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Westfalenstruktur zeichnet Ideen von Raumplanern aus

27.11.2002 - (idw) Universität Dortmund

Die Gesellschaft für Strukturpolitik in Westfalen e.V. vergibt heute (27.11.2002) den Ludwig Gerstein-Gedächtnispreis für das Jahr 2002. Im Gedenken an ihren verstorbenen Gründer und Vorsitzenden Ludwig Gerstein würdigt sie junge Wissenschaftler der Universität Dortmund für besondere Leistungen im wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Bereich.

Durch diese Preisverleihung soll für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein Anreiz geschaffen werden, sich mit Chancen und Problemen der Region auseinander zu setzen. Es soll ferner ein Beitrag zur Förderung der regionalen wie internationalen Attraktivität des westfälischen Raumes geleistet werden. Der Preis besteht aus einem Geldbetrag in Höhe von 1.500 Euro.
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Modell für die Ruhrstadt ausgezeichnet

"Ruhrstadt. Ein Zukunftsmodell für Städte im Ruhrgebiet" ist die Diplomarbeit von Kamilla Kanafa und Wiebke Lang überschrieben, die in diesem Jahr mit dem Gerstein-Preis ausgezeichnet wird.
Die Gutachter Prof. Dr. Benjamin Davy und Dr. Hermann Bömer haben die Arbeit mit sehr gut bewertet:
"Die vorgeschlagene Diplomarbeit ist eine außerordentlich gelungene Arbeit, die sich mit den wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen des Strukturwandels im Ruhrgebiet beschäftigt.
Das Ziel der Arbeit ist es, ein Modell für die Ausgestaltung einer 'Ruhrstadt' zu entwickeln und dadurch zur Versachlichung der seit Oktober 2000 geführten Diskussion über eine 'Ruhrstadt' als regionale Steuerungsform für das Ruhrgebiet beizutragen. Ausgehend von den in der wissenschaftlichen Literatur erörterten Regionsbegriffen werden Regionalisierungsprozesse in ihrer Bedeutung für die Stadtentwicklung und politische Steuerung beleuchtet. Ausführlich werden die Elemente politischer Steuerungsformen, die regionalen Akteure, die Geschichte des Strukturwandels sowie regionale Aufgabenfelder im Ruhrgebiet beschrieben (Wirtschaft, Bevölkerung, Soziales, Siedlungsentwicklung, Verkehr, Kultur und Freizeit, Identität). Ungeachtet des Bedeutungsverlustes der Montanindustrie wird das Ruhrgebiet als eine zusammenhängende Region identifiziert, die auf den angeführten Gebieten regionale Aufgaben zu bewältigen habe. Dabei sehe sich die Region einer dreifachen Konkurrenz ausgeliefert: Konkurrenz zwischen den Städten, Konkurrenz zwischen den Städten des Ballungsraumes und dem Umland sowie Konkurrenz zwischen dem Ruhrgebiet und der Rhein-Schiene.
Ausführlich wird der aktuelle Stand der Diskussion um die 'Ruhrstadt' dokumentiert [...].Daraus wird zutreffend abgeleitet, dass offenbar nicht das Ob der Erfüllung von regionalen Gemeinschaftsaufgaben, sondern das Wie als im eigentlichen Sinne strittig anzusehen ist. Bemerkenswert ist, dass kein einziger Vorschlag nachweisbar ist, der das Ruhrgebiet als Stadt im kommunalverfassungsrechtlichen Sinn organisieren möchte. Vielmehr umfassen die vorgeschlagenen Modelle einer "Ruhrstadt" unter anderem die Idee eines Regionalverbandes, eines Städteverbundes, eines Mehrzweckverbandes oder eines Regionalkreises. Als eigenen Lösungsansatz greifen Frau Kanafa und Frau Lang die Idee des Regionalkreises auf [...].
Der Hintergrund der Arbeit ist eine spezifische und aktuelle Problemlage im Ruhrgebiet. Mit dem Ende der internationalen Bauausstellung Emscherpark und dem bevorstehenden Auslaufen der EU-Förderung sehen sich die Städte und Kreise des Ruhrgebiets mit dem Problem der Abstimmung ihrer vielfach verflochtenen Aufgabenstellungen und Entwicklungswünsche konfrontiert. Das von Frau Kanafa und Frau Lang bearbeitete Problem ist in hohem Maße praxisrelevant und auch allgemein bedeutsam, weil die Governance-Frage - die politische Steuerung und Koordination - zu den Hauptproblemen hochverdichteter Agglomerationsräume zählt(eine Frage, die angesichts überschuldeter kommunaler Haushalte noch an Brisanz gewinnt) [...].
Im Ergebnis bildet der differenziert ausgestaltete Vorschlag, die Ruhrstadt als Regionalkreis zu verfassen ein Arbeitsergebnis, dessen gestalterische Qualität weit über jene Anforderungen hinausreicht, die üblicherweise an eine Diplomarbeit gestellt werden. Es wäre höchst wünschenswert, wenn sich die politisch Verantwortlichen - bevor sie sich öffentlich äußern oder handeln - den Rat von Frau Kanafa und Frau Lang zu Herzen nehmen, auf die ,Gleichzeitigkeit von Wettbewerb und Solidarität' zu achten (S. 158 der Diplomarbeit)."
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Netzwerke für das Münsterland

