Kunstgeschichte im Nationalsozialismus

09.10.2006 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Das Thema "Kunstgeschichte im Nationalsozialismus" ist ab Donnerstag, 12.10.2006, Thema einer internationalen Tagung an der Universität Bonn. Erst seit wenigen Jahren setzt sich die Forschung mit der NS-Geschichte des Fachs auseinander. Ziel der Tagung ist unter anderem eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Diskussion. Die Veranstaltung im Akademischen Kunstmuseum Bonn endet am Samstag, 14.10.2006. Die Organisatoren rechnen mit rund 100Teilnehmern aus Deutschland, Ungarn, Polen, Frankreich und den USA. Am Westchor des Naumburger Doms steht eine Sandstein-Statue, die in der NS-Zeit zum Inbegriff "Deutscher Kunst" wurde: die Figur der Uta von Naumburg. Das Abbild einer Naumburger Adeligen aus dem 11. Jahrhundert wurde von den Nazis zur nationalen Ikone erhoben, zur steinernen Inkarnation des "deutschen Wesens". Interessanterweise gab es aber auch diametral entgegengesetzte Interpretationen: Der Marburger Kunsthistoriker Richard Hamann stilisierte Uta 1933 in einer populärwissenschaftlichen Publikation quasi zu einer "sozialistischen Volksgenossin".

"Das Tagungs-Beispiel Uta von Naumburg zeigt, wie bereitwillig Wissenschaftler Kunstwerke politisch instrumentalisierten", erklärt Ruth Heftrig vom Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn. Sie hat die Veranstaltung zusammen mit dem Bonner Privatdozenten Dr. Olaf Peters organisiert. "Lange Zeit hat die Forschung diesen Aspekt vernachlässigt, aber inzwischen sind wir mit der Aufarbeitung ein gutes Stück weiter gekommen." Dazu tragen auch die verbesserten Recherchemöglichkeiten bei. So haben die Bonner Kunsthistoriker zusammen mit Partnern aus ganz Deutschland in den letzten Jahren die online zugängliche Datenbank GKNS-WEL aufgebaut. Momentan lassen sich dort rund 2.000 Dokumentsätze zur deutschen Kunstgeschichte zwischen 1930 und 1950 recherchieren - von Briefwechseln und Postkarten über Fotos bis hin zu Beurteilungen von Künstlern und Dozenten oder Vermerken in Personalakten. Das DFG-geförderte Datenbank-Projekt läuft jetzt aus - Anlass für die Beteiligten, auf der Tagung ein Resümee zu ziehen.

Die Vorträge thematisieren die Einstellung verschiedener Kunsthistoriker zum NS-Regime und zeigen, welche Methoden und Denkfiguren sich in dieser Zeit durchsetzten. Die Referenten sprechen aber auch das Thema Kunstraub an - vor allem mit Blick auf Frankreich, Belgien und Polen, wo die Deutschen während des Krieges unschätzbare Werke verschwinden ließen. Im Zentrum steht zudem die Bedeutung der Fachgeschichte in den Geisteswissenschaften - ein Thema, dem unter anderem eine Podiumsdiskussion gewidmet ist.

Kontakt:
Ruth Heftrig
Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4785
E-Mail: ruth.heftrig@web.de