Flitzer aus der Flasche: Bierflaschenautorennen in Wolfsburg

14.12.2005 - (idw) Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel

WOLFSBURG - Zwölf Meter in sieben Sekunden, per Automobil und ohne jeglichen Abgasausstoß - diesen Erfolg können sich die Sieger des diesjährigen "Bierflaschenautorennen" an der Fachhochschule in Wolfsburg auf die Fahnen schreiben. Drei studentische Teams gingen am 8. Dezember an den Start. Und so lustig das Ganze erscheint - für die Studierenden hat das Rennen einen ernsten Hintergrund: die Erprobung der Methode "Problemorientiertes Lernen (POL)". Dabei trainieren die Studierenden im Beruf wichtigen Fähigkeiten wie soziale und interkulturelle Kompetenz und Teamfähigkeit. Eines der POL-Projekte ist ein Unternehmensplanspiel, das im Verbund der Vorlesungen "Projektmanagement", "Digitale Fabrik" und "CAD/CAM" mit mehr als hundert Studierenden am Fachbereich Fahrzeug-, Produktions- und Verfahrenstechnik der FH stattfand. Im Planspiel arbeiten drei fiktive, untereinander konkurrierende Fahrzeughersteller an der Entwicklung, Planung und dem Bau von Zero-Emission-Fahrzeugen: Unternehmen A ist ein Massenhersteller mit hohem Qualitätsanspruch und leichten Problemen mit Unternehmensgewinnen, Unternehmen B ein Premiumhersteller, bei dem der Preis der Produkte eine untergeordnete Rolle spielt, und Unternehmen C ein fernöstlicher Billiganbieter, der gern erfolgreiche Lösungen kopiert. Ebenfalls dabei: ein Ingenieurdienstleister und ein Komponentenhersteller als spezialisierte Zulieferer.

In der Bau-Phase entstanden drei Prototypen eines durch erneuerbare Energie angetriebenen "Zero-Emission-Vehicle". Dabei wurde die Emissionsfreiheit durch Speichern und dosiertes Freisetzen potentieller Energie erreicht, die durch Anheben im Erdschwerefeld, Aufbringen von Innendruck in die Bierflaschen oder eine gespannte Drahtfeder gelangte. Die Wolfsburger Studierenden bauten ihre Fahrzeuge aus Holz, Pappe, Papier, CDs und Draht. Besonders ungewöhnlich gestaltete sich die Konstruktion des oberen Teils eines der Fahrzeuge, wo eine Bierflasche befestigt wurde. Die Flasche wickelt durch ihr Gewicht die auf der Fahrzeugachse aufgerollte Schnur ab, was das Fahrzeug mehr oder weniger schnell in Bewegung setzte.

Im ersten Teil des Rennens galt es, eine möglichst lange Strecke zurückzulegen. Die Ergebnisse lagen hierbei zwischen sieben und beachtlichen zwölf Metern. Im zweiten Teil mussten die Bierflaschenboliden im leergräumten Hörsaal eine Acht abfahren.

Der Premium-Hersteller (B) belegte beim Rennen den letzten Platz, rangierte aber beim Handlingskurs ganz vorn. Genau umgekehrt lautete das Ergebnis der Konkurrenz aus Fernost. Der Massenfabrikant (A) lag in beiden Disziplinen im Mittelfeld. "Bei aller Realitätsnähe unseres Planspiels sollte dieses Ergebnis nicht überbewertet werden. Entscheidend ist, dass beim Wolfsburger Bierflaschenautorennen Theorie und Praxis interdisziplinär miteinander verbunden werden - und das Ganze auch noch jede Menge Spaß macht", so Dekan Prof. Dr. Gerhard Glatzel.