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Theologische Fakultät Rostock erforscht die Gottesvorstellungen bei Kindern

02.05.2005 - (idw) Universität Rostock

Die Rostocker Religionspädagogin, Frau Professor Dr. Anna-Katharina Szagun hat eine sechsstellige Drittmittelsumme eingeworben für ein Forschungsprojekt zur religiösen Entwicklung von Kindern, die in einem mehrheitlich konfessionslosen Kontext aufwachsen. Die Mittel dienen dazu, die im Rahmen einer über sechs Jahre laufenden Langzeitstudie erhobenen umfangreichen Daten in einer Forschungsgruppe auszuwerten.
Das Besondere an der Langzeitstudie, welche etwa 60 Heranwachsende im Alter von 6 - 14 Jahren erfasst, ist zum einen die Verbindung von wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung und Lebensbegleitung (personzentrierte Gespräche), zum anderen das lerngruppenspezifische Vorgehen: Inhalte und Methoden des Religionsunterrichts und seiner erfassbaren Wirkungen wurden dokumentiert. Ein drittes Spezifikum bildet die Fokussierung der Erhebungsverfahren auf vielfältige visuelle Gestaltungen bzw. das Denken und Empfinden anschaulich machende Handlungsmuster: Auf diese Weise können religiöse Vorstellungsinhalte, die begrifflich (noch) nicht aussagbar sind, symbolisch mitgeteilt werden. Ein viertes Spezifikum ist die kommunikative Interpretation der Daten in einem interdisziplinären Team (Theologie, Religionspädagogik, Pastoralpsychologie und partiell Kunsttherapie).
Teilergebnisse und die innovativen Erhebungsverfahren wurden von Prof. Szagun auf internationalen Tagungen diskutiert und in Veröffentlichungen bekannt gemacht. Durch die eingeworbenen Drittmittel wird auch möglich, dass drei Stipendiaten Einzelaspekte (z. B. Genderfragen, Bibelkonzept, Konfessionszugehörigkeit bzw. -losigkeit) herausarbeiten. Die Ergebnisse dienen in mehrfacher Weise der Förderung von "Kindertheologie":
- Durch das Nachzeichnen individueller religiöser Bildungsverläufe soll der Reichtum theologischen Denkens von Kindern sichtbar gemacht werden.
- Durch Analyse der Daten in Hinblick auf überindividuelle Zusammenhänge bestimmter Einflussfaktoren (z. B. Geschlecht, konfessionelle Bindung usw.) sollen bisherige Theorien zur religiösen Entwicklung überprüft werden.
- Instrumente zur Erhebung wie zur individuellspezifischen Verarbeitung von Bedeutungskonstrukten, welche gleichzeitig tauglich sind für eine Theologie mit Kindern, werden entwickelt und evaluiert.
- Die Analyse der Wirkungszusammenhänge zwischen dem "religionspädagogischen Input" und den Bedeutungskonstrukten und Haltungen bezüglich des Gotteskonzepts zielt auf daraus abzuleitende Konsequenzen für das religionspädagogische Handeln in Schule und Gemeinde.

Noch 2005 soll ein universitätsinternes Graduiertenkolleg von vier Stipendiaten gebildet werden. Es wird von Frau Prof. Szagun und dem durch eine Forschungskooperation assoziierten Religionspädagogen und -psychologen, Prof. Dr. theol. Dr. phil. Klaus Kießling/Frankfurt am Main, betreut und dient nicht nur der kooperativen Aufarbeitung des Datenmaterials und der kommunikativen Erschließung der theoretischen Grundlagen einschließlich methodologischer Fragen, sondern auch der Interpretation von Daten, die in ergänzenden Querschnittsuntersuchungen gewonnen werden.
Dass "brandneue" Forschungsergebnisse immer wieder auch in die Lehre einfließen, versteht sich von selbst.

Dr. Igor Pochoshajew
Tel: (0381) 498 84 16
Email: igor.pochoshajew@uni-rostock.de

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