Internationale Konferenz: Mehr Ökonomie im Kartellrecht

05.10.2006 - (idw) Universität des Saarlandes

"Frontiers of EC Antitrust Enforcement: The More Economic Approach"
Mehr Ökonomie im Kartellrecht:
Herausforderungen für Wissenschaft und Rechtspraxis

12. bis 14. Oktober 2006
in den Räumen der SaarLB Landesbank Saar
Ursulinenstraße 2, 66111 Saarbrücken
Eröffnung: Donnerstag, 12. Oktober 2006, 14 Uhr, SaarLB

Vom 12. bis 14. Oktober 2006 veranstaltet die Forschungsstelle zur ökonomischen Analyse des Rechts (Center for the Study of Law and Economics) der Universität des Saarlandes unter der Leitung von Professor Dr. Dieter Schmidtchen die internationale Konferenz "Frontiers of EC Antitrust - The More Economic Approach".
Die Veranstalter erwarten über 30 Forscher und Praktiker aus verschiedenen Ländern Europas und Amerikas. Die Teilnehmer sind Ökonomen und Juristen, die sich in Wissenschaft und Praxis mit wettbewerbspolitischen Fragen beschäftigen, darunter Mitarbeiter der Europäischen Kommission (Wils, Friederiszick), die ehemaligen Vorsitzenden der Monopolkommission (Möschel, Hellwig) und ein gegenwärtiges Mitglied der Monopolkommission J. Haucap. Im Mittelpunkt der Tagung steht der dramatische Wandel in der europäischen Wettbewerbspolitik, der unter dem Schlagwort "more economic approach" Einzug gehalten hat. Dabei orientiert sich die Wettbewerbspolitik zunehmend an Kosten- und Nutzen-Analysen. Man kommt ab vom starren Formalismus verallgemeinernder Regeln und untersucht statt dessen die Wirkung unternehmerischer und staatlicher Handlungen auf den Wettbewerb im Einzelfall.
Das bedeutet: Ein Unternehmenszusammenschluss beispielsweise, der vor einigen Jahren noch mit Hinweis auf das Kartellgesetz verboten worden wäre, kann dennoch erlaubt werden, wenn die Analyse von Kosten und Nutzen ergibt, dass die daraus resultierenden Gewinne für die Gesellschaft schwerer wiegen als die Wettbewerbsnachteile für die Konkurrenz. Als Beispielfall sei die Debatte um private Toto- und Lottoanbieter genannt, die das staatliche Glücksspielmonopol in Frage stellte. Dieses Monopol beeinträchtigt den Wettbewerb im Glücksspielsektor, der gesellschaftliche Nutzen durch Sportförderung und Suchtprävention wird jedoch höher bewertet als die Ansprüche privater Wettanbieter.

Diese Neuorientierung in der Wettbewerbspolitik, die bei der Behandlung von Vereinbarungen zwischen Unternehmen (Art. 81 EG-Vertrag) und der Fusionskontrollverordnung bereits praktiziert wird und bei Marktmachtmißbräuchen (Art. 82 EG-Vertrag) und Staatsbeihilfen geplant ist, erzeugt neuartige Probleme auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechts in Europa. Ziel des Symposiums ist es, Möglichkeiten und Grenzen des "more economic approach" im Hinblick auf seine juristische Anwendbarkeit auszuloten. Die Forschungsperspektive ist die der Ökonomischen Analyse des Rechts.

Das Center for the Study of Law and Economics (CSLE) arbeitet seit Beginn der neunziger Jahre unter Leitung von Prof. Dr. Dieter Schmidtchen in diesem Forschungsgebiet. Zahlreiche Veröffentlichungen in internationalen Journals und Beiträge zu Fachkongressen im In- und Ausland belegen die Bedeutung dieser Saarbrücker Forschungsstelle.

Finanziert und unterstützt wird die Konferenz vom Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft des Saarlandes, außerdem von der SaarLB Landesbank Saar, der Handelskammer Hamburg, der Vereinigung der Freunde der Universität des Saarlandes e.V., der Deutschen Bundesbank und der internationalen Anwaltskanzlei Linklaters.

Sie haben Fragen? Dann setzen Sie sich bitte in Verbindung mit
Birgit E. Will, Diplom-Kauffrau
Center for the Study of Law and Economics
Telefon: 0681 / 302 - 64075
Email: mail@birgitwill.de
Weitere Informationen: http://www.uni-saarland.de/csle/activities/cnpe06/cnpe06.htm - Konferenz-Homepage mit dem kompletten Tagungsprogramm