Die eng mit der Gesellschaft für Strukturpolitik in Westfalen kooperierende Westfalen-Inistiative e.V. prämiiert mit 1.000 Euro die Diplomarbeit des Raumplaners Christian Paasche. Sein Thema: "Regionale Netzwerke aus Cluster zur Profilierung und positionierung von Wirtschaftsräumen - am Beispiel der Region Münsterland."
Hier Auszüge aus dem Kurzgutachten der Betreuer Prof. Dr. Volker Kreibich und Dr. Claus Schönebeck:
[...] "Der Umstrukturierungsprozess durch weltweite Vernetzung der Wirtschaft hat auch die regionalwissenschaftliche Diskussion der vergangenen zwei Jahrzehnte geprägt. Als Folge der veränderten Rahmenbedingungen und des Bedeutungszuwachses kleinerer und mittlerer Unternehmen mit ihren zwischenbetrieblichen Verflechtungsstrukturen konzentriert sich seit Mitte der 80er Jahre die Regionalökonomie und -politik zunehmend auf theoretische Ansätze, mit denen die Bedeutung regionaler Netzwerke und Cluster für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Unternehmen - und damit für die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes - beschrieben werden kann. [...] Die Diskussion um regionale Netzwerke und Cluster steht in der Bundesrepublik Deutschland jedoch immer noch am Anfang. Die vorliegende Arbeit leistet durch den Vergleich der grundlegenden theoretischen Ansätze einen bemerkenswerten Beitrag für ein besseres Verständnis ihrer Bedeutung und Wirkungsweise. Die Vorteile und Potentiale regionaler Netzwerke und Cluster werden nachgewiesen [...]
Die Ergebnisse der Analyse bilden die Grundlage zur Ableitung rahmensetzender Handlungsempfehlungen für den strategischen Aufbau zukunftsfähiger Innovationsnetzwerke und Cluster in der Region Münsterland, welche am Beispiel der Textilindustrie weiter spezifiziert werden. Damit wird den regionalen Entscheidungsträgern ein Einstieg in die aktive Initiierung des Clusterprozesses im Münsterland ermöglicht [...].
Aus der Sicht der Gutachter handelt es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine herausragende Leistung. Sie sprengt den üblichen Rahmen nicht nur durch ihren Umfang, sondern auch durch ihre Qualität [...] Der Autor hat das sich selbst gesteckte Ziel der Schaffung eines auf die Clusterbildung basierenden Konzepts zur Profilierung und Positionierung des Münsterlandes als innovativer Wirtschaftsraum im Standortwettbewerb erreicht. Die Ergebnisse der Untersuchung dürften über den engeren Bereich der Region Münsterland hinaus von Interesse sein."

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Pressekontakt:
Kamilla Kanafa, Mail kanafa@rp.uni-dortmund.de
Christoian Paasche, Ruf 0221 5402346, Handy 0174 6817634,
Mail: christian.paasche@gmx.de
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