RUB-Medizin: Forßmann-Preis an junge Wissenschaftler verliehen

16.05.2003 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Zum dritten Mal hat die Stiftung "Kardiologie 2000" der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum den Werner-Forßmann-Preis vergeben. Am 14. Mai 2003 erhielt PD Dr. Ralf Brandes (34), Frankfurt, den Preis für seine herausragende wissenschaftliche Leistung: Er erforschte den grundlegenden Mechanismus so genannter Statine, einer Gruppe von Medikamenten, die Blutfette senken und zur Standardtherapie der Arteriosklerose gehören. Den Preis für das Lebenswerk erhielt Prof. Dr. Dr. h. c. Franz Loogen, Düsseldorf, einer der Gründungsväter der deutschen Kardiologie. Erstmals wurde ein Nachwuchs-Stipendium in Höhe von 6.000 Euro vergeben, Preisträger ist der Heidelberger Dr. Dierk Thomas.


v. l.: Dr. med. Sigrid Gleichmann, PD Dr. med. Ralf Brandes, Prof. Dr. Gert Muhr, Prof. Dr. Dr. Franz Loogen, Prof. Dr. med. Dieter Horstkotte, Dr. med. Dierk Thomas, Prof. Dr. med. Ulrich Gleichmann
Gewinner des Förderpreises 2003: PD Dr. Ralf Brandes Bochum, 15.05.2003
Nr. 152


Ausgezeichnete Herzpioniere
Forßmann-Preis an junge Wissenschaftler verliehen
Blutfett-Senkern und Kaliumströmen auf der Spur


Zum dritten Mal hat die Stiftung "Kardiologie 2000" der Medizinischen Fakultät der RUB den Werner-Forßmann-Preis vergeben. Am 14. Mai 2003 erhielt PD Dr. Ralf Brandes (34), Frankfurt, den Förderpreis für seine herausragende wissenschaftliche Leistung: Er erforschte den grundlegenden Mechanismus so genannter Statine, einer Gruppe von Medikamenten, die Blutfette senken und zur Standardtherapie der Arteriosklerose, insbesondere der koronