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Bergen-Konferenz: Auftakt zur "zweiten Halbzeit" des Bologna-Prozesses

20.05.2005 - (idw) Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Die Europäischen Hochschulminister trafen sich am 19. und 20. Mai in Bergen (Norwegen), um über die bisher erreichten Ziele des Bologna-Prozesses zu diskutieren und Schwerpunkte für die "zweite Halbzeit" bis 2010 festzulegen. Außerdem nahmen sie fünf weitere Länder in den Bologna-Prozess auf (Armenien, Azerbejidjan, Georgien, Moldavien und die Ukraine) und vereinbarten eine nächste Konferenz 2007 in London.

Die den Ministern vorgelegten Fortschrittsberichte bestätigen beträchtliche Verbesserungen bei der europaweiten Verwirklichung der Reformziele in den Hochschulen, insbesondere in den Schwerpunktbereichen von Studienstrukturen, Qualitätssicherung und Anerkennung von Abschlüssen.

Die Minister mahnten verstärkte Anstrengungen in einigen anderen Aufgabenbereichen an, z.B. den Dialog mit den Sozialpartnern im Interesse der Beschäftigungsfähigkeit von Bachelor-Absolventen oder für die Entwicklung eines nationalen Qualifikationsrahmens. Hier wurden in Deutschland durch die gemeinsame Arbeit von HRK, BMBF, KMK und anderen Organisationen gute Erfolge erzielt.

Zum Thema der Doktorandenausbildung enthält das Bergen Kommunique Formulierungen, die sich völlig mit der Position decken, die die HRK gemeinsam mit den Rektorenkonferenzen Österreichs und der Schweiz erarbeitet hatte.

Trotz einer erfreulichen Gesamtbilanz wies HRK-Präsident Gaehtgens auf einige nicht erledigte Aufgaben der Ministerkonferenz hin: "Zwar unterstrichen die versammelten Minister, dass den Hochschulen schon jetzt eine zentrale Rolle bei der Verwirklichung des Europäischen Hochschulraumes zukommt, da die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen für die Reformen in den meisten Ländern geschaffen worden seien. Aber sie versäumten in Bergen die Gelegenheit, Lösungen für die verbleibenden Probleme zu formulieren und klare Verpflichtungen einzugehen." Dazu zähle insbesondere die Frage der Beschäftigungschancen für Bachelor-Absolventen im öffentlichen Dienst, eine wirksame Zusicherung ausreichender Finanzierung der Hochschulen sowie die Beseitigung von Mobilitätshindernissen auch für das Hochschulpersonal. "Die vielbeschworene Mobilität im Europäischen Hochschulraum soll nicht nur für die Studierenden gelten. Die Minister haben die Chance nicht genutzt, sich der Übertragbarkeit von dienst- und versorgungsrechtlichen Regelungen anzunehmen.
Letztlich gehen viele Aspekte des Bologna-Prozesses über die Ressortzuständigkeit der Bildungsminister hinaus", so Gaehtgens. "Bergen wäre die Gelegenheit zu einem klaren Bekenntnis gewesen, in den verbleibenden fünf Jahren die Finanz-, Innen- und weitere Ressorts in die Debatte einzubeziehen, um die Reformen zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen." In vielen Ländern vermuteten die Hochschulen hinter dem Bologna-Prozess vor allem ein staatliches Einsparungsprogramm, dies aber diskreditiere das ganze Unterfangen und müsse daher entkräftet werden.

Insgesamt vermissten die Hochschulen in Bergen eine Vision der Bildungsminister, die über 2010 hinausweisen, eine Verknüpfung mit den Zielen von Lissabon sichern und den Erfordernissen des vielbeschworenen Europa des Wissens Rechnung tragen würde.

Dies muss nun als Aufgabe für die Konferenz in London verstanden werden.

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