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Den "Job für`s Leben" hat`s auch früher nicht gegeben

29.11.2002 - (idw) Institut Arbeit und Technik

IAT-Arbeitsmarktforscher befragten Metallarbeiter im Ruhestand

Berufliche Mobilität wird nicht erst heute Arbeitslosen wie Beschäftigten auf dem turbulenten Arbeitsmarkt abverlangt. Schon in der "guten, alten Zeit" verdiente nur eine Minderheit der Erwerbstätigen Lohn und Brot in der "Lebensstellung" von der Lehre bis zur Rente in einem Betrieb. Zwei Drittel wechselten mindestens einmal den Arbeitgeber. Jeder Zweite hat im Laufe seines Erwerbslebens den Beruf gewechselt. Instabile Erwerbsverläufe erlebte besonders die Nachkriegsgeneration in der Zeit des "Wirtschaftswunders", während der 2. Weltkrieg seltener zu Berufs- und Betriebswechsel führte.

Das zeigen Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) zur Arbeitsmarktmobilität. Da statistische Daten zu diesem Thema für die letzten drei Jahrzehnte kaum vorhanden sind, für die Zeit davor noch weniger, wurden Senioren im Ruhestand nach ihren Erwerbsverläufen befragt. Die Ergebnisse dieser Befragung sind zwar nicht repräsentativ, da nur eine kleine Gruppe befragt wurde, geben aber interessante Aufschlüsse über das Berufsleben zwischen den 40er und beginnenden 80er Jahren.

Befragt wurden 100 Mitglieder der IG Metall Seniorengruppe Gelsenkirchen im Alter von 54 bis 84 Jahren. 88 Prozent der Senioren kann auf eine berufliche Ausbildung verweisen, überwiegend (72 Prozent) arbeiteten die Befragten früher in Großbetrieben mit über 500 Beschäftigten. Aufgrund der vergleichsweise hohen Qualifikationsstruktur der Befragten und der Tätigkeit hauptsächlich in Großbetrieben waren zunächst relativ stabile Erwerbsverläufe zu vermuten.

Wie die Befragung ergab, ist die "Lebensstellung" in nur einem Betrieb tatsächlich nur für rund ein Drittel (35 Prozent) der Befragten Realität gewesen. Zwei Drittel der Senioren haben zumindest einmal den Arbeitgeber gewechselt, fast jeder Dritte berichtete von vier oder mehr Arbeitgeberwechseln. Dabei gab es durchaus auch kürzere Beschäftigungszeiten, jeder dritte Betriebswechsler ist sogar einmal weniger als ein Jahr bei einem Arbeitgeber beschäftigt gewesen.

Lediglich ein Drittel der Befragten hat das ganze Erwerbsleben hindurch im erlernten Beruf gearbeitet. Demgegenüber berichtete die Hälfte von mindestens einem Berufswechsel, 19 Prozent wechselten sogar mehrmals den Beruf.

Bei diesen Ergebnissen kommen Zweifel an der Vorstellung auf, dass in der Vergangenheit ein kontinuierliches Arbeitsverhältnis basierend auf dem erlernten Beruf und bei einem einzigen Arbeitgeber die Regel gewesen ist. Die Kriegs- und Nachkriegszeit hat teilweise tiefgreifenden Einfluss auch auf das Berufsleben der Betroffenen gehabt. Diese Generation weist jedoch wesentlich stabilere Erwerbsverläufe auf als die folgende, die ihr Berufsleben in den Wiederaufbaujahren begann. So berichteten in der "Wirtschaftswundergeneration" 70 Prozent von Arbeitgeberwechseln, während die Kriegsgeneration vergleichsweise seltener den Betrieb wechselte, 41 Prozent waren in ihrem gesamten Berufsleben tatsächlich nur bei einem einzigen Arbeitgeber beschäftigt.

Die Ergebnisse der Befragung sind im aktuellen IAT-Report veröffentlicht und als Download im Internet verfügbar: http://iat-info.iatge.de/iat-report/2002/report2002-10.pdf

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