Der Islam und die Demokratie

08.01.2003 - (idw) Universität Erfurt

4.Christoph-Martin-Wieland-Vorlesung der Universität Erfurt am 22.1.2003

"Der Islam und die Demokratie" ist das Thema der vierten Christoph-Martin-Wieland-Vorlesung der Universität Erfurt am 22. Januar im Erfurter Rathausfestsaal. Den Festvortrag wird Prof. Dr. Mohammad Mojtahed Shabestari von der Universität Teheran halten, der in theologisch-wissenschaftlichen Kreisen über die Grenzen des Irans als Gelehrter und Denker bekannt ist und für eine Trennung von Politik und Religion im Iran eintritt. Im anschließenden Disput, den der Präsident der Universität Erfurt Dr. Wolfgang Bergsdorf moderiert, treffen der Thüringer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei Jürgen Gnauck; Wolfgang Günter Lerch, Autor und Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie die Geschichtswissenschaftlerin Prof. Dr. Birgit Schäbler von der Universität Erfurt und der Islamwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Wild von der Universität Bonn aufeinander.

Hojjatulislam Mohammad Mojtahed Shabestari, geboren 1936 in Ost-Aserbaidschan, begann mit 14 Jahren seine theologische Ausbildung in Qom. Neben seinem Studium schrieb er Artikel für "Maktabe Eslami", der ersten islamischen Zeitung im Iran. 1970 übernahm er die Leitung des islamischen Zentrums in Hamburg. Während seiner Amtszeit wurden die kulturellen und wissenschaftlichen Aktivitäten des Zentrums erweitert: er richtete einen Gesprächskreis für in Deutschland heranwachsende muslimische Kinder ein und baute den Dialog mit Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften aus. Nach seiner Rückkehr in den Iran wurde er 1980 für die iranische Provinz Aserbaidschan ins Parlament gewählt, bis er wegen seinen liberalen Ansichten in Ungnade fiel. 1985 erhielt er einen Lehrstuhl für islamische Philosophie an der Universität Teheran. Shabestari spricht fließend deutsch, englisch und arabisch.

Die nach dem letzten bedeutenden Professor der alten Erfurter Universität benannte repräsentative Reihe der Christoph Martin Wieland-Vorlesungen verfolgt das Ziel, ein für die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland wesentliches und aktuelles Problem aus Wissenschaft und öffentlichem Leben von einem bedeutenden Protagonisten des entsprechenden Paradigmas darstellen zu lassen.
1999 eröffnete der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger die Reihe mit seinem Vortrag über die "Digitale Revolution". 2001 standen die "Innen- und außenpolitischen Perspektiven Russlands" mit Prof. Wolfgang Leonhard im Blickpunkt. Der Premierminister von Luxemburg Dr.h.c. Jean-Claude Juncker hat die dritte Christoph Martin Wieland-Vorlesung der Universität Erfurt am 15. Januar 2002 zum Thema "Europa - ein komplizierter Kontinent" gehalten. Neben dem Vortrag steht - der Tradition der alten Erfurter Universität folgend - eine Disputation im Mittelpunkt der Veranstaltung, an der sich wichtige Repräsentanten nicht nur aus dem deutschen Sprachraum beteiligen. Unterstützt wird die Vorlesung von der VolkswagenStiftung.