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Aktuelles Online-Thema / Deutsches Jugendinstitut:

02.05.2005 - (idw) Deutsches Jugendinstitut e.V.

Mit der politischen Entscheidung für den Ausbau der Ganztagsschule wird eine Vielzahl von Zielen verfolgt: z.B. die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder dass der Schulerfolg weniger stark durch die soziale Herkunft bestimmt wird. Einigkeit besteht darüber, dass bei der Ausdehnung der Schule auf den ganzen Tag außerschulische Akteure und Schule kooperieren sollen. Wie dieses Zusammenwirken genau aussehen kann und soll - darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Reform des deutschen Schulsystems ist eine der wichtigsten Aufgaben nicht nur der Bildungspolitik, sondern auch aus Sicht der Familien- und Wirtschaftspolitik. Ein entscheidender Bestandteil dieser Reform ist die schrittweise Umwandlung der in Deutschland vorherrschenden Halbtagsschule in Ganztagsschulen bzw. Schulen mit Ganztagsangeboten.

Schulen sollen sich, so der Wunsch von Politik und Öffentlichkeit, verändern und öffnen. Aus den Lern- sollen Lebensorte werden. Bessere Bedingungen für eine individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern hergestellt werden, um die dringend notwendige Qualitätsverbesserung der schulischen Bildung, den Abbau von Benachteiligung und die bessere Förderung von Begabungen zu gewährleisten.

Vier Milliarden Euro stellt die Bundesregierung bis 2007 für den Ausbau der Ganztagsschulen bereit. Mehr als 3.000 Schulen profitieren derzeit schon von dem Programm. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn ist überzeugt: "Nur so schaffen wir den Weg in eine neue Schulkultur." Seit April werden interessierte Schulen außerdem durch ein bundesweites Netz von "Ganztägig lernen"-Serviceagenturen unterstützt.

Aufgrund der verschiedenen Schultraditionen in den einzelnen Bundesländern gibt es eine breite Palette von Ganztagsschul-Konzepten. Die Kultusministerkonferenz hat sich darauf verständigt, im wesentlichen drei Grundformen zu unterscheiden: die offene Form, bei der die Teilnahme an zusätzlichen Angeboten freiwillig ist und die gebundene Form mit verbindlicher Teilnahme von a) bestimmten Klassen oder b) der ganzen Schule.

Das Gros der Halbtagsschulen wird bei der Umwandlung in eine Ganztagsschule nicht in der Lage sein, selbst für die Bereitstellung der zusätzlichen Nachmittagsangebote zu sorgen. Deswegen besteht zumindest Einigkeit darüber, dass die Kooperation mit außerschulischen Partnern eine ganz große Rolle spielen wird. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt möchte vor allem die bereits bestehende Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule gezielt intensivieren. Dazu gehören auch die Angebote der Kinderkulturarbeit, wie sie Ina Bielenberg von der Bundesvereinigung Kultureller Jugendbildung im "Blick von außen II" beschreibt.

Neben den künstlerischen, musischen und auch sportlichen Ergänzungsangeboten legen viele Ganztagsschulen großen Wert auf die naturwissenschaftlich-technische Ausbildung in enger Kooperation mit Betrieben vor Ort. Wie viel Flexibilität, Kreativität und Teamfähigkeit dies von Seiten der LehrerInnen erfordert, belegt das Flugmodellbau-Projekt der Gottfried-Linke-Realschule in Salzgitter, das im "Blick von außen I" vorgestellt wird.

Am Deutschen Jugendinstitut laufen seit einigen Jahren Untersuchungen bestehender Ganztagsschulen sowie zur Kooperation von Schule und außerschulischen Akteuren. 2004 wurde eine Koordinationsstelle Jugendhilfe-Schule eingerichtet. Und bis 2007 ist das DJI an einer Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) beteiligt. Alle relevanten Projekte sind kurz vorgestellt in der Rubrik "Auf einen Blick".

Jens Lipski, der für das DJI über 5.000 Schulleiter allgemein bildender Schulen und über 1000 Kooperationspartner zur Zusammenarbeit befragt hat, plädiert im "Interview" für eine Änderung der Blickrichtung. "Wenn in (Ganztags-) Schulen der Unterricht vor allem der Unterstützung außerunterrichtlicher und außerschulischer Projekte dient - und nicht umgekehrt außerunterrichtliche Aktivitäten vor allem dem Unterricht -, dann besteht die große Chance, dass unsere Kinder ein Wissen erwerben, das sie auch im Lebens- und Berufsalltag anzuwenden vermögen. Dann könnte das Zusammenwirken von Schule mit anderen Akteuren wirklich zu einer ganz neuen Qualität des Lernens führen."


Kontakt:
Deutsches Jugendinstitut
Dr. Barbara Keddi
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 089 / 62306-281
Tefefax: 089 / 62306-265
E-mail: keddi@dji.de
Weitere Informationen: http://www.dji.de/thema/0505
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