Literatur über Kulturgrenzen hinweg - Chamisso-Preisträger zu Gast an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd

22.04.2008 - (idw) Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

Die Robert-Bosch-Stiftung verleiht seit 1985 jährlich den Adelbert-von-Chamisso-Preis und ehrt damit Autoren, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, die Ihre Werke aber in deutscher Sprache verfassen. Die Veranstaltungen sollen zur Sensibilisierung für Themen wie "Migration und Integration" beitragen. Im Rahmen des Forschungsprojektes "Transkulturelle Literaturen" halten neun Chamisso-Preisträger auf Einladung von Professorin Dr. Maria E. Brunner (Fach Deutsch) Lesungen an der Pädagogischen Hochschule. Den Anfang macht am 24.04.2008 die Autorin Zsusza Bank. Die Lesungsreihe wird durch die Robert Bosch Stiftung, die Ostalb-Stiftung der Kreissparkasse Ostalb, die Raiffeisenbank Rosenstein und den Verein der Freunde der PH Schwäbisch Gmünd finanziert. Die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund findet zu einem großen Teil in der Schule statt. Deswegen kommt der Literatur, die sich mit Migration befasst und die von Autoren verfasst ist, die selbst einen Migrationshintergrund haben, ein hoher Stellenwert zu. Die Pädagogische Hochschule bietet ihren Studierenden und der interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit sich über den normalen Vorlesungsbetrieb hinaus mit Autoren mit Migrationshintergrund zu befassen. Die Lesungsreihe soll Erfahrungswerte der Autoren vermitteln und dadurch die Studierenden sensibilisieren.

Die Werke der Chamisso-Preisträger beschreiben Eindrücke von Menschen, die sich nicht in ihrer Heimat aufhalten und selbst die Sprache ihrer Heimat, zumindest für eine gewisse Zeit, abgelegt haben. Deswegen eröffnen diese Romane und Stücke den Lesern oft ein neues Bild von ihrer eigenen Umgebung. Dadurch tragen sie zu einem gesteigerten interkulturellen Verständnis bei. "Diese Schriftsteller sind Vorbilder einer gelungenen Integration in Deutschland," beschreibt Prof. Brunner die Vortragenden. Bereits im Juni 2006 konnte Prof. Brunner Chamisso-Preisträger in Schwäbisch Gmünd begrüßen. Während damals Autorinnen und Autoren mit türkischer Muttersprache im Mittelpunkt standen, ist dieses Mal das geographische Spektrum breiter.

Die mehrfach preisgekrönte Autorin Zsuzsa Bank wuchs als Kind ungarischer Eltern, die nach dem Ungarnaufstand 1956 in den Westen geflohen waren, auf. Es folgt am 08.05. der bulgarische Schriftsteller Dimitré Dinew, der in Österreich lebt und dessen Roman "Engelszungen" europaweite Aufmerksamkeit erregte. Am 29.05. liest der im Iran geborene Schriftsteller SAID, ehemaliger Vorsitzender des deutschen Ablegers der Schriftstellervereinigung P.E.N.. Am 05.06. wird Franco Biondi, ein Sohn italienischer Schausteller, eine Lesung halten. Yoko Tawada, eine Japanerin, die in Deutschland studierte und erst durch ihre deutschen Werke in ihrer Heimat Berühmtheit erlangte, liest am 19.06. Der tschechische Chamisso-Preisträger Ota Filip wird am 26.06. zu hören sein. Sein erster Erfolg gelang ihm in den 60ern noch als Journalist, indem er - wie er selber behauptet - aus Langeweile "Cafe an der Straße zum Friedhof" schrieb. Terezia Mora ist eine Theaterautorin und angesehene Übersetzerin klassischer Werke ungarischer Herkunft. Sie wird am 10.07. in der Pädagogischen Hochschule zu Gast sein.

Ilma Rakusa ist in Ungarn, Slowenien und Italien aufgewachsen. Sie lebt heute als Autorin in der Schweiz und liest am 17.07. Den Abschluss der Lesungsreihe bildet Gino Chiellino. Er erweckte zuletzt Aufsehen durch ein Projekt zum kreativen Schreiben, das ihn mit Patienten einer psychiatrischen Klinik zusammen arbeiten ließ.

Zu allen Lesungen ist die interessierte Öffentlichkeit eingeladen, der Eintritt ist frei. Die Lesungen finden jeweils von 14.15 Uhr bis 15.45 Uhr im Hörsaal 1 der PH statt; eine Ausnahme bilden die beiden letzten Veranstaltungen, welche um dieselbe Uhrzeit, jedoch im Hörsaal 5 stattfinden.