,
Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften,
Neuer Graben/Schloss, D-49069 Osnabrück,
Tel. +49 541 969-4147, Fax +49 541 969-4775
e-mail: stefan.hanheide@uni-osnabrück.de

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