Die große Wirkung einer kurzen Freundschaft

07.07.2008 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Führende Forscher erörtern am 8. Juli in Jena die Beziehung zwischen Wagner und Nietzsche Jena (07.07.08) "Geliebter Meister" waren die einleitenden Worte von Friedrich Nietzsche in einem Brief an Richard Wagner zu dessen 60. Geburtstag. Vom ersten Treffen an war der junge Philosoph von dem 31 Jahre älteren Komponisten begeistert. Er mag in ihm die vermisste Vaterfigur gesehen haben, besonders aber faszinierte Nietzsche wohl der rege geistige Austausch mit Wagner. Sie teilten das Interesse an der Philosophie Schopenhauers, der Antike und dem "Wesen der Musik". Dennoch hielt die "Sternenfreundschaft" nur eine Dekade und wich dann einer "Erdenfeindschaft". Als der kranke Friedrich Nietzsche 1889 in die Jenaer Psychiatrie eingewiesen wurde, war Wagner bereits sechs Jahre tot.

"Wagner und Nietzsche haben das 20. Jahrhundert bedeutend geprägt und ihre Freundschaft ist beinahe einzigartig in der deutschen Geistesgeschichte", erklärt Prof. Dr. Nikolaus Knoepffler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Anlässlich des 125. Todestages von Richard Wagner hat er zusammen mit dem amerikanischen Anthropologieprofessor H. James Birx und dem Philosophen Stefan Lorenz Sorgner ein Buch erarbeitet, das die Bedeutung der beiden Persönlichkeiten und deren Wirkung auf die Gegenwart beleuchtet. Am 8. Juli findet die von ihnen organisierte Wagner-Nietzsche-Tagung in Jena statt, in deren Rahmen ihr Werk "Wagner und Nietzsche: Kultur - Werk - Wirkung: Ein Handbuch" (Verlag Rowohlt 2008) der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

"Auf über 500 Seiten haben wir Ansichten von Wagner und Nietzsche zu zentralen Themen und deren gegenseitigem Verhältnis zusammengestellt, etwa zu Religion, Ethik, Politik und Evolutionstheorie", so die Herausgeber. Das sei in dieser Form bis jetzt einmalig. Insgesamt 30 international führende Experten haben an dem Buch mitgewirkt. So stammt das Vorwort von Gianni Vattimo, der in den 60er Jahren bei dem weltbekannten Philosophen und Ehrenbürger der Universität Jena Hans-Georg Gadamer studierte. Heute gilt Vattimo als führender postmoderner Philosoph und international bedeutender Nietzsche-Experte.

Auf der öffentlichen Tagung, die von 14 bis 18 Uhr in der Rathausdiele am Markt in Jena stattfindet, werden die drei Herausgeber Stefan Lorenz Sorgner, H. James Birx und Nikolaus Knoepffler sowie zwei weitere Autoren wesentliche Aspekte des Buches vorstellen und diskutieren. "Die Tagung soll das Verhältnis von Wagner und Nietzsche beleuchten. In Vorträgen werden wir zu Wagners Werk und Gedanken sowie seinem Einfluss auf Nietzsche Stellung nehmen", fassen die Organisatoren zusammen.

Um 18 Uhr folgt in der Rathausdiele ein Konzert mit Michelangelo Rinaldi am Klavier und der Sopranistin Theresia Bothe, die Musik von Wagner und Nietzsche präsentieren. Anschließend findet um 20 Uhr in der Thalia-Buchhandlung in Jena (Einkaufspassage Neue Mitte, Leutragraben1) eine offizielle Buchvorstellung mit Herausgebern und Autoren statt.

Zu allen Veranstaltungen ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Prof. Dr. Nikolaus Knoepffler
Bereich Ethik in den Wissenschaften / Ethikzentrum der Universität Jena
Zwätzengasse 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945800
E-Mail: n.knoepffler[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.ethik.uni-jena.de/index.php?option=com_content&view=article&id=50&Itemid=6 http://www.uni-jena.de