Religion und Recht - ein brisantes Verhältnis

25.07.2007 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Weltweiter Kongress zur Rechtssoziologie zieht ab heute rund 2.500 TeilnehmerInnen aus mehr als 70 Ländern an die Berliner Humboldt-Universität Rechtssprechung basiert in ihren Anfängen in allen Gesellschaften auf religiösen Überzeugungen. Einst waren Sünde und Verbrechen identisch. Seit der Aufklärung gilt die Trennung von Kirche und Staat in den westlichen Gesellschaft jedoch als Voraussetzung für eine demokratische Gesellschaftsform. Dennoch hat die Religion weiterhin ihren Platz in der Politik und Gesetzgebung.
Im 21. Jahrhundert hat das Verhältnis zwischen Recht und Religion eine neue Dimension gewonnen. Besonders der Islam wird in seinen fundamentalistischen Strömungen seit den Anschlägen des 11. September 2001 als Bedrohung der Demokratie wahrgenommen. Als Folge ist eine wachsende staatliche Kontrolle und Regulierung von Religion zu beobachten - häufig im Rahmen und Namen der Terrorabwehr.
Unter dem Titel "Revisiting the Sacred / Secular Divide: The Legal Story" diskutieren am Freitag, dem 27. Juli 2007 international führende Rechts- und Religionswissenschaftler die Entstehung des säkularen Rechts, das weiterhin hoch brisante Verhältnis von Recht und Religion samt seiner Wechselwirkungen sowie die Frage, wie sich im 21. Jahrhundert staatliche Regulierungsversuche von Religion gestalten. Auf dem Podium sitzen Mary Anne Case von der Chicago Law School, die Religionswissenschaftler Hans Kippenberg (Bremen), Winnifred Fallers Sullivan (Buffalo, New York), der Däne Tim Jensen (Odense/ Dänemark) sowie Tomoko Masuzawa (Michigan / USA). Beginn ist um 10.15 Uhr in der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität. Burgstraße 26, Raum 013.
Die Diskussion findet im Rahmen des Kongresses "Law and Society in the 21st Century" statt. Die weltweit bedeutendste Konferenz zur interdisziplinären Rechtsforschung tagt erstmals in Deutschland. 2.500 WissenschaftlerInnen aus mehr als 70 Ländern nehmen vom 25. bis 28. Juli der Humboldt-Universität an ihr teil. Die Vertreter zahlreicher Disziplinen - unter ihnen Sozial- und Politikwissenschaft, Recht- und Verwaltungswissenschaft, Kriminologie, Anthropologie, Geschichtswissenschaft und Psychologie und Gender Studies - kommen zu hoch politischen Fragen ins Gespräch: Kann Folter ein rechtsstaatliches Mittel im Kampf gegen den Terror sein? Welche Rolle spielen ethnische Herkunft, soziale Schicht und Geschlecht vor Gericht? Wie verändert die Verbreitung alternativer Familienformen die Rechtsprechung? Veranstalter sind die "Law and Society Association" (USA), die "International Sociological Association", die rechtssoziologischen Vereinigungen aus Deutschland und Partnerorganisationen aus Großbritannien und Japan. Kongresssprache ist Englisch.
Anmeldung und Programm unter: http://www.lsa-berlin.org/presse

Rückfragen: Jeannette Goddar, Dr. Petra Krimphove,
Tel. 0175 512 2048, Mail: presse-lsa@hu-berlin.de
Gerne vermitteln wir Ihnen Interviews mit den ReferentInnen sowie mit den Berliner ProfessorInnen Susanne Baer und Thomas Raiser, die maßgeblich an der Konferenz beteiligt sind.