Erforschung des Althochdeutschen

16.05.2002 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Rudolf Schützeichel, ehemaliger Direktor des Germanistischen Instituts der Universität Münster, wird am 20. Mai 75 Jahre alt. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1992 blieb der Germanist bis heute am Fachbereich Philologie und als Leiter des Forschungsprojekts "Althochdeutsches Wörterbuch" der Göttinger Akademie der Wissenschaften in Münster tätig.

Der aus Rahms (Kreis Neuwied) stammende Rudolf Schützeichel hat in Mainz die Fächer Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert. 1954 wurde er promoviert, 1960 habilitierte er sich an der Universität zu Köln für Germanische Philologie. Bevor er 1969 einem Ruf an die Westfälische Wilhelms-Universität nach Münster folgte, lehrte und forschte er an den Universitäten Bonn und Groningen/Niederlande.

Prof. Schützeichel ist seit 1973 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, seit 1974 der Königlich-Schwedischen Akademie in Göteborg und gehört Kommissionen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig an. Für seine Verdienste bei der Erforschung der niederländischen Philologie und als langjähriges Mitglied der deutsch-niederländischen Kulturkommission wurde er 1971 zum Offizier des niederländischen Ordens von Oranje-Nassau ernannt. Die Universität Leipzig verlieh im 1992 die Würde eines Ehrendoktors.

Der international bekannte Philologe ist Begründer von zwei wissenschaftlichen Zeitschriften ("Beiträge zur Namenforschung. Neue Folge" und "Sprachwissenschaft") sowie Mitherausgeber weiterer wissenschaftlicher Zeitschriften. Sein vielfältiges wissenschaftliches Werk erstreckt sich über verschiedene Gebiete der deutschen Philologie: Neben Arbeiten zur Namenforschung, zur zweiten Lautverschiebung, zur Urkundensprache, zur Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache und zur mittelalterlichen deutschen Literatur steht vor allem die Erforschung des Althochdeutschen und damit die Erschließung der ältesten seit dem achten Jahrhundert überlieferten Zeugnisse der deutschen Sprache im Mittelpunkt seiner Forschungsarbeiten.

Ein Wörterbuch der literarischen Denkmäler des Althochdeutschen liegt seit 1995 in fünfter Auflage vor. Im vergangenen Jahr ist eine Edition der ältesten Überlieferung von Williram von Eberbergs Kommentar zum "Hohen Lied" erschienen. Der 42. Band der Studien zum Althochdeutschen ist gerade herausgekommen.

In seinem Forschungsprojekt "Althochdeutsches Wörterbuch" erarbeitet Rudolf Schützeichel mit seinen Mitarbeitern eine vollständige Dokumentation aller althochdeutschen Glossenzeugnisse, die eine Viertelmillion Belege umfasst. Der an der handschriftlichen Überlieferung geprüfte und philologisch erschlossene Wortschatz der Glossen wird als Ergänzung des Wörterbuchs der literarischen Denkmäler des Althochdeutschen in einer Reihe von Teilbänden erscheinen.