Menschheitsforscher und Kämpfer gegen die Apartheid - Balzan Preisträger Phillip Vallentine Tobias wird 80

10.10.2005 - (idw) Internationale Balzan Stiftung "Fonds"

Berlin, 7. Oktober; Als Phillip V. Tobias 1945 als Student erstmals die Hominidenfundstelle Sterkfontein in Südafrika betrat, konnte er nicht ahnen, dass dieser Ort mit seiner Hilfe zur weltweit bedeutendsten Fundstelle menschlicher Fossilien wurde. Ab 1966 führte der am 14. Oktober 1925 in Durban geborene Paläoanthropologe dort regelmäßig Grabungen durch. Mehr als 600 fossile Hominidenreste wurden bislang entdeckt, darunter 1997 ein fast vollständiges Skelett. Seit 1999 gehört Sterkfontein zum Weltkulturerbe der UNESCO. Auch als 1993 emeritierter Professor kommt Tobias von Sterkfontein nicht los: Der 17-fache Ehrendoktor ist Direktor der Forschungsstelle. Die renommierte Internationale Balzan Stiftung zeichnete Tobias 1987 für seinen außerordentlichen Beitrag zum Verständnis der Menschwerdung und sein politisches Engagement mit dem Balzan Preis aus - neben dem Nobelpreis der weltweit bedeutendste Wissenschaftspreis.

Auf dem Gebiet der physikalischen Anthropologie gilt der 80-Jährige als Weltautoriät. Ihm haben wir unschätzbare Kenntnisse über die menschlicher Evolution (einschließlich der Sprachentwicklung) vom Australopithecus, bis zum Homo habilis, Homo erectus und Homo sapiens, zu verdanken. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Anatomische Institut der WITS University in Johannesburg zu einem internationalen Zentrum der Paläoanthropologie. Doch Tobias ist nicht nur Paläoanthropologe, sondern auch Mediziner und Anthropologe. Seine zwischen 1956 und 1971 organisierten interdisziplinären Studien der Kalahari San Buschleute sind bis heute die umfassendsten ihrer Art in Afrika. Er zeigte, dass es sich bei den Buschleuten nicht um degenerierte Überbleibsel aus früheren Zeiten handelt, sondern um eine kulturell hochspezialisierte Menschengruppe.

1949 initiierte Tobias als Präsident der National Union of South African Students die erste Anti-Apartheid-Bewegung in südafrikanischen Universitäten. Als 1977 der Bürgerrechtler und Arzt Steve Biko in Polizeigewahrsam ums Leben kam, war es auch Tobias, der eine gerichtliche Untersuchung durchsetzte. Ergebnis: Biko starb einen gewaltsamen Tod.

Die Internationale Balzan Stiftung mit Sitz in Mailand und Zürich vergibt jährlich vier Wissenschaftspreise. Jeder ist mit einer Million Schweizer Franken dotiert (ca. ¤ 640.000). Seit 1961 wurden 106 Persönlichkeiten und Hilfsorganisationen mit dem Balzan Preis geehrt. Am 11. November findet im Nationalratssaal in Bern die Verleihung der Preise an die diesjährigen Preisträger statt, darunter auch der deutsche Kunsthistoriker und Sinologe Prof. Dr. Lothar Ledderose.

Kontakt:
Robert Mosberg
Pressestelle Deutschland der Internationalen Balzan Stiftung
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