Experimenteller Psychologe von Weltrang wird ausgezeichnet

03.11.2008 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Prof. em. Dr. Gerd Lüer erhält am 4. November die Ehrendoktorwürde an der Universität Jena Jena (03.11.08) In jedem Ranking und jeder Untersuchung zu den besten Studienorten im Fach Psychologie erreicht die Friedrich-Schiller-Universität Jena einen Spitzenplatz. Die Grundlagen für diese herausragende Stellung setzte auch Prof. em. Dr. Gerd Lüer mit. Der seit 2006 emeritierte Göttinger Psychologe leitete 1991 die Struktur-, Evaluations- und Berufungskommission für Psychologie an der Jenaer Universität. Daraus entwickelte sich nicht nur ein erfolgreiches Berufungsgeschehen in diesem Fach, sondern auch eine fachliche Breite, die neben den klassischen Feldern der Psychologie neurobiologische Ansätze integrierte.

Für diese Verdienste beim Aufbau des Institutes für Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena nach der Wende sowie für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Psychologie des Denkens und Problemlösens sowie des Gedächtnisses und für seine Verdienste um die exzellente Positionierung der experimentellen Psychologie in Deutschland zeichnet die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Jena Prof. Lüer mit der Ehrendoktorwürde aus. Der öffentliche Festakt findet am Dienstag (04.11.) um 18.15 Uhr in der Aula des Universitätshauptgebäudes (Fürstengraben 1) statt. Nach der Begrüßung durch Dekan Prof. Dr. Dr. Ralf Koerrenz hält der Alt-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Prof. em. Dr. Rainer Kluwe die Laudatio. Anschließend wird Professor Lüer seinen Festvortrag zur Frage "Verändert unsere Sprache die Sicht auf die Dinge der Welt?" halten.

Der inzwischen 70-jährige Gerd Lüer gehört zur internationalen Elite der deutschen Psychologie. Bekannt wurde er durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Psychologie des Denkens und Problemlösens sowie des Gedächtnisses. Er war einer der Ersten, der Analysen von Blickbewegungsdaten zum Verständnis von Denkvorgängen einsetzte. Lüer, der nach Stationen an verschiedenen deutschen Universitäten seit 1982 an der Uni Göttingen tätig war, beschäftigte sich ebenfalls mit Prozessen des Sprachverstehens und der Sprachverwendung sowie der menschlichen Raumwahrnehmung und nicht zuletzt der Geschichte der Psychologie. Lüer tritt nachdrücklich für eine kognitiv-neurowissenschaftliche interdisziplinäre Zusammenarbeit ein, was sich auch in der Gestalt des Jenaer Instituts widerspiegelt.

Auf all diesen Gebieten erreicht er, auch dank einer hohen Publikationstätigkeit, darunter zwölf Bücher, weltweit beachtetes Niveau. Seine Leistungen wurden durch zahlreiche Preise, Ehrungen und Ehrenämter gewürdigt. So war Gerd Lüer u. a. DGPs-Präsident und ist inzwischen ihr Ehrenmitglied. Darüber hinaus hat er sich in zahlreichen Fachgremien und in der Wissenschaftspolitik engagiert. Der Universität Jena ist er bis heute verbunden, so übernahm er noch im vergangenen Jahr die Leitung der Akkreditierungskommission für die Bachelor- und Master-Studiengänge Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität. "Diese Funktionen machen seine tiefe Verbundenheit mit dem hiesigen Institut deutlich und dokumentieren sein nachhaltiges Bemühen, die hiesige Psychologie auf ihrem Weg zu einer führenden Institution in Deutschland kritisch und engagiert zu begleiten", würdigt sein Jenaer Kollege Prof. Dr. Wolfgang Miltner die Verdienste von Gerd Lüer.
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