Tagung "Weltreligionen und die deutsche Literatur" - Begleitende Ausstellung in der Hofgartenbibliothek vom 5.

27.09.2006 - (idw) Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Das gegenseitige Verhältnis der Weltreligionen wird momentan insbesondere vor einem politischen Hintergrund diskutiert. Doch auch in der deutschen Literatur des späten 18. bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurden fremde Religionen und Kulturen thematisiert. Eine öffentliche Tagung an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) widmet sich - auch angesichts der aktuellen öffentlichen Debatte - vom 5. bis 7. Oktober dem Thema "Von Lessing über Rückert bis Thomas Mann. Die Weltreligionen und die deutsche Literatur". Das Symposion veranstaltet Professor Thomas Pittrof (Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft) zusammen mit der Rückert-Gesellschaft e.V. Die Tagung findet statt im Raum 141 der Zentralbibliothek (Universitätsallee 1, Eichstätt) und beginnt am 5. Oktober um 9 Uhr. Während in der Zeit vor der Aufklärung sich die Auseinandersetzung mit fremden Religionen fast ausschließlich auf eine Verteidigung der christlichen Lehren beschränkte, begannen mit Lessings "Nathan der Weise" erstmals die Aspekte Verstehen und Toleranz in den Vordergrund der Betrachtung fremder Religionen zu treten. Ausgehend vom Judentum eröffnete sich bald ein weites Feld intensiver Beschäftigung mit den Weltreligionen. Während Goethe bezogen auf den Islam und persische Literatur noch auf Übersetzer angewiesen war, konnten sich Friedrich Schlegel (1772-1829) oder der Dichter und Orientalist Friedrich Rückert (1788-1866) weltliche und heilige Schriften des indischen und islamischen Kulturraums im Urtext erschließen und diese bewusst in Literatur um- und einsetzen. Über 20 Referenten werden sich im Verlauf der Tagung mit Protagonisten der deutschen Literatur, deren Beweggründen, den Reaktionen des Literaturmarktes und den geistesgeschichtlichen Folgen befassen. Zudem wird diskutiert, wie Dichter und Literaten ihre eigene "Gretchenfrage" nach der Rezeption fremder Religionen beantworteten und welcher Spielraum für interreligiöse Toleranz im Deutschland der extremen konfessionellen Spaltung überhaupt vorhanden war.

Eine Ausstellung mit dem Titel "Facetten Rückerts", die am 5. Oktober um 19.30 Uhr in der Staats- und Seminarbibliothek (Hofgarten1, Eichstätt) eröffnet wird, begleitet die Tagung. Den Eröffnungsvortrag hält Prof. Dr. Hartmut Bobzin (Institut für Orientalische Philologie der Universität Erlangen-Nürnberg) zum Thema "Rückerts Koranübersetzung". Friedrich Rückert gehört zu den außergewöhnlichen Erscheinungen der deutschen Literatur. Neben seinem umfangreichen eigenen Werk hat er zahllose Übersetzungen von Texten aus mehr als 30 Sprachen hinterlassen und dem deutschen Publikum so die Literatur des Orients näher gebracht. Besucher der Ausstellung erwartet ein kompakter Einblick in das vielfältige Werk Rückerts. Die "Facetten Rückerts" sind bis zum 30. November zu sehen (montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 17 Uhr).

Das komplette Programm der Tagung findet sich im Veranstaltungskalender der KU unter http://www.ku-eichstaett.de.