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Berufsziel Politikberatung

29.11.2002 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Hemal Agrawal engagiert sich global für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit

War es Karma, war es Schicksal? "Ich hätte nie daran gedacht, dass ich einmal nach Deutschland gehe", sagt Hemal Agrawal (30), inzwischen konferenzerprobter Ökonomie-Promovent und Assistent am Lehrstuhl für Volkswirtschaft und Philosophie der Universität Witten/Herdecke (UWH). Doch dann begegnete ihm 1993 auf einer Straße in seiner Heimatstadt New Delhi zufällig ein deutscher Student, der sich, wie er, mit Philosophie beschäftigte. Der erzählte so eindrücklich von der UWH, dass sich Hemal erst mal die Unterlagen schicken ließ. "Ich war fasziniert von der Uni-Verfassung, denn hier schienen Spiritualität und Ökonomie keine Widersprüche zu sein", sagt Agrawal, der in Ghandis Revolutions-Bewegung die "weltweit erste Bürgergesellschaft" sieht.

Erst in Witten hat der Student der Wirtschaftswissenschaft ab 1995 sein Lebensthema gefunden: Nachhaltigkeit, nach der Konferenz von Rio 1992 ganz hoch auf der öffentlichen Agenda. "Ich erkannte, dass sich Nachhaltigkeit und ökonomische Theorie nicht ausschließen, sondern übereinstimmen: Wenn die Knappheit eines Gutes die Höhe des Preises bestimmt, dann steht nicht Nachhaltigkeit, sondern Ressourcenverschwendung in Widerspruch zur ökonomischen Theorie", erklärt Agrawal. In Kontrast zu seinem Heimatland Indien fielen ihm durch das Leben in Deutschland auch Ungerechtigkeiten in der Ressourcenverteilung auf: "Armut und Reichtum sind kein Zufall. Es gibt Strukturen, die diese Ungleichheit aufrecht erhalten." Als Beispiele nennt er Weltbank und Welthandels-Organisation (WTO).

Da diese Strukturen nicht nur von Witten aus umzugestalten sind, mischt sich der Promovend mit Berufsziel Politikberatung in immer mehr globale Nachhaltigkeits- Konferenzen ein. Johannesburg im August 2002 war bereits die zwölfte in diesem Jahr. Zehn Jahre nach Rio war er dort an der Vorbereitung und Formulierung der deutschen Position beteiligt. Im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlichte er sein "Jo´burg memo - fairness in a fragile world" in insgesamt neun Sprachen. Die UNO kürte das Werk zu einer der besten Publikationen der Konferenz. Trotzdem hat Agrawal, der sich als "Grenzgänger" bezeichnet und bewusst keiner Organisation angehört, Johannesburg enttäuscht: "Außer Bewusstseinsbildung gab es wieder keinen Fortschritt." Immerhin seien Nicht-Regierungs-Organisationen heute viel präsenter als noch in Rio und grüne Parteien seien in dreißig Ländern vertreten.

Hemal Agrawal, Tel.: 02302/50116; 02302/926-532
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