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Tag der Immunologie zu angeborenen Immundefekten

20.04.2005 - (idw) Medizinische Hochschule Hannover

Veranstaltung in der MHH soll Schüler über die Körperabwehr informieren Am Freitag, 29. April 2005, wird erstmals in ganz Europa der Tag der Immunologie begangen. Ziel dieses Tages ist es, die Bedeutung der Immunwissenschaften für die Gesundheit und viele Krankheitsprozesse der Öffentlichkeit näher zu bringen. Eine große Informationsveranstaltung findet auch in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) statt. Die Schirmherrschaft für den Tag hat Niedersachsens Sozialministerin Dr. Ursula von der Leyen übernommen.

Im Mittelpunkt des Tages der Immunologie steht in Deutschland die angeborene Abwehrschwäche. "Derzeit wird nur jeder zehnte angeborene Immundefekt entdeckt. Ursache ist das mangelnde Wissen um diese Erkrankungen und ihre Diagnostik", sagt Professor Dr. Reinhold E. Schmidt, Direktor der MHH-Abteilung Klinische Immunologie und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. "Eine frühzeitige Erkennung und einfache Screeningverfahren könnten zu einer raschen Vorsorge, Therapie mit Antikörpern, Stammzelltransplantation oder Gentherapie führen."

Die MHH spielt dabei eine Vorreiterrolle: "Seit Anbeginn ist die immunologische Forschung eine zentrale Aufgabe der MHH - in der Transplantationsmedizin, in der Therapie rheumatischer Erkrankungen und bei Infektionskrankheiten", sagt Dr. Andreas Tecklenburg, MHH-Präsidiumsmitglied für das Ressort Krankenversorgung. Deshalb darf sich die Hochschule seit September 2004 "Jeffrey-Modell-Diagnostikzentrum für primäre Immundefekte" nennen: Alle Diagnostikzentren der US-amerikanischen Jeffrey Modell Foundation haben die Aufgabe, Kinder und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen und einem möglichen Immundefekt so früh wie möglich zu erkennen und optimal zu behandeln. Dabei betreut die MHH-Abteilung Klinische Immunologie erwachsene Patienten, die an einem angeborenen (primären) Immundefekt leiden. Kinder mit einer solchen Krankheit werden in den MHH-Abteilungen Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie sowie Pädiatrische Hämatologie und Onkologie behandelt. Ein wichtiger Kooperationspartner der MHH ist die Deutsche Selbsthilfe angeborene Immundefekte e. V. (DSAI).

Angeborene Immundefekte

Jeder Mensch ist im täglichen Leben einer Vielzahl von Viren, Bakterien und Allergenen ausgesetzt. Um uns davor zu schützen, verfügen wir normalerweise über ein Immunsystem, das die "Eindringlinge" aufspürt und vernichtet. Wenn ein Teil des Immunsystems fehlt oder nicht richtig funktioniert, kann der Körper diese Krankheitserreger nicht wirksam bekämpfen. Sind die Immundefekte genetisch bedingt, bezeichnen Mediziner sie als primäre Immundefekte (PI).

Insgesamt gibt es mehr als 100 verschiedene Arten von primären Immundefekten. Weltweit sind nach Schätzungen der Jeffrey Modell Foundation zehn Millionen Menschen davon betroffen. Primäre Immundefekte haben mitunter keine "eigenen" Symptome, sondern treten beispielsweise als gewöhnliche Infektionen der Stirnhöhlen, Ohren oder der Lunge auf. Sind diese Infektionen langwierig, treten sehr häufig auf und lassen sie sich nur sehr schwer mit herkömmlichen Methoden behandeln, ist dies ein Indiz für das Vorhandensein eines Immundefekts.

Um bleibende Folgen durch die immer wiederkehrenden Infektionen zu vermeiden, ist es nötig, dass die Ärzte den Immundefekt frühzeitig erkennen und behandeln. "Dies geschieht oftmals nicht rechtzeitig", sagt Professor Schmidt. Nicht allen Ärzten sei bewusst, dass die häufigen und langwierigen Erkrankungen ihrer Patienten ihre Ursache in einem Immundefekt haben.

Die Therapie: Bei einer akuten Infektion geben die Ärzte Antibiotika, um Organschäden und chronische Verläufe zu vermeiden. Einen Teil der primären Immundefekte kann man heute mit der Gabe von fehlenden Antikörpern behandeln, die sich die Patienten selbst unter die Haut spritzen. Aber auch Knochenmark-Transplantationen sind in manchen Fällen sinnvoll. Die Gentherapie ist ein möglicher zukünftiger Ansatz.

Zehn Warnzeichen bei Kindern für einen angeborenen Immundefekt:
1. Acht oder mehr Ohrinfektionen pro Jahr.
2. Zwei oder mehr schwere Nasennebenhöhlen-Infektionen pro Jahr.
3. Zwei oder mehr Monate mit Antibiotika-Therapie mit nur geringer Wirkung.
4. Zwei oder mehr Lungenentzündungen pro Jahr.
5. Ein Neugeborenes nimmt nicht zu oder wächst nicht normal.
6. Wiederkehrende tiefe Haut- oder Organabszesse.
7. Bleibende Pilzinfektionen im Mund, wenn das Kind älter als ein Jahr ist.
8. Die Notwendigkeit von Antibiotikagabe über die Blutbahn, um eine Infektion zu heilen.
9. Zwei oder mehr schwere innere Infektionen der Hirnhäute (Meningitis), der Knochen (Osteomyelitis) oder des gesamten Körpers (Sepsis).
10. Hinweise auf einen primären Immundefekt in der Familie.

Wissenswertes über das Immunsystem

Zum Tag der Immunologie hat die MHH für Freitag, 29. April 2005, in den Hörsaal R Schülerinnen und Schüler eingeladen. Ärzte der Hochschule werden erklären, wie das Immunsystem funktioniert, werden moderne Verfahren in der Therapie betroffener Kinder und Erwachsener vorstellen. Über die Abwehrschwäche wird die Vorsitzende der Deutschen Selbsthilfe für angeborene Immundefekte (DSAI), Gabriele Gründl, berichten.
Achtung: Es haben sich bereits zahlreiche Schulen zu dieser Veranstaltung angemeldet. Es ist deshalb leider nicht möglich, spontan noch daran teilzunehmen. Auf Wunsch besuchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MHH-Abteilung Klinische Immunologie aber gern Schulklassen, um über das Immunsystem und seine Erkrankungen zu berichten. Kontakt bitte über Professor Schmidt (siehe unten).


Weitere Informationen gibt gern Professor Dr. Reinhold E. Schmidt, Direktor der MHH-Abteilung Klinische Immunologie, Telefon: (0511) 532-6656, E-Mail: immunologie@mh-hannover.de.
Weitere Informationen: http://www.immunologie.de - die Aktionen in Deutschland zum Tag der Immunologie http://www.dayofimmunology.org - die europaweiten Aktionen zum Tag der Immunologie http://www.dsai.de - Informationen über die Deutsche Selbsthilfe für angeborene Immundefekte
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