Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 1. August 2014 

Eine Million Seemeilen zwischen Süd- und Nordpol - 20 Jahre Forschungsschiff "Polarstern"

28.11.2002 - (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Vor zwanzig Jahren, am 9. Dezember 1982, wurde der deutsche Forschungseisbrecher "Polarstern" in Dienst gestellt.

"Polarstern" hat bis heute achtzehn Arktisexpeditionen absolviert und befindet sich auf ihrer zwanzigsten Antarktismission. Die wissenschaftliche Arbeit an Bord in den Fachgebieten Biologie, Geologie, Glaziologie, Geophysik, Chemie, Ozeanografie und Meteorologie dient der globalen Umwelt- und Klimaforschung. Mit der Versorgung der Neumayer-Station in der Antarktis übernimmt das Schiff auch wichtige logistische Aufgaben. Im Jahr 2002 war "Polarstern" mit dem Logo "Planet Erde" auch als internationaler Botschafter des Jahres der Geowissenschaften unterwegs.

Vor hundert Jahren lag das erste deutsche Südpolar-Forschungsschiff für ein Jahr im antarktischen Eis fest. Die "Gauss" musste überwintern und kam erst nach 11 Monaten wieder frei. Auch heute noch stellt Polarforschung hohe Anforderungen an Menschen und Technik. Mit "Polarstern" schuf sich die Bundesrepublik Deutschland vor zwanzig Jahren eine neue Forschungsplattform, die das Risiko für die Menschen denkbar gering hält und ein breites Spektrum an wissenschaftlichen Untersuchungen in den unzugänglichsten Gebieten der Erde ermöglicht. Damit ist Polarforschung heute viel planbarer geworden: "Die Frage, ob die Eisverhältnisse wissenschaftliches Arbeiten zulassen, wird nur noch selten gestellt. Das Schiff macht es möglich!" sagt Prof. Dr. Dieter Fütterer, der regelmäßig als wissenschaftlicher Fahrtleiter mit "Polarstern" unterwegs ist. Der Eisbrecher gehört dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Das AWI betreibt "Polarstern" und macht sie für interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt zugänglich und nutzbar. Die Reederei Laeisz stellt die Mannschaft und hält das Schiff technisch auf dem neuesten Stand.

Die Polargebiete der Erde haben in der modernen Umweltforschung einen hohen Stellenwert. Erkenntnisse über das Klima früherer Zeiten, die beispielsweise aus Ablagerungen am Meeresboden gewonnen werden, helfen bei der wissenschaftlichen Bewertung heutiger und zukünftiger Klimaveränderungen. Kaltes Bodenwasser, das in den arktischen und antarktischen Ozeanen entsteht, treibt die globalen Meeresströmungen an und beeinflusst das Klima weltweit.
"Die gesamte Erforschung der schwer zugänglichen antarktischen Packeiszone, die den flächenmäßig größten Teil des kalten südlichen Ozeans ausmacht, wäre ohne Schiffe wie die 'Polarstern' nicht möglich gewesen", schildert Prof. Dr. Wolf Arntz, der ebenfalls sehr häufig wissenschaftlicher Fahrtleiter auf "Polarstern" war. "Unter dem Packeis haben wir Lebensgemeinschaften beobachtet, die in ihrer Vielfalt an Korallengärten der gemäßigten Breiten erinnern", so der Biologe Arntz.

Als eines der leistungsfähigsten Polarforschungsschiffe der Welt ist "Polarstern" besonders attraktiv für die internationale Wissenschaft. Es gibt keine Expedition, für die es nicht erheblich mehr Anfragen als Teilnahmemöglichkeiten gibt. Gewöhnlich setzt sich die Wissenschaft an Bord zusammen aus einem Drittel AWI-Mitarbeiter, einem Drittel deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und einem Drittel internationaler Kollegen. Bis heute waren Mitglieder von insgesamt 35 Nationen auf den Expeditionen dabei. Durch die Möglichkeiten, die "Polarstern" bietet, hat die Forschung am AWI internationale Bedeutung erlangt. "Polarstern" war somit ein wichtiger Grundstein für den Aufbau der deutschen Antarktisforschung seit 1980.

Zur Zeit befindet sich "Polarstern" unter der Fahrtleitung von Prof. Dr. Dieter Fütterer mit 37 Personen Besatzung und 34 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf ihrer 20. Antarktisexpedition. Mitte Dezember wird sie an der Neumayer-Station anlegen und Material und Verpflegung für die dortigen Überwinterer und für die beginnende Sommer- und Arbeitssaison liefern. Während der letzten Arktis-Expedition, am 7. September 2002 um 20.22 Uhr, hat "Polarstern" eine Million Seemeilen zurückgelegt. Am 7. September 1991 erreichte sie als erstes konventionell angetriebenes Schiff den Nordpol. Auch in Zukunft wird sie noch einiges leisten: "'Polarstern' wird für mindestens eine weitere Dekade das wichtigste Instrument der Polarforschung bleiben", sagt Prof. Dr. Jörn Thiede, Direktor des AWI und derzeitiger Präsident von SCAR (Scientific Committee on Antarctic Research).

Hinweise: Für ihre Berichterstattung bieten wir Ihnen an:
- Gesprächspartner aus dem Haus: Fahrtleiter früherer Expeditionen aus allen Fachgebieten, unter anderem der Direktor des Instituts, Prof. Dr. Jörn Thiede und Prof. Dr. Wolf Arntz.
- Gesprächspartner an Bord: Ab dem 24. November können wir Ihnen ein Gespräch mit dem Fahrtleiter Prof. Dr. Dieter Fütterer oder dem Kapitän Udo Domke auf "Polarstern" vermitteln.
- Fernsehverwendbare Schnittbilder.

Ihre Ansprechpartner sind Torsten Fischer (Tel.: 0471/4831-1743) und Claudia Ratering (0471/4831-1680). Besuchen Sie darüber hinaus unsere Internetseite, auf der wir die aktuelle Broschüre "Zwanzig Jahre Polarstern" als pdf sowie druckbare Fotos zum Download anbieten (http://www.awi-bremerhaven.de/Polar/jubilaeumsseite-d.html ). Detaillierte Informationen finden Sie außerdem unter http://www.awi-bremerhaven.de/Polar/polarstern-d.html

Bremerhaven, den 28. November 2002

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.
uniprotokolle > Nachrichten > Eine Million Seemeilen zwischen Süd- und Nordpol - 20 Jahre Forschungsschiff "Polarstern"

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/9914/">Eine Million Seemeilen zwischen Süd- und Nordpol - 20 Jahre Forschungsschiff "Polarstern" </a>