Vom Sonnenschutzmittel zum modernen Halbleitermaterial - Workshop über Zinkoxid

28.09.2006 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

4. International Workshop on ZnO and Related Materials vom 3. bis 6. Oktober 2006 am I. Physikalischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen Der 4. International Workshop on ZnO and Related Materials findet vom 3. bis 6. Oktober 2006 am I. Physikalischen Institut, Fachbereich 07, der Justus-Liebig-Universität Gießen statt. Nach USA und Japan ist hiermit Europa erstmals Tagungsort dieser Veranstaltung. Zinkoxid (ZnO) ist ein Material, das vielfältige Anwendungsgebiete von der Sonnencreme über Farbpigmente bis zu Autoreifen besitzt. Die 250 Wissenschaftler aus Industrienationen aus aller Welt, die Prof. Bruno K. Meyer eingeladen hat, interessieren sich allerdings für den Einsatz als Basismaterial für elektronische Bauelemente.

Wissenschaftlich bearbeitet die Konferenz vier Themenschwerpunkte:

I. Konsumenten wie Elektronikindustrie fragen immer größere Flachbildschirme nach. Dies erfordert neuartige, kostengünstige Materialien, die einerseits transparent, andererseits aber auch extrem gut leitfähig sind. Die bisherigen Indium-haltigen Verbindungen (Indium-Zinn-Oxid, ITO) sind für die geforderten Flächen zunehmend zu einem entscheidenden Kostenfaktor geworden, da der Indiumpreis rapide steigt. Hier bieten Materialien, die auf dem preiswerten ZnO basieren, zukünftig Alternativen. Vergleichbares gilt für die Fotovoltaik, auch hier fordern die rasant wachsenden Märkte kostengünstige, großflächige transparent-leitfähige Oxide.

II. Von ähnlich hohem Potenzial sind die Anwendungen von ZnO in der Opto-Elektronik. Hier könnte das Material dazu beitragen, dass neuartige, energiesparende Lampen realisiert werden. Hierzu forschen weltweit Spitzengruppen an der Realisierung von Leuchtdioden und Lasern.

III. Vergleichsweise futuristisch sind die Anwendungsgebiete der beiden weiteren Schwerpunkte. ZnO zeigt unter speziellen Bedingungen synthetisiert auf nanoskopischer Ebene einen Formenreichtum, der für ein anorganisches Material außergewöhnlich ist. Abhängig von den physikalischen Herstellungsparametern entstehen Ringe, Federn, Mono- und Multipoden, Kugeln oder Kämme. Anwendungen solcher speziellen Nanostrukturen in der Sensorik, Medizin oder Pharmazie werden derzeit erprobt.

IV. In die Welt der Datenverarbeitung zielt der letzte Tagungsschwerpunkt Ferromagnetismus in ZnO. Bei dem Bestreben, Computerprozessoren immer schneller zu machen, wird die Möglichkeit, den Spin der Ladungsträger als Informationsträger zu nutzen, heiß diskutiert. Je nach Einstellung des Spins, "high" oder "low", würden die Elektronen die digitale Information "0" oder "1" automatisch, das heißt ohne Zeitverzögerung mit sich tragen. Als Material für solche futuristischen Bauelemente kommt mit Übergangsmetallen legiertes ZnO eine entscheidende Bedeutung zu, so dass auch dieser Punkt einen "hotspot" der Konferenz bildet. Der Wichtigkeit dieses Tagungspunktes trägt auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft Rechnung, die in diesem Jahr den Forschungsschwerpunkt "Spintronik" eingerichtet hat.

Die Arbeitsgruppen des I. Physikalischen Instituts um Prof. Dr. Bruno Meyer und apl. Prof. Dr. Detlev Hofmann arbeiten auf diesen Gebieten im Forschungsschwerpunkt Materialwissenschaften gemeinsam mit weiteren Gießener Arbeitsgruppen aus Physik und Chemie. Die nanowissenschaftlichen Aktivitäten sind im Nanonetzwerk Hessen gebündelt, das vom Hessischen Wirtschafts-Ministerium gefördert wird.

Auf dem Workshop begegnen sich Forscher und Industrieunternehmen, die ein primäres Interesse an der raschen Umsetzung der Ergebnisse in hoch veredelte Produkte besitzen.

Termin:
3. bis 6. Oktober 2006
I. Physikalisches Institut, Heinrich-Buff-Ring 16, 35392 Gießen
Offizielle Begrüßung: 3. Oktober 2006, 17 Uhr, Foyer IFZ

Kontakt:
Prof. Dr. Bruno K Meyer,
I. Physikalisches Institut
Heinrich-Buff-Ring 16
35392 Gießen
Telefon: 0641/99-33100
Fax: 0641/99-33119
Bruno.K.Meyer@exp1.physik.uni-giessen.de
Weitere Informationen: http://www.zno-giessen.de