Sparen, aber nicht an der Menschlichkeit

12.04.2006 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Wie kann die Medizin bezahlbar bleiben, ohne unmenschlich zu werden? / Experten diskutieren bei einer Tagung am 28. April 2006 in Heidelberg Krankenhäuser müssen heute sparen - um zu überleben und steigende Kosten im Gesundheitswesen zu verhindern. Aber muss dies auf Kosten der Menschlichkeit im Umgang mit schwerkranken Patienten gehen?

Bei einer Tagung des Instituts für Medizinischen Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg am 28. April 2006 diskutieren die prominenten Referenten Professor Dietrich Grönemeyer, Professor Herta Däubler-Gmelin und Dr. Elis Huber mit Experten des Klinikums über neue Wege, wie trotz knapper Ressourcen und hohem Zeitdruck die Würde des Patienten und die Anteilnahme von Ärzten und Pflegenden nicht auf der Strecke bleiben müssen.

"Menschliche Teilnahme erfordert nicht immer einen hohen Zeitaufwand", sagt Professor Dr. Rolf Verres, Ärztlicher Direktor des Heidelberger Instituts für Medizinische Psychologie. Manchmal ist weniger sogar mehr und das gezielte Eingehen auf die psychischen und spirituellen Bedürfnisse des Patienten kann die Beteiligten von Stress und Zeitdruck befreien und letztlich sogar Kosten sparen.

Die Tagung ist gleichzeitig Abschluss-Symposium des Heidelberger Projektes "Netzwerk Achtsame Sterbekultur", das über drei Jahre lang von der Deutschen Krebshilfe gefördert wurde. Ziel war es, Erkenntnisse aus Palliativmedizin, Hospizarbeit und Trauerbegleitung interdisziplinär zu verbreiten. Unter dem Motto "Gut zu sich sein" wurden neue Ausbildungsangebote zur Unterstützung von Sterbebegleitern entwickelt und auf ihre Wirksamkeit überprüft. "Wir haben festgestellt, dass Sterbebegleiter nicht nur inhaltlich-thematische Anregungen wünschen. Eine Mischung aus gegenseitigem Austausch und Anleitungen zu Entspannung und Selbstfürsorge tragen zur emotionalen Entlastung und dadurch zu mehr Empathie im Alltag bei", resümiert die Kulturwissenschaftlerin Dr. Eva Saalfrank, die gemeinsam mit Professor Verres das Projekt geleitet hat. "Bewährt haben sich dabei Methoden aus Musiktherapie und Meditation. Werden Kommunikations- und Wahrnehmungsfähigkeiten noch stärker verankert, so können die Sterbebegleiter effektiver und sicherer arbeiten."

Weitere Themen der Tagung, die zum Teil in Workshops behandelt werden, sind Tipps und Tricks für die menschliche Kommunikation mit dem Patienten, Teamarbeit und Zufriedenheit der Klinikmitarbeiter sowie Kunst und Musik im Krankenhaus. Die Filmemacher Heidi und Bernd Umbreit stellen ihren Film "Die Zeit, die mir noch bleibt", eine ungewöhnliche Dokumentation des Sterbens eines Krebspatienten vor, und diskutieren mit den Tagungsteilnehmern. Den Abschluss bildet ein Ausblick in die Sterbebegleitung der Patienten vor Ort in Heidelberg: Welche Angebote der Palliativmedizin gibt es, was wird geplant und aufgebaut?

Der Eintritt zur Tagung ist kostenfrei. Sie findet im Heidelberger Institut für Medizinische Psychologie, Bergheimer Straße 20 statt. Journalisten sind herzlich eingeladen.

Programm im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/zpm/medpsych/FL_mensch_03.pdf

Die Tagung ist von der Landesärztekammer mit 8 Fortbildungspunkten
zertifiziert.

Bei Rückfragen:
Sekretariat Institut für Medizinische Psychologie
Frau Richter
Telefon: 06221 / 56 8151

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse