Wollmilchsau gesucht - Stiftungsprofessur soll Lithium-Ionen-Technologie voranbringen

18.07.2008 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

"Wir suchen die Eier legende Wollmilchsau", beschreibt Prof. Dr. Martin Winter seine Forschung. Der Experte für Lithium-Ionen-Technologie hat eine Stiftungsprofessur am Institut für Physikalische Chemie der Universität Münster inne. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern will er Lithium-Ionen-Batterien mit verbesserter Leistung und höherer Energie, längerer Lebensdauer und maximaler Sicherheit schaffen - zu möglichst geringen Kosten. Das scheinbar Unmögliche soll durch neue Forschungsansätze Realität werden. Die Stiftungsprofessur für Angewandte Materialwissenschaften zur Energiespeicherung und Energieumwandlung wird von den Unternehmen Chemetall GmbH, Evonik Industries AG und Volkswagen AG über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt 2,25 Millionen Euro ausgestattet. Prof. Winter, der eine herausragende Position als Institutsleiter an der Universität Graz aufgegeben hat, um nach Münster zu wechseln, ist von den Chancen, die der Neuanfang bietet, überzeugt: "Die Stiftungsprofessur eröffnet ganz neue Wege, die Lithium-Ionen-Technologie nachhaltig voranzubringen und damit den Standort Deutschland und Europa für die Zukunft wettbewerbsstark zu machen." Die WWU ist in Prof. Winters Augen dafür hervorragend geeignet, da sich hier einzigartige und mannigfache Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den Fachbereichen Chemie, Physik und aus den Geowissenschaften bieten.

Die Studierenden sollen von dem neuen Arbeitsgebiet an der WWU profitieren. "Es ist wichtig, dass junge Wissenschaftler auf dem Gebiet der Lithium-Ionen-Technologie ausgebildet werden. Schließlich ist das nicht nur ein boomender Industriezweig, sondern auch die Wissenschaft in dem Bereich blüht", so Prof. Winter. Um den Studierenden die gesamte Breite des Fachgebiets nahezubringen, ist eine Vorlesungsreihe geplant, bei der die Stifter ihre besonderen Fachkenntnisse einbringen.

Durch die Konstellation der drei Industriepartner, welche die Wertschöpfungskette von Lithium als Rohstoff und als Bestandteil von Spezialchemikalien über die Herstellung von Großbatteriekomponenten bis zur automobilen Anwendung der fertigen Batterie abdecken, seien optimale Bedingungen geschaffen, um die Grundlagenforschung im Dialog mit der Anwendung zu stärken, so Prof. Winter, der sich selbst als "Grundlagenforscher mit Anwendungsorientierung" bezeichnet. Er und seine Mitarbeiter leisten nicht nur Entwicklungsarbeit, sondern untersuchen auch gegenwärtige Technologieprodukte auf Schwachstellen.

Ein Forschungsschwerpunkt in Prof. Winters Arbeitsgruppe, der zur Zeit 15 Mitarbeiter aus Italien, Österreich, Korea, USA, Rumänien und Deutschland angehören, ist die Anwendung der Lithium-Ionen-Technologie im Auto. So könnte diese Technologie, die zum Beispiel bei mobiler Computertechnik oder bei Handys bereits häufig eingesetzt wird, die herkömmliche Autobatterie - den Bleiakku - ersetzen. Sie wäre durch ihre hohe Energiedichte und ihr geringes Gewicht besonders gut für den Einsatz im Auto geeignet.

Darüber hinaus wird die Lithium-Ionen-Technik bei Kraftfahrzeugen mit Hybridantrieb verstärkt zum Tragen kommen und den Verbrennungsmotor kurz- bis mittelfristig als Antriebsquelle unterstützen, ihm langfristig sogar Konkurrenz machen können. Die Lithium-Ionen-Batterie soll zudem als mobiler Speicher eingesetzt werden, mit dem Energie aus Produktionsspitzen von Windkraft- und Solaranlagen nutzbar gemacht wird - Energie, die bislang ungenutzt "verpufft".

Hinter der Arbeit steht ein ganzheitlicher Anspruch. Prof. Winter will mit seiner Arbeitsgruppe nicht nur einzelne Batteriekomponenten verbessern, sondern Schritt für Schritt die gesamte Batterie. Er beschreibt seine Vision: "Wir wollen die Zukunft auf dem Gebiet der Lithium-Ionen-Technologie mit gestalten - und die Technologie, die danach kommt."
Weitere Informationen: http://www.uni-muenster.de/Chemie.pc/winter/index.html Prof. Dr. Martin Winter