Einbindung der Arzthelferin verbessert Therapieerfolg

26.03.2008 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Weniger Schmerzen und Facharztbesuche bei Arthrose / Hausarztprojekt "PraxArt" der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg Eine gute Einbindung von Arzthelferinnen bei der medizinischen Versorgung von Patienten mit Arthrose in der Hausarztpraxis kann die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöhen. Als "Case-Managerinnen" sorgen sie u.a. dafür, dass die Wirkung von Medikamenten besser beurteilt wird. Die Patienten sind aktiver, haben weniger Schmerzen, mehr sozialen Rückhalt, nehmen eher empfohlene Medikamente und suchen seltener einen Orthopäden auf.

Dies ist das Ergebnis des bundesweit einmaligen Hausarztprojekts
"PraxArt" der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert worden ist. Seine ersten Ergebnisse werden jetzt in "Versorgungsforschung Aktuell", einem neuen Newsletter und Internetforum der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung für interessierte Bürger, Ärzte und Politiker dargestellt.

Lebensqualität erhöht, Behandlungskosten gesenkt

"Eine vergleichsweise einfache und kostengünstige Maßnahme im vertrauten Umfeld der Hausarztpraxis kann die Lebens- und Versorgungsqualität der Betroffenen deutlich verbessern und die Kosten senken", so Professor Dr. Joachim Szecsenyi, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg.

Insgesamt 1.021 Arthrose-Patienten aus 75 Hausarztpraxen waren im Mai 2005 mit dem Projekt PraxArt gestartet. Verglichen wurden dabei ein halbes Jahr lang drei Gruppen. Bei der ersten Gruppe erhielten die Ärzte eine Fortbildung zur leitliniengerechten Arthrosetherapie, Schmerzbehandlung und Patientenmotivation. In der zweiten Gruppe wurde pro Praxis jeweils zusätzlich eine Arzthelferin geschult.

Die Medizinischen Fachangestellten lernten mit Hilfe eines speziellen Fragekataloges, die Patienten am Telefon zu ihren Schmerzen, zu körperlicher Aktivität und zu Medikamenteneinnahme und Nebenwirkungen zu befragen. Jede Einzelfrage war mit einem Ampelsymbol verknüpft, das die Dringlichkeit oder Bedeutung der entsprechenden Information kodiert. So wurden etwa Informationen über verstärkte Schmerzen oder schwere Nebenwirkungen unmittelbar an den Arzt weitergeleitet. Einmal im Monat kontaktierte die Arzthelferin ihre Arthrose-Patienten. Die dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe. Hier lief die Betreuung der Patienten ohne vorhergehende spezielle Schulung von Arzt und Arzthelferin ab.

"Während im Studienteil mit reiner Arztfortbildung im Vergleich zur Kontrollgruppe bereits die Zahl der Röntgenuntersuchungen reduziert wurde, zeigte sich, dass der regelmäßige Telefonkontakt mit der Arzthelferin einen signifikant positiven Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten hat", berichtet Projektleiter Privatdozent Dr. Thomas Rosemann von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung. Die Patienten waren aktiver, hatten weniger Schmerzen, mehr sozialen Rückhalt, nahmen eher empfohlene Medikamente ein und besuchten seltener einen Orthopäden. In der Gruppe 2 (Schulung von Arzt und Helferin) mussten durchschnittlich 13,6 Prozent weniger einen Orthopäden aufsuchen. In Gruppe 1 (nur Arzt) waren dies 5,7 Prozent, bei der Kontrollgruppe gab es keine Veränderungen.

Veröffentlichung im Internetforum unter
www.versorgungsforschung-aktuell.de

Arthrose wird durch eine chronische, oft schmerzhafte Abnutzung der Gelenke hervorgerufen und schränkt die Lebensqualität meist erheblich ein, vor allem wenn die Hüft- oder Kniegelenke betroffen sind. Patienten mit Arthrose gehen häufig zum Arzt, nehmen viele Schmerzmittel ein und setzen sich dadurch besonderen Risiken wie Magenblutungen aus. Außerdem leiden sie besonders häufig an Depression.

In der Abteilung Allgemeinmedizin untersucht man jetzt, ob weitere Maßnahmen zur Einbindung der Arzthelferinnen die Therapieergebnisse verbessern können, u.a. das Telefonmonitoring bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus Typ II. "Die Professionalisierung von Medizinischen Fachangestellten in Hausarztpraxen ist eine wichtige Säule der wohnortnahen Grundversorgung chronisch kranker Menschen", betont Professor Szecsenyi.

Wer Interesse an aktuellen Themen, Projekten und Publikationen aus dem Bereich der Versorgungsforschung hat, kann die Internetseite www.versorgungsforschung-aktuell.de besuchen. Unter dem Menüpunkt "Online Registrierung" ist die Registrierung möglich. Mit der Registrierung erhält man regelmäßig den Newsletter "Versorgungsforschung Aktuell" sowie Zugang zum Download-Bereich.

Informationen im Internet:

www.versorgungsforschung-aktuell.de
www.allgemeinmedizin.uni-hd.de

Kontakt:
Prof. Dr.med. Dipl. Soz. Joachim Szecsenyi
Universitätsklinikum Heidelberg
Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung/
69115 Heidelberg
Tel.: 06221-56-4745
E-Mail: joachim.szecsenyi@med.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
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E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

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Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg