Ärztlicher Personalbedarf in der Intensivmedizin

03.05.2006 - (idw) Hochschule Wismar, University of Technology, Business and Design

Ab sofort ist ein neues Heft der Reihe der Wismarer Diskussionspapiere im Buchhandel erhältlich oder kann im Internet heruntergeladen werden. Die Studie zum "ärztlichen Personal¬bedarf in der Intensivmedizin" ist im April 2006 als Masterthesis im Fernstudiengang Krankenhaus¬management an der Hochschule Wismar angenommen worden. Der Verfasser, Dr. Dierk A. Vagts, ist Leiter der Perioperativen Intensivmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock. "Die aktuelle Diskussion anlässlich der Streik- und Protestmaßnahmen von deutschen Klinikärzten konzentriert sich sehr derzeit stark auf die geforderte Einkommenserhöhung von 30 Prozent. Durch diese plakative Forderung gelingt es zwar einerseits, in erheblichem Maße Medieninteresse auf die Situation der Ärzte zu lenken, andererseits ist es aber gerade die Höhe der Forderung, die von anderen Anliegen der Ärzte ablenkt", so Prof. Dr. Jost w. Kramer, Herausgeber der Wismarer Diskussionspapiere. Denn neben der Verbesserung der Einkommenssituation gilt das Augenmerk der Ärzte auch der Verbesserung der Arbeitssituation. Dazu zählt n eben den individuellen Arbeitsstunden auch die Personalausstattung, also die Gesamtzahl der Beschäftigten in einem bestimmten Bereich. Diese Problematik, hat Dr. Dierk A. Vagts von der Universität Rostock anhand des ärztlichen Personalbedarfs in der Intensivmedizin untersucht.

In seinem Untersuchungsansatz vergleicht er verschiedene Techniken und traditionelle Methoden der Personalbedarfsermittlung im Klinikbereich. Er bezieht insbesondere auch die rechtlichen Anforderungen mit ein, die sich aus der Vorgabe des so genannten "Facharztstandards" ergeben. In diesen Vorgaben spiegelt sich nicht nur die Erwartung der Patienten wider, von fachlich qualifizierten Ärzten behandelt zu werden, sondern auch die Haftungsrisiken für Kliniken und Ärzte, die aus einem Verstoß gegen die rechtliche Vorgabe entstehen würden. Basierend auf dem Vergleich und vor dem Hintergrund der auf Fallpauschalen basierenden Behandlungsvergütungen skizziert Dr. Vagts einen neuen Weg der Personalbedarfsermittlung. Dazu werden die Belegung, die Fallzahlen und die abgerechneten Fallpauschalen von zwei Intensivstationen herangezogen. Dieser Vergleich verdeutlicht, dass die zufließenden Mittel eigentlich eine bessere Ausstattung der Intensivstationen mit Personal ermöglichen würden, als sie derzeit gegeben ist. So ist insgesamt zu erkennen, dass angesichts der derzeit deutlich geringeren Ist-Besetzung die Klinik im Bereich der Intensivmedizin Gewinne erwirtschaftet. Weitere Einsparungen im Personalbereich, wie seitens der Gesundheitspolitiker immer wieder gefordert, lassen sich angesichts der Untersuchungsergebnisse nicht rechtfertigen. Im Gegenteil ist zu fragen, warum angesichts der extrem hohen Arbeitsbelastung des vorhandenen Personals die erzielten Erträge nicht den betroffenen Bereichen zu gute kommen.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte direkt an den Herausgeber Prof. Dr. Jost W. Kramer, Tel.: (03841) 753 441 bzw. E-Mail: j.kramer@wi.hs-wismar.de.
Weitere Informationen: http://www.wi.hs-wismar.de/fbw/aktuelles/wdp/2006/0610_Vagts.pdf