Medizintechnische Produktgestaltung erhält Mia Seeger Preise

08.10.2007 - (idw) Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Die Hochschule für Gestaltung erhielt am vergangenen Freitag einen zweiten und dritten Preis von der Mia Seeger Stiftung. Gleichzeitig erhielten zwei Diplomarbeiten Auszeichnungen. Die Medizintechnik steht zunehmend im Vordergrund. Gleich sechs Absolventen der Hochschule für Gestaltung erhielten Preise und Auszeichnungen der Mia-Seeger Stiftung. Der Zweck der Stiftung ist die umfassende Förderung des Designs als Teil von Wirtschaft und Kultur. Gegenwärtig konzentriert sich die Stiftung darauf, begabte Studienabgänger zu unterstützen. Sie schreibt jährlich den Mia Seeger Preis bundesweit aus.

Die Preise und Auszeichnungen für Schwäbisch Gmünd:

2. Preis: nextep Beinprothese
Dipl.-Des. Jannis Breuninger, Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Betreuung:
Prof. Gerhard Reichert, Rainer Saverschek und Ralf Becker, Fraunhofer IPA
Die Studie lotet aus, was im Prothesenbau mit generativen Fertigungstechniken, hier selektives Lasersintern, möglich ist. Schaft und Bein werden mit den am Stumpf und am gesunden Bein digital abgenommenen Daten direkt am Computer konstruiert. Im Kniebereich ist Platz gelassen für ein monozentrisches Gelenk, das mit unterschiedlicher Steuerungstechnik angeboten wird. Der Fuß ist so ausgelegt, dass er beim Auftreten ausreichend dämpft, die Energie nach vorne leitet und sie beim Abknicken und Abheben dann wieder in den Beinschwung zurückgibt.

Meinung der Jury
Zu erwarten war, dass Rapid Manufacturing für die individuelle Anpassung der Prothese an den Patienten enorme Vorteile bringt. Darüber hinaus ist es gelungen, das Beinvolumen darzustellen, ja mehr noch, das Erscheinungsbild solcher Prothesen neu zu definieren, indem die organische Struktur des Beines gezeigt, nicht aber anatomisch imitiert wird.

Dieser Preis wurde mit 3.000 ¤ honoriert.

3. Preis: Crano Fixator Cervikalorthese
Dipl.-Des. Julia Hanisch und Timo Wurz, Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Betreuung:
Prof. Frank Zebner und Michael Tinius, Busse Design Ulm
Der Crano Fixator ist aus dem Halo Fixator abgeleitet. Er dient der Behandlung von Genickbruchpatienten. Der Kopfring mit Schrauben ist hier durch ein helmartiges Druckpunktgitter ersetzt, das alle empfindlichen Stellen am Schädel ausspart und nach den CT-Daten im Rapid Prototyping-Drucker aus Duraform hergestellt wird. Flache, reduzierte Brust- und Rückenschilde mit geschwungenen Haltebügeln aus Karbon haben den Brustpanzer mit Metallgestänge abgelöst.

Meinung der Jury
Das martialisch anmutende Gestängegerüst des Halo Fixators ist einem körpernäher geführten Bügelgestell gewichen. Die Komponenten schließen organisch aneinander an und sind, wo nicht individuell gefertigt, einfach dem Patienten anzupassen und anzulegen. Seine Beschwernis scheint doch deutlich erleichtert.

Dieser Preis wurde mit 1.000 ¤ honoriert.

Auszeichnungen

1. Vision Energy Visualisierungskonzept
Dipl.-Des. Lena Billmeier and David Bauer, Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Betreuung:
Prof. Gabriele Reichert, Doz. Alf Hackenberg, Prof. Dr. habil. Angelika Karger
Was eine Wohngemeinschaft, eine Gemeinde, eine Gesellschaft an Ressourcen verbraucht, ist den Betroffenen nur abstrakt bewusst. Dem will ein Ensemble von Skulpturen im öffentlichen Raum und Ressourcensteinen im Privatbereich aufhelfen, und zwar für die Themen Wasser, Strom, Transport und fossile Brennstoffe. Alle Plastiken reagieren mit Gestaltänderungen auf den gesellschaftlichen bzw. privaten Verbrauch.

Meinung der Jury:
Ein beachtenswerter Versuch, mit sinnlich erfahrbaren Mitteln öffentliche Aufmerksamkeit bzw. individuelle Betroffenheit zu erzeugen, um endlich politische und private Verhaltensänderungen zu initiieren. Zwischen beidem stellen sich über formale Ähnlichkeiten und Unterschiede inhaltliche Zusammenhänge her. Für jede Energieart ist eine eigentümliche Formensprache gefunden.

2. FusE Operationstrainer
Dipl.-Des. Yvonne Ackermann, Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Betreuung:
Prof. Frank Zebner, Jan Möller
An diesem Gerät üben sich Medizinstudenten in minimalinvasiven Operationstechniken, einschließlich flexibler und starrer Endoskopie. Der Korpus ist aus Schalen aufgebaut. Die oberste stellt die Bauchdecke dar. Im Inneren bildet eine reliefartige Schale die Organe ab, darunter finden sich die Hohlkörper von Magen und Darm. Sie sind mit LEDs bestückt, die zu treffen Ziel der Übung ist. Dabei lässt sich der Monitor in jede Position auf dem Vollkreis schwenken.

Meinung der Jury
Wesentliche Verbesserungen gegenüber bisherigen Trainingsgeräten sind erreicht: es vereint in sich verschiedene Techniken, evaluiert den Trainingsfortschritt, bietet voreinstellbare Schwierigkeitsstufen, kann anatomische Besonderheiten darstellen. Die Zusammenarbeit mit der Uniklinik Tübingen und die Befragung von Medizinstudenten haben offensichtlich zu einem praxistauglichen Entwurf geführt.
Weitere Informationen: http://www.mia-seeger.de