Naturkundliches Universitätsmuseum in Halle geplant

11.02.2009 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

In Halle (Saale) soll in den kommenden Jahren ein Naturkundliches Universitätsmuseum entstehen. Eine entsprechende Projektkonzeption nahm der Senat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) heute (11. Februar 2009) zur Kenntnis. Mit dem Projekt werden laut MLU-Rektor Prof. Dr. Wulf Diepenbrock zwei Ziele verfolgt: "Die international bedeutenden naturwissenschaftlichen Sammlungen werden für Forschung und Lehre konzentriert und mit neuartigen Darstellungsformen der Öffentlichkeit präsentiert." Das Schaumuseum soll am Friedemann-Bach-Platz entstehen und im Idealfall bis 2013 Realität werden. "Die naturhistorischen Sammlungen der Martin-Luther-Universität sind wissenschaftlich äußerst bedeutsam und gehören mit über fünf Millionen Objekten zu den zehn größten derartigen Sammlungen Deutschlands", erklärt Dr. Frank Steinheimer, der das Projekt Naturkundliches Universitätsmuseum, das als "Zentrum für wissenschaftliche Dienstleistungen" konzipiert wird, koordiniert. "Zum ersten Mal in ihrer Geschichte sollen diese Sammlungen in einer zentralen Einrichtung permanent und auf höchstem wissenschaftlichen und kustodialen Niveau zusammengeführt und nachhaltig gesichert werden."

Der Biologe Steinheimer, der u. a. bereits am Museum für Naturkunde Berlin und dem Natural History Museum London gearbeitet hat, ist überzeugt vom ungeheuren Wert der Sammlungen: "Unter Experten gelten sie schon lange als ein ganz besonderes Kleinod der deutschen Wissenschaftslandschaft, mit großem Potenzial für weitere Forschungsfragen." Dieses Potenzial gelte es auszubauen und zu nutzen, so der 37-Jährige. Mit dem geplanten Museum werde die MLU ein Schaufenster ihrer Forschung installieren, mit den zentralen naturwissenschaftlichen Sammlungen entstehe "ein Kompetenzzentrum für die Erforschung von Biodiversitätsfragen, Wissenschaftsgeschichte und kustodialen Standards".

In die neue Zentrale Einrichtung der Universität sollen die Zoologische und die haustierkundliche Sammlung (Museum für Haustierkunde "Julius Kühn") ebenso überführt werden wie die Geiseltalsammlung (Geiseltalmuseum) und der Dauerfeldversuch "Ewiger Roggen". Die Einrichtung soll, abgesehen von der Außenstelle mit dem Dauerfeldversuch, in einem einheitlichen Gebäude untergebracht sein. In Frage kommt dafür z. B. das Gebäude des Zoologischen Institutsbereichs am Domplatz 4 in Halle. "Die derzeitige Unterbringung der Sammlungen entspricht nicht dem modernen Standard, zudem sind Umzüge aufgrund des Baukonzepts der Universität ohnehin unumgänglich", sagt Rektor Wulf Diepenbrock.

Im künftigen Schaumuseum möchte die Martin-Luther-Universität völlig neue Wege gehen und dabei sämtliche Sinne ansprechen. Teil der Ausstellung soll auch eine Sektion zur Wissenschaftsgeschichte sein, die die derzeitige Forschung in die Tradition von über 230 Jahren naturwissenschaftlicher Forschung an der MLU stellt. Als Standort ist das zwischen 1887 und 1890 errichtete derzeitige Hauptgebäude des Instituts für Physik am Friedemann-Bach-Platz 6 vorgesehen. Das Institut zieht im Sommer dieses Jahres an den Campus Heide-Süd. "Am Friedemann-Bach-Platz stünden 1240 Quadratmeter Hauptnutzungsfläche für Ausstellungsvorhaben zur Verfügung, die auf 2200 Quadratmeter ausgebaut werden könnten und somit die Umsetzung eines modernen Ausstellungskonzepts erlauben würden", führt Frank Steinheimer aus.

Zu den Pluspunkten zählen Steinheimer und Diepenbrock zudem die sehr gute innerstädtische Lage gegenüber des Kunstmuseums Stiftung Moritzburg und die Backstein-Fassade mit hohem Wiedererkennungswert. "Die Voraussetzungen für ein Naturkundliches Museum mit überregionaler Ausstrahlung sind sehr gut", sagt MLU-Rektor Diepenbrock.

Das Schaumuseum soll laut der Projektkonzeption aus der Universität ausgegliedert und in eine neue Trägerschaft überführt werden. Die geeignete Rechtsform wird noch geprüft. Auch die Gesamtfinanzierung des Projekts ist noch offen, es gibt allerdings bereits eine Förderzusage vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Als begleitende Maßnahme wurde ein Förderverein gegründet. Vorstandsvorsitzender ist Prof. Dr. Herbert Pöllmann vom Institut für Geowissenschaften der MLU. Zu den Vorstandsmitgliedern zählen auch Dr. Harald Meller, Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, und Halles Wirtschaftsbeigeordneter Wolfram Neumann.

Das Gesamtkonzept für die zentralen naturwissenschaftlichen Sammlungen und das Schaumuseum soll zum Jahresende vorliegen. Eine Museumseröffnung im Jahr 2013 hält Projektkoordinator Steinheimer für "ein ehrgeiziges, aber nicht unrealistisches Ziel".

Ansprechpartner:
Dr. Frank Steinheimer
Projektkoordinator Naturkundliches Universitätsmuseum
Telefon: 0345 55 21437
E-Mail: Frank.Steinheimer@verwaltung.uni-halle.de