Göttinger MS-Forscherinnen erhalten Sobek-Nachwuchspreis

16.12.2005 - (idw) Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen

Je 3.500 Euro für zwei Multiple-Sklerose-Nachwuchsforscherinnen am Bereich Humanmedizin

Sperrfrist: Freitag, 16. Dezember 2005, 16:00 Uhr (ukg) Den Sobek-Nachwuchspreis für Multiple-Sklerose-Forschung erhalten in diesem Jahr zwei Forscherinnen des Bereichs Humanmedizin Göttingen sowie eine Forscherin aus Düsseldorf. Die Göttinger Forscherinnen Jun.-Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler, Abt. Neuropathologie (Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Brück), und Dr. Ricarda Diem, Abt. Neurologie (Direktor Prof. Dr. Mathias Bähr), werden für ihre Beiträge zum Verständnis und zur Behandlung der bisher unheilbaren Krankheit ausgezeichnet. Der Preis wird am Freitag, 16. Dezember 2005, von der Roman, Marga und Mareille Sobek-Stiftung im Stuttgarter Neuen Schloss verliehen. Die Nachwuchs-Preisträgerinnen erhalten je 3.500 Euro Preisgeld.

Der Sobek-Forschungspreis und der Sobek-Nachwuchspreis werden seit 2000 jährlich für Leistungen in der MS-Grundlagenforschung verliehen. Die Roman, Marga und Mareille Sobek Stiftung mit Sitz im baden-württembergischen Renningen wurde 1994 von der Darmstädter Kaufmannsfamilie Sobek gegründet, nachdem deren Tochter Mareille an Multipler Sklerose gestorben war.

Dr. Diem erhält die Auszeichnung für die erfolgreiche Erprobung einer neuen Kombinationstherapie gegen Multiple Sklerose (MS) im Tiermodell. Standard-therapien können Entzündungsreaktionen im Körper während der in Schüben auftretenden Erkrankung vermindern, jedoch nicht den Untergang von Nervenzellen verhindern. Nach "MS-Schüben" bleiben oft Lähmungen oder Sehstörungen zurück. Ricarda Diem ergänzte die etablierte Therapie mit Methylprednisolon mit einem weiteren Wirkstoff namens Erythropoietin (EPO), der Nervenzellen vor dem Untergang bewahren kann. Die Forscherin testete die Kombinations-Behandlung an Ratten, die MS-ähnliche Entzündungen in den Sehnerven hatten. Die Sehleistung der Tiere blieb dadurch maßgeblich erhalten.
Diem und ihre Kollegen hoffen, dass sich die Forschungsergebnisse beim Menschen bestätigen. Die Ergebnisse sind im Januar 2005 in der international renommierten Fachzeitschrift "Brain" erschienen (Brain 128 (2005): 375-385).

Dr. Stadelmann-Nessler untersuchte den Mechanismus des Untergangs der schützenden Umhüllungen von Nervenfasern, genannt Myelinscheiden, bei einer bestimmten Form der Multiplen Sklerose. Die Forscherin beobachtete, dass Umhüllungen, die bereits durch ein entzündliches Ereignis angegriffen wurden, weiteren Angriffen eher standhalten als gesunde Umhüllungen. Neue Zerstörungen entstehen stattdessen an entfernten Stellen entlang der Nervenfaser. Die Wissenschaftlerin konnte zeigen, dass die Zellen der angegriffenen Umhüllungen bestimmte Stress-Proteine produzieren und sich so möglicherweise vor weiterer Zerstörung schützen. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung könnten zur Entwicklung neuer Therapien führen, um Nerven-Umhüllungen vor dem Abbau während der MS-Schübe zu schützen. Die Ergebnisse wurden im Mai 2005 ebenfalls in der Fachzeitschrift "Brain" veröffentlicht (Brain 128 (2005): 979-987).

Dr. med. Ricarda Diem wurde 1970 in Mainz geboren. Sie studierte Humanmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und schrieb von 1993 bis 1995 ihre experimentelle Dissertation am Pharmakologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Oktober 1997 legte sie ihre ärztliche Prüfung ab. Anschließend war sie tätig an den Neurologischen Universitätskliniken in Würzburg, Tübingen und Göttingen. Seit Januar 2002 ist sie Teilprojektleiterin im Rahmen der Hertie-Forschergruppe für Multiple-Sklerose-Forschung in Göttingen. Seit Oktober 2003 leitet sie hier die klinische Nachwuchsforschergruppe "Neurodegeneration und -protektion bei der Multiplen Sklerose". Im letzten Jahr wurde Frau Diem bereits mit dem Helmut-Bauer-Nachwuchspreis für MS-Forschung ausgezeichnet. Seit 2005 ist sie Fachärztin für Neurologie.

Dr. Christine Stadelmann-Nessler wurde 1970 in Bregenz, Österreich, geboren. Sie studierte an der Universität Wien Humanmedizin und wurde dort 1995 zur Doktorin der gesamten Heilkunde (Dr. med. univ.) promoviert. Im Jahr 2002 folgte die Promotion zur Dr. med. an der Charité in Berlin. Anschließend wechselte Stadelmann an den Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen, wo sie zunächst als Assistenzärztin im Zentrum für Pathologie und als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Neuropathologie arbeitete. Seit September 2003 ist Stadelmann Juniorprofessorin für Experimentelle Neuropathologie entzündlicher ZNS-Erkrankungen. Im Mai 2005 erhielt sie die Anerkennung als Fachärztin für Neuropathologie und arbeitet seitdem als Oberärztin in der Abteilung Neuropathologie.

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Abt. Neuropathologie
Prof. Dr. med. Wolfgang Brück
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