Antikörper soll Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebs hemmen

12.01.2009 - (idw) Klinik für Tumorbiologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Monoklonale Antikörper sind in der Lage, das Tumorwachstum zu blockieren, indem sie bestimmte Eiweißmoleküle hemmen und so dafür sorgen, dass Wachstumssignale nicht an Krebszellen weitergeleitet werden. Ein neuer Wirkstoff, der auf der Grundlage dieses Prinzips entwickelt wurde, wird nun in einer klinischen Studie (Phase II) an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg sowie an weiteren Zentren in Deutschland und in anderen europäischen Ländern in Zusammenarbeit mit Zentren in den USA überprüft. An der Studie teilnehmen können Patienten, die an fortgeschrittenem, inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs leiden und bisher keine medikamentöse Therapie zur Behandlung ihrer Erkrankung erhalten haben.
"Ziel ist es, die Wirksamkeit des neuen Medikaments, insbesondere seine Hemmung des Mesothelin, zu überprüfen. Mesothelin ist ein Protein, das unter anderem auf Pankreastumorzellen überaktiv ist", erklärt der Studienkoordinator Privatdozent Dr. med. Klaus Mross, Oberarzt an der Klinik für Tumorbiologie.

Die Standardbehandlung von inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht in der Regel in einer Chemotherapie. Diese vermag zwar bei einem Teil der Patienten den Krankheitsverlauf in einem gewissen Ausmaß zu verzögern, der Therapieerfolg ist jedoch meist unbefriedigend. Auch vielfältige Versuche, durch Kombination mehrerer Medikamente die Erfolgsaussichten zu verbessern, waren bislang wenig erfolgreich. "MORAb-009", so die Bezeichnung des neuen Wirkstoffs, ist ein monoklonaler Antikörper und Mesothelin-Hemmstoff. "Die Substanz gehört nicht zur Gruppe der klassischen Zytostatika, die sämtliche Zellen im Körper - also auch die gesunden - attackieren, sondern greift ganz gezielt in wichtige Zellregulationsvorgänge ein, die für das Wachstum von Pankreaskarzinomenzellen verantwortlich sind", so Mross.

Ebenfalls im Rahmen einer klinischen Studie wurden bislang Pankteaskarzinompatienten in den USA mit diesem Medikament behandelt. "Die dabei dokumentierten Beobachtungen zeigten eine im Wesentlichen gute Verträglichkeit. Unerwartete, schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten", berichtet Mross. Über die Wirksamkeit speziell bei Krebs der Bauchspeicheldrüse lasse sich jedoch erst nach Abschluss der jetzt laufenden Studie eine Aussage treffen.

Stichwort: Monoklonale Antikörper
Derzeit sind bereits mehrere monoklonale Antikörper bei verschiedenen Tumorarten im Einsatz. Eine Reihe von Proteinen sind bei Tumorzellen überexprimiert auf der Zelloberfläche vorhanden und spielen eine Rolle beim Tumorwachstum. Wenn sich derartige Strukturen durch Medikamente hemmen oder neutralisieren lassen, können sinnvolle antitumorale Therapieeffekte erwartet werden, so wie es zum Beispiel mit den monoklonalen Antikörpern gegen VEGF-A , gegen CD-20 , gegen Her2neu oder gegen EGF-R beobachtet wird. Monoklonale Antikörper sind hochspezifisch und Zellen, die kein Mesothelin exprimieren, werden deshalb nicht durch eine Behandlung beeinflusst. Der Wirkstoff MORAb-009 ist der erste Mesothelin-Hemmstoff, der bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs geprüft wird.

Kontakt:
PD Dr. med. Klaus Mross
Geschäftsführender Oberarzt
Leiter Klinische Studien
Klinik für Tumorbiologie
Breisacher Str. 117
79106 Freiburg

Tel.: 0761 206 1220
pdir@tumorbio.uni-freiburg.de
info-studien@tumorbio.uni-freiburg.de
Weitere Informationen: http://www.tumorbio.uni-freiburg.de