Auch die Studentenwerke wollen Exzellenz

23.05.2008 - (idw) Universität Luxemburg - Université du Luxembourg

Akademische Exzellenz allein reicht nicht aus: Die Studierenden von heute sollen auch in Sachen Wohnungssuche, Auslandssemester, Studiumfinanzierung, Karriereberatung, Gesundheit, Kultur und vielen weiteren Fragen exzellent unterstützt und betreut werden. Ziel ist, nach dem Vorbild US-amerikanischer Universitäten die ganze Persönlichkeit des Studierenden zu fördern. Denn die Persönlichkeitsbildung wird neben der Wissensvermittlung eine immer wichtigere Rolle in der Ausbildung junger Akademiker spielen. Das ist eine der Schlussfolgerungen der internationalen Tagung "Putting Students at the Center" vom 21. bis 22. Mai in Luxemburg. Rund hundert Verantwortliche von Studentenwerken, Studierendendienststellen, Universitätsleitungen und Experten aus der ganzen Welt nahmen an der Konferenz teil, darunter Vertreter aus den USA, Skandinavien, Katar, Japan und natürlich den europäischen Ländern. Vom Wohnheimmanagement über den Career Service bis zur Betreuung behinderter Studierenden reichten die Themen der Workshops. Als Gastredner sprachen unter anderem Hochschulminister François Biltgen, der Leiter der "Academic Cooperation Association" aus Brüssel, Bernd Wächter, sowie der Präsident des "European Council for Student Affairs" (ECStA) aus Berlin, Achim Meyer auf der Heyde.

"Wenn die Hochschulen Europas wettbewerbsfähig sein wollen, dann sind die USA und der asiatische Raum der Maßstab, an dem wir uns orientieren. Wir dürfen auch in der studentischen Betreuung nicht hinterherhinken", erklärte Achim Meyer auf der Heyde. Die von der Universität Luxemburg und der "Miami University Luxembourg" organisierte Tagung bot die Gelegenheit, "best practises" in den USA zu identifizieren, um davon zu lernen. Andersherum könnten auch die USA von Europa lernen, hieß es. So zeigten sich die amerikanischen Gäste beeindruckt vom Umgang der Universität Luxemburg mit der Mehrsprachigkeit und dem multikulturellem Campus mit Studierenden aus aller Welt. "Ziel der Konferenz ist, gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir am besten auf die Bedürfnisse der Studierenden eingehen können", so Anne Christophe, Leiterin des "Service des Études et de la Vie Étudiante" der Universität Luxemburg.

Die am häufigsten gewählten Gastländer für Studierende derzeit sind die USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Größter Unterschied zwischen den Studentenwerken in den USA und in Europa: In Europa werden junge Menschen nach dem Abitur im Prinzip als selbständige Erwachsene betrachtet. In den USA, wo die Erstsemester im Durchschnitt ein bis zwei Jahre jünger sind als in Europa, legen Eltern viel Wert auf die Betreuung ihres Nachwuchses an der Hochschule. "US-Universitäten haben nicht nur einen Bildungsauftrag, sondern auch einen Erziehungsauftrag", so Achim Meyer auf der Hyde, "dort gibt man seine Kinder in Obhut". "Student affairs" ist in den USA zudem ein Studienfach, in dem man sogar promovieren kann. Eine akademische Tradition, die professionelle Arbeit und das Bewusstsein für den wichtigen Beitrag der Studierenden-Dienststellen zur Ausbildung fördern.

Die besonderen Schwierigkeiten ausländischer Studierender bildeten einen weiteren Schwerpunkt der Tagung. Ausländer hätten mehr Probleme, ihr Studium zu finanzieren, eine Unterkunft und einen Studentenjob zu finden und Prüfungen zu bestehen, nicht zuletzt wegen der Sprachhürden. Asiatische Studierende litten insbesondere unter dem elterlichen Erfolgsdruck und unter Heimweh. In den USA wurden die zum Teil extrem hohen "tuition fees" für ausländische Studierende beklagt. Kritisiert wurden zudem die zahlreichen administrativen Hürden für ausländische Studierende, die neben dem Studium arbeiten wollen: Hier müssten in den USA und in Europa die Restriktionen abgeschafft werden. Minister Biltgen wies in seiner Ansprache auf das berufsbegleitende Studium hin, das im Zuge des "Life long learning" immer wichtiger werde. Die Universitäten sollten sich darauf einstellen, so der Minister. Biltgen kündigte ein neues Gesetz an, mit dem Berufstätige ein Zeitkonto für Bildungsurlaub anlegen können.

Die US-Studenten selbst neigten zu sehr kurzen Auslandsaufenthalten, während europäische Studierende meist für ein Jahr oder länger ihr Heimatland verließen, stellten die Tagungsteilnehmer fest. Auf beiden Seiten des Atlantiks wird zudem einen Trend zum "kangaroo living" beobachtet: Immer mehr Studierende wohnen lieber zu Hause, während sich die Eltern unabhängigere Kinder wünschen.

Die aktuelle Studierendengeneration beschrieben die Tagungsteilnehmer als selbstbewusst, anspruchsvoll, teamfähig und technologiegläubig. "Manche können besser per Mobiltelefon oder SMS kommunizieren als von Angesicht zu Angesicht", meinte eine Studentenwerk-Mitarbeiterin aus den USA augenzwinkernd. Ein Grund mehr, "soft skills" wie Dialogfähigkeit mehr denn je zu fördern, und das nicht nur in den Seminaren, sondern auch in der studentischen Betreuung: "Man braucht eine ganze Universität, um eine ganze Persönlichkeit auszubilden."

Ansprechpartner für Journalisten: Anne Christophe (Verantwortliche SEVE), T. + 352 46 66 44 6311, Email: anne.christophe@uni.lu, François Carbon, + 352 46 66 44 - 6577 , francois.carbon@uni.lu
Weitere Informationen: http://www.uni.lu - Homepage des Tagungsveranstalters