Der Klinikvorstand setzt auf realistische Lösungen

15.03.2006 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Uniklinikum Greifswald ist auf mögliche Streikmaßnahmen vorbereitet -Notfallversorgung ist sichergestellt

"Der Vorstand des Universitätsklinikums setzt in den Verhandlungen des Marburger Bundes mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder auf realistische Lösungsansätze. Gleichzeitig ist das Klinikum auf einen möglichen Streik vorbereitet und wird dafür Sorge tragen, dass die Notfallversorgung sowie alle dringend notwendigen medizinischen Maßnahmen für Patienten abgesichert sind." Das erklärte heute der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Uniklinikums, Prof. Dr. med. Claus Bartels (Foto), angesichts des aktuellen Ergebnisses der Urabstimmung. Die jetzige Entwicklung ist auch auf die erfolgreiche EU-Klage des Marburger Bundes, den Bereitschaftsdienst generell als Arbeitszeit anzuerkennen, zurückzuführen. Die Einführung von Schichtdiensten zieht erhebliche Verdiensteinbußen für Mediziner bei gleichzeitig steigenden Krankenhauskosten für die Neuorganisation von Klinikabläufen nach sich. Auch am Uniklinikum Greifswald hat die teilweise erfolgte Umstellung nachweislich zu einer Absenkung des Bruttoeinkommens der dort tätigen Ärzte und zu erhöhten finanziellen Aufwendungen bei der Qualitätssicherung in der ärztlichen Versorgung geführt. Dementsprechend stößt dieses von den Gewerkschaften favorisierte Modell im Klinikalltag kaum auf Akzeptanz. Ein Kompensation der Gehaltsverluste in Form einer pauschalen Lohnerhöhung von 30 Prozent, wie vom Marburger Bund gefordert, würde laut Bartels jedoch jeden Rahmen sprengen.

Weder diese Defizite noch die zu erwartenden Ausfälle durch die vollständige Realisierung der Arbeitszeitreform noch die Gehaltsforderungen des Marburger Bundes werden durch die Krankenkassen und Bund als Kostenträger aufzubringen sein. Hinzu kommt, dass die Kliniken auf Grund der Abschaffung der früheren 18-monatigen Ausbildungsphase als "Arzt im Praktikum" heute erheblich bessere Einkommen an junge Mediziner zahlen. Seit dem 1. Oktober 2004 werden Studiumsabsolventen sofort als Assistenzärzte eingestellt. "Am Universitätsklinikum hat diese positive Neuerung allerdings zu einer enormen Ausgabensteigerung beigetragen, die nur schwer auszugleichen war", unterstrich Bartels.

Der Vorstand des Universitätsklinikums Greifswald hat trotz der schwierigen Lage der Notwendigkeit einer leistungsbezogenen Vergütung bereits Rechnung getragen und bietet Leistungsträgern in den einzelnen Kliniken außer- und übertarifliche Verträge an. "Insofern unterstützen wir auch die Forderungen des Marburger Bundes, lehnen jedoch eine undifferenzierte Gehaltserhöhung im Bereich der ärztlichen Berufsgruppe ab", erklärte der Ärztliche Direktor.

Ferner sei zu erwarten, dass eine weitere Diskrepanz in der Vergütung der verschiedenen Berufsgruppen, die im Krankenhaus als Team zusammen arbeiten, den Betriebsfrieden gefährden könnte und für das Gesamtklinikum kritisch zu sehen ist. "Beide Verhandlungsseiten sollten die komplexe Situation im Interesse der Patienten im Auge behalten. Alle Beteiligten müssen eine Perspektive innerhalb vernünftiger Arbeitszeiten haben, die Kliniken müssen die Kostenbelastungen schultern können. Die anhaltende Verunsicherung darf nicht zu Lasten der Krankenversorgung gehen."

An den 21 Kliniken und 19 Instituten am Universitätsklinikum Greifswald arbeiten, lehren und lernen 2.865 Beschäftigte, darunter 523 Ärzte und 125 Wissenschaftler, 1.726 Personen in der Krankenversorgung und Verwaltung und 317 Auszubildende. 174 Stellen davon sind über Drittmittel finanziert. Der Frauenanteil beträgt 76 Prozent.

Ansprechpartner
Universitätsklinikum Greifswald
Ärztlicher Direktor/Vorstandsvorsitzender
Prof. Dr. med. Claus Bartels
Fleischmannstraße 8, 17487 Greifswald
T + 49 3834 86-50 12
F + 49 3834 86-50 10
E aerztlicher.direktor@uni-greifswald.de
http://www.klinikum.uni-greifswald.de