RWI Essen: EZB sollte Leitzinsen erhöhen

03.07.2008 - (idw) Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Das RWI Essen spricht sich für eine Anhebung der Leitzinsen durch die EZB aus. Nach Einschätzung der Wissenschaftler würde die Zentralbank damit ihrem vorrangigen Ziel nachkommen und die Preisniveaustabilität im Euroraum wahren. Zum anderen würde sie durch dieses klare und nachvollziehbare Handeln ihre Glaubwürdigkeit erhalten. Handelt sie nicht, besteht die Gefahr, dass die Inflation aus dem Ruder läuft und zu einem späteren Zeitpunkt wesentlich restriktivere Eingriffe notwendig sind. Diese wären mit viel größeren negativen Effekten für die konjunkturelle Entwicklung verbunden als eine Anhebung der Leitzinsen in der jetzigen Situation. Das RWI Essen plädiert dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag die Leitzinsen anhebt. Auf diese Weise könnte die EZB einen Beitrag dazu leisten, dass sich der Preisniveauauftrieb im Euroraum abschwächt. Die Wahrung der Preisniveaustabilität ist laut dem "Maastrichter Vertrag" vorrangiges Ziel der EZB. Sie sieht es als erreicht an, wenn die durch den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Inflationsrate auf mittlere Sicht knapp unter zwei Prozent liegt. Derzeit liegt dieser Wert bei 4%.

Zwar muss die EZB auf kurzfristige Abweichungen von ihrem Zielwert nicht sofort reagieren. Nach Einschätzung der Wissenschaftler mehren sich jedoch die Anzeichen, dass sich der Preisniveauauftrieb verfestigt und sich das Risiko eines allgemeinen Inflationsklimas erhöht. So ist nicht nur der HVPI deutlich angestiegen, auch die so genannte "Kerninflation" (bei der die Energie- und Nahrungsmittelpreise herausgerechnet werden) lag in den vergangenen Monaten mit gut 2,5% deutlich über der Zielmarke der EZB.

Zinserhöhung erhält die Glaubwürdigkeit der EZB

Hinzu kommt, dass offenbar auch die Inflationserwartungen der Marktakteure angestiegen sind. Dies kann zum einen dazu beitragen, dass das Preisniveau weiter ansteigt, weil sowohl bei der Preissetzung als auch bei Lohnverhandlungen bereits höhere Inflationsraten zugrunde gelegt werden. Zum anderen drückt es Zweifel der Wirtschaftsakteure an der EZB aus. Sie erwarten offenbar nicht, dass diese die Preissteigerung in ihren Zielbereich zurückführt. Beides würde die Rückführung der Inflationsrate auf unter 2% erschweren. Eine Zinsanhebung durch die EZB ist daher auch wichtig, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Aus diesen Gründen sollte die EZB rasch und nachvollziehbar handeln und die Leitzinsen erhöhen. Tut sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass die Inflation aus dem Ruder läuft und später wesentlich restriktivere Eingriffe notwendig sind. Diese hätten viel größere negative Effekte für die Konjunktur als eine Leitzinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt.

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Dieser Pressemitteilung liegt die RWI : Position "Für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik" zugrunde. Sie ist unter www.rwi-essen.de/positionen als pdf-Datei erhältlich.
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