Der Wissenschaft einen Tempel bauen - zum 300. Geburtstag Johann Christian Senckenbergs am 28.2.2007

11.01.2007 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

FRANKFURT. Den Entschluss, sein Vermögen für die Förderung der Gesundheitspflege in seiner Vaterstadt Frankfurt zu stiften, fasste der Arzt Johann Christian Senckenberg nach einer Reihe von Schicksalsschlägen. Der zweifache Witwer, dessen Kinder in jungen Jahren gestorben waren, gründete die nach ihm benannte Stiftung mit 56 Jahren. Das Stiftungsvermögen entstammte zum größten Teil der ersten Ehe mit der betuchten Juwelierstochter Johanna Rebecca Riese. Die Zinsen des 95.000 Gulden betragenden Stiftungskapitals, das später auf 100.000 Gulden aufgerundet wurde, mussten nach dem Willen des Stifters zu zwei Dritteln zur Förderung der Heilkunde verwandt werden. Der Rest war zum Besten armer Kranker, bedürftiger Arztwitwen und -waisen sowie alter Ärzte vorgesehen. Mit dem erklärten Ziel, der "Wissenschaft einen Tempel" zu bauen, eröffnete Senckenberg dem zuvor auf soziale Bereiche festgelegten Stiftungswesen ein neues Betätigungsfeld. Zunächst diente sein Geburtshaus in der Hasengasse als Stiftshaus, in dem sich das Collegium medicum, eine Versammlung Frankfurter Ärzte, mindestens einmal im Monat einfinden sollte, um zu beraten, "was zu besserer Ausuebung der hiesigen Gesundheits-Pflege und Versorgung armer Kranker erforderlich seyn moegte". Das war im 18. Jahrhundert noch recht wenig, wie Senckenberg nicht nur aus leidvoller privater Erfahrung wusste: Seit 1755 war er als Physicus ordinarius für das Gesundheitswesen seiner Heimatstadt tätig. Auch sein Vater war bereits Arzt gewesen. Senckenberg plante deshalb, die medizinische Forschung durch den Bau eines größeren Gebäudekomplexes mit anatomischem Theater, chemischem Laboratorium und einem botanischen Garten mit Gewächshaus zu fördern. Später erweiterte Senckenberg den Stiftungszweck um die Gründung des "Buerger- und Beysassen-Hospitals". Zur Realisierung seines Projekts erwarb er 1766 ein Gebäude mit Gartengelände am Eschenheimer Tor, das damals noch am Stadtrand lag - an einer Seite von der Stadtmauer begrenzt.

Kurz hintereinander begannen im Frühjahr und im Sommer 1768 die Bauarbeiten für ein beheizbares Gewächshaus und das Theatrum anatomicum. Der Vorlesungsbetrieb konnte 1776 beginnen. Die Vollendung des Hospitalgebäudes erlebte der Stifter nicht mehr: Bei der Inspektion des gerade auf dem Nordflügel vollendeten Uhrtürmchens stürzte er am 15. November 1772 vom Baugerüst in die Tiefe. Bereits am Morgen hatte er über Schwindel geklagt, war aber dennoch zu seinen sonntäglichen Patientenbesuchen aufgebrochen und hatte sich offenbar gut genug gefühlt, das Gerüst zu besteigen. Es war Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die sterbliche Hülle des Stifters, der noch zu Lebzeiten eine Sektion des eigenen Leichnams untersagt hatte, am 17. November 1772, da es sich um eine gewaltsame Todesursache handelte, als erste in der Anatomie geöffnet wurde.

Senckenbergs Lebenswerk wirkt bis heute fort. Das Bürgerhospital, das von einem gleichnamigen Verein getragen wird, befindet sich nach wie vor im Besitz der Dr. Senckenbergischen Stiftung. Die anderen Institute sind in die 1914 von der Senckenbergischen Stiftung mitbegründete Frankfurter Universität eingegangen. Dies betrifft die "Dr. Senckenbergische Anatomie", das "Senckenbergische Institut für Pathologie", das "Botanische Institut mit botanischem Garten" und die "Senckenbergische Bibliothek" (seit 1. Januar 2005: Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg). Zudem ist er Namensgeber des Naturmuseums und Forschungsinstituts Senckenberg sowie des 1938 nachträglich gegründeten universitären "Senckenbergischen Institut für Geschichte und Ethik der Medizin". In all diesem hat sich somit die Vision des Stifters mehr als erfüllt: "Meine Stiftung", so Senckenberg im August 1763, "wird von hier aus gute Leute machen, auch gute auswärtige herbeiführen und hiesige zum Nacheifern bringen, mir zur Freude, da alles darauf abzielt, daß der Stadt in medicis wohl gedient werde".

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Weitere Informationen:

Dr. Thomas Bauer, Historiker und Senckenberg-Biograph,
Tel.: 06103/8022446, Handy: 0177/5206735.

Doris von Eiff, Pressereferentin des Naturmuseums und Forschungsinstituts Senckenberg, Koordinatorin der Pressearbeit zum Senckenbergjubiläum,
Tel.: 069/7542-257, E-Mail: doris.voneiff@senckenberg.de