Neue Impulse für zwei deutsche Spitzenuniversitäten

09.07.2008 - (idw) VolkswagenStiftung

Der richtige Riecher und mehr Mathe im "Jahr der Mathematik": VolkswagenStiftung richtet in Göttingen und Aachen zwei Lichtenberg-Professuren ein. Kühne Forschungsideen und der Blick über Fachgrenzen hinaus sind wichtige Voraussetzungen für eine Lichtenberg-Professur der VolkswagenStiftung. Seit vier Jahren unterstützt die Stiftung mit diesen Professuren die Einrichtung neuer Forschungsfelder an deutschen Hochschulen. Und ermöglicht gleichzeitig den jungen Spitzenkräften eine langfristige Zukunftsperspektive in der Wissenschaft. Zu den 22 bereits implementierten "Lichtenbergs" kommen nun zwei hinzu, die sich in der diesjährigen Wettbewerbsrunde durchsetzen konnten. Dabei jongliert der eine mit Zahlen, der andere mit Molekülen. Beiden gemeinsam ist ein exzellenter Werdegang. Die VolkswagenStiftung stellt für die beiden Professuren, die an der Universität Göttingen und der RWTH Aachen eingerichtet werden, rund 2,3 Millionen Euro zur Verfügung.

1. W2-Lichtenberg-Professur für Professor Dr. Marc Spehr am Institut für Biologie II der RWTH Aachen zum Thema "The molecular and cellular architecture of chemosensory communication - from gene to behaviour";

2. W2-Lichtenberg-Professur für Professor Dr. Valentin Blomer am Mathematischen Institut der Universität Göttingen zum Thema "Spectral methods in number theory".

Zu 1. Der richtige Riecher kann lebenswichtig sein
Meist können wir uns bei der Partnerwahl auf unseren guten Riecher verlassen; Duftstoffe (Pheromone) übermitteln die entscheidenden Informationen. Auch komplexe Verhaltensweisen wie Aggressionen oder soziales Miteinander werden bei den meisten Säugern über chemische Signalstoffe beeinflusst. Wenngleich es inzwischen etwa zu den Pheromonen einiges an Erkenntnissen gibt, sind die grundlegenden Mechanismen der Chemosensorik sozialer Kommunikation noch weitgehend unverstanden. Sie aufzuklären und dabei den Schritt vom Gen zum Verhalten zu machen, hat sich Professor Dr. Marc Spehr vorgenommen. Mit Unterstützung der Stiftung kann er jetzt an der RWTH Aachen eine W2-Lichtenberg-Professur antreten. In seinen bisherigen Arbeiten konnte Spehr eine neuartige Verknüpfung herstellen zwischen den Feldern der Reproduktionsbiologie und der Neuro- und Sinnesphysiologie. Er postuliert Funktionen von Duftstoffen bei der Gametenreifung und der chemischen Kommunikation zwischen Spermium und Eizelle. Langfristig könnten diese Studien für die Behandlung einiger Formen von Unfruchtbarkeit oder auch für die Entwicklung von neuen Verhütungsmitteln eine Rolle spielen.

Marc Spehr (Jahrgang 1973) studierte Biologie an der Universität Bochum, wo er 2002 promovierte. Als Postdoktorand forschte er zwei Jahre in den USA an der University of Maryland, Baltimore, und kehrte von dort 2006 an die Universität Bochum zurück, wo er Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe am Lehrstuhl für Zellphysiologie wurde.

Kontakt
Prof. Dr. Marc Spehr
zurzeit Universität Bochum
Telefon: 0234-322 58 43
E-Mail: marc.spehr@rub.de

Zu 2. Verwurzelt in der Mathematik
Dass er mit Zahlen jonglieren kann, zeigte Valentin Blomer bereits 1995, als er im Bundeswettbewerb "Mathematik" siegte und für die gesamte Dauer seines Studiums der Mathematik und Informatik an der Universität Mainz ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes erhielt. Das Thema der Lichtenberg-Professur, die Blomer nun an der Universität Göttingen antreten kann, ist die analytische Zahlentheorie, die sich derzeit als sehr aktives Forschungsgebiet der Mathematik mit neuen Anwendungsmöglichkeiten entwickelt. Die umfassende Nutzung von PCs, Internet und digitalen Technologien erfordert unter anderem öffentliche Verschlüsselungssysteme von hoher Sicherheit und Algorithmen zur Datenübertragung durch sogenannte verrauschte Kanäle, die entscheidend auf dieser Zahlentheorie basieren. Für Mathematiker sei hinzugefügt, dass sich Professor Blomer auf die Theorie der L-Funktionen konzentriert und dass er kürzlich brillierte mit einer Veröffentlichung zum Weltrekord für die beste Abschätzung der Fourier-Koeffizienten von Modulformen halbganzen Gewichts. Für Nicht-Mathematiker (oder auch für alle) hingegen an dieser Stelle noch der Zusatz, dass die Stiftung sich mit dieser Lichtenberg-Professur zudem auch freut, einen substanziellen Beitrag zu leisten zum aktuellen "Jahr der Mathematik".

Valentin Blomer (Jahrgang 1977) promovierte 2002 an der Universität Stuttgart und absolvierte sein Postdoktorat in Kanada an der University of Toronto. Von dort nahm er den Ruf an auf eine Juniorprofessur an der Universität Göttingen, habilitierte sich dort 2005 und erhielt im selben Jahr den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit 2005 arbeitet Blomer als Assistant Professor an der University of Toronto, wo er kürzlich ein Sloan Research Fellowship erhalten hat.

Kontakt
Prof. Dr. Valentin Blomer
zurzeit erreichbar an der University of Toronto, Toronto/Canada
Telefon: +1-416 978 4436
E-Mail: vblomer@math.toronto.edu

Hintergrund Förderinitiative
Mit den Lichtenberg-Professuren fördert die VolkswagenStiftung seit dem Jahr 2003 herausragende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in innovativen Lehr- und Forschungsfeldern. Für fünf bis - im Falle einer positiven Zwischenevaluation - maximal acht Jahre stellt die Stiftung Mittel für W1-, W2- oder W3-Professuren zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass die aufnehmende Hochschule die Übernahme erfolgreich evaluierter Professuren garantiert. Weitere Informationen dazu finden Sie auf unserer Homepage.

Weitere Informationen zu der Förderinitiative "Lichtenberg-Professuren" finden Sie auch im jetzt erschienenen Jahresbericht 2007 der Stiftung auf den Seiten 18 ff.

Kontakte VolkswagenStiftung

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 - 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Förderinitiative
Fachgebiete der Abteilung für Natur- und Ingenieurwissenschaften, Medizin
Dr. Anja Fließ
Telefon: 0511 8381 - 374
E-Mail: fliess@volkswagenstiftung.de

Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20080709