Taub sein und trotzdem hören - Infotag zu Cochlear Implantaten

31.05.2005 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Uniklinikum Jena lädt zum bundesweiten Aktionstag am 4. Juni Bürger und Ärzte zu Vortragsprogramm (Jena) Taub sein und trotzdem hören - unter diesem Motto steht der erste bundesweite Aktionstag zu Cochlear Implantaten am 4. Juni. In Jena laden aus diesem Anlass das Institut für Phoniatrie und Pädaudiologie sowie die HNO-Klinik des Universitätsklinikums erstmalig zu einer Informationsveranstaltung rund um die Möglichkeiten des Innenohrimplantates ein.

Am Vormittag des kommenden Samstages sind von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr alle interessierten Bürger zu Vorträgen und Gesprächen rund um die Themen Hörbehinderung und Hören mit einem Cochlear Implantat eingeladen. Die Vorträge und Fragerunden finden im Hörsaal 4 auf dem Campus Ernst-Abbe-Platz statt. Am Nachmittag treffen sich dann die Experten - niedergelassene Ärzte, Klinikkollegen und Forscher - zu Vorträgen zu aktuellen Entwicklungen im Kampf gegen die Taubheit.

"Wir wollen mit diesem Tag vor allem über die immensen Möglichkeiten informieren, die sich tauben Menschen heute dank des Cochlear Implantates eröffnen", erläutert Dr. Thomas Braunschweig vom Institut für Phoniatrie und Pädaudiologie am Uniklinikum Jena. "Vor allem kleine Kinder können dank dieser Methode hören und auch sprechen lernen", führt der Initiator des Jenaer Informationstages weiter aus. Dafür müsse die Behandlung allerdings in den Jahren des Spracherwerbs, also schon im Alter von ein bis drei Jahren, beginnen. Später seien die für das Sprechen zuständigen Hirnareale anderweitig belegt, und die Kinder können bei einer späteren Operation zwar hören, aber nicht mehr sprechen lernen. Ein wichtiges Thema des Informationstages ist daher die Vorstellung des Screenings bei Neugeborenen, um so schnell wie möglich eine angeborene Taubheit feststellen zu können.

Aber auch Erwachsenen kann mit Hilfe des Innenohrimplantates geholfen werden: Die Patienten können wieder hören, Sprache verstehen und sogar Musik hören. "Das dauert allerdings in der Regel einige Jahre", so Braunschweig. Denn statt 600 wahrnehmbaren Tönen des menschlichen Innenohrs kann der implantierte elektrische Ersatz bisher nur 12 bis 21 Frequenzen umsetzten.

Doch das ist nur der vorübergehende Status - da die Geräte ständig weiterentwickelt und verbessert werden, rechnen die Experten damit, künftig immer bessere Hörergebnisse erzielen zu können. Auch derzeit sind wieder neue Modelle entwickelt worden - welche Möglichkeiten diese jetzt bieten, wird auch ein Thema der Veranstaltung am 4. Juni sein.

Hintergrund Cochlear Implantat
Das Cochlear Implantat (CI) ist eine Hörprothese für an Taubheit grenzende und gehörlose Kinder oder Erwachsene, denen herkömmliche Hörgeräte keinen Nutzen bringen. Das CI wandelt Schall in elektrische Impulse um und stimuliert so den Hörnerv, so dass Sprache und Töne wieder wahrgenommen werden können. Cochlear Implantate können daher nur eingesetzt werden, wenn bei den Betroffenen der Hörnerv und die Cochlea (Hörschnecke) intakt sind.
Beim operativen Einsetzen wird ein Implantat unter die Haut implantiert, dieses wird ergänzt durch einen Sprachprozessor, der hinter dem Ohr getragen wird. Gemeinsam ermöglichen diese ein elektrisch vermitteltes Hörerlebnis.
In Deutschland leben ca. 8.000 Kinder und Erwachsene mit einem Innenohrimplantat.

Taub und trotzdem hören!
4. Juni 2005, 1. Deutscher Cochlear Implantat-Tag
ab 10:00 Uhr
Hörsaal 4, Campus Ernst-Abbe-Platz, Jena

Ansprechpartner:
Dr. Thomas Braunschweig
Institut für Phoniatrie und Pädaudiologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641 / 935434
E-Mail: thomas.braunschweig@med.uni-jena.de