"Gender and Islam in Southeast Asia" - Internationales Symposium an der Universität Passau

26.09.2005 - (idw) Universität Passau

Der Lehrstuhl für Südostasienkunde (Insulares Südostasien) veranstaltet vom 29. September bis 1. Oktober an der Universität Passau ein internationales Symposium zum Thema "Gender and Islam in Southeast Asia". Über drei Tage hinweg beleuchten rund 25 Südostasienexperten aus aller Welt die Situation von Frauen in islamischen Gesellschaften Südostasiens. Am Lehrstuhl für Südostasienkunde I der Universität Passau wird vom 29. September bis 1. Oktober 2005 ein internationales Symposium zum Thema "Gender and Islam in Southeast Asia" durchgeführt. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus Thailand, Malaysia, Indonesien, den Philippinen, den USA, Australien und Deutschland werden sich dabei mit Problemen auseinandersetzen, die für die islamische Welt heute von großer Bedeutung sind, wobei Fragen der Sexualmoral, der Frauenrechte, der Demokratie und des gesellschaftlichen Pluralismus im Vordergrund stehen.
Ein Blick auf Südostasien kann das deutsche Islam-Bild, das vorwiegend am Nahen und Mittleren Ostens orientiert ist, korrigieren und dazu beitragen, eine schwarz-weiß-Perspektive zu überwinden. Anders als in der arabischen Welt wird der Islam in Südostasien einer pluralistischen Staatsideologie untergeordnet oder durch multireligiöse und multikulturelle Gesellschaftsentwürfe auf spezifische Bereiche reduziert. In Thailand und auf den Philippinen stellt er eine Minderheitenreligion mit prekärem Status dar; Indonesien, die Nation mit der zahlenmäßig größten muslimischen Population, ist für seine moderate, ins synkretistisch gehende Spielart und die Ablehnung einer Staatsreligion bekannt, und in Malaysia praktizieren Muslime seit vielen Jahren erfolgreich das interreligiöse Miteinander mit Angehörigen anderer Religionen. In all diesen Ländern sind Frauen in akademischen und politischen Führungsstrukturen präsent, wurden Gender Studies an Universitäten etabliert, können Homosexuelle mit Festivals und Kongressen an die Öffentlichkeit treten. Südostasiatische Musliminnen erarbeiten feministische Interpretationen des Koran und der Sunna, engagieren sich gegen rechtliche Benachteiligungen von Frauen und legen an prominenter Stelle Entwürfe für neue Gesetze vor.
Trotz dieser positiven Befunde sind Liberalisierung und Frauenemanzipation in Südostasien nicht unumstritten. Sie werden u.a. durch Intervention konservativer Muslime und Re-Islamisierungsprozesse aber auch durch Dynamiken in regionalen Unabhängigkeitsbewegungen bedroht. In Südthailand, auf den südlichen Philippinen und im indonesischen Aceh ist das Bekenntnis zum Islam und zur Sharia Teil einer oppositionellen Identität, ein Umstand, die gerade für Frauen katastrophale Folgen hat. Seit Einführung des islamischen Rechts existiert in Aceh beispielsweise eine Sharia-Polizei, die unverschleierte Frauen festnimmt und einer Justiz übergibt, die diese "Vergehen" mit öffentlichem Auspeitschen sanktioniert. In diesen Regionen, in denen Militär, Milizen und Guerilla Gewaltökonomien errichtet haben, leiden besonders Frauen unter allgemeiner Rechtlosigkeit, unter sexueller Gewalt und Repression. Sie sind aber auch diejenigen, die sich für friedliche Konfliktlösungen und die Durchsetzung von Rechtstaatlichkeit und Humanität einsetzen.
Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass muslimische Wissenschaftlerinnen in Südostasien sich häufig durch politisches Engagement auszeichnen. Wissenschaft findet nicht im Elfenbeinturm statt, sondern muss sich in der gesellschaftlichen Praxis bewähren. Viele der in Passau eingeladenen südostasiatischen Redner und Rednerinnen sind daher auch Politikerinnen, Menschenrechtsaktivistinnen und Frauenrechtler. Es handelt sich ausnahmslos um Personen, die herausragende Beiträge zu Religion und Gesellschaft in ihren Ländern geleistet haben, die sich insbesondere mit Fragen der Modernisierung und Kulturalisierung des Islam, der Demokratisierung und Durchsetzung von Menschenrechten unter Berücksichtung der Gender-Perspektive befasst haben. Sie treffen in Passau auf Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus so genannten westlichen Ländern, speziell auch auf Nachwuchswissenschaftlerinnen, die eigene empirische Forschungen begonnen oder gerade abgeschlossen haben. Drei der eingeladenen Forscherinnen haben in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens gearbeitet und können dadurch eine vergleichende Perspektive in die Debatte einbringen.
"Wir hoffen, dass wir mit dem Symposium zum Abbau von Vorurteilen gegen den Islam und zu einer differenzierteren Haltung beitragen können", so Professorin Dr. Susanne Schröter, Inhaberin des Lehrstuhls für Südostasienkunde I.

Das Symposium trägt dazu bei, Passau als international anerkanntes Zentrum für Südostasienwissenschaften, für Islam- und Genderstudien zu stärken und ist Teil des Forschungsschwerpunktes "Geschlechterbeziehungen in islamischen Gesellschaften Südostasiens" unter Leitung von Professor Dr. Susanne Schröter, in dem zurzeit drei Doktorandinnen und eine Habilitandin arbeiten. Es wird mit großzügiger finanzieller Unterstützung des Volkswagenstiftung, der Universität Passau und der indonesischen Botschaft in Berlin durchgeführt.

Weitere Informationen: http://www.phil.uni-passau.de/suedostasien
Interessenten können an der Tagung teilnehmen, Anmeldung unter 0851/509-2741.

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Hinweis an die Redaktionen:
Rückfragen zu dieser Pressemitteilung richten Sie bitte an den Lehrstuhl für Südostasienkunde, Tel. 0851/509-2741, oder an die Pressestelle der Universität Passau, Tel. 0851/509-1430, E-Mail: pressestelle@uni-passau.de. Das Programm kann als pdf bei der Pressestelle der Universität angefordert werden.
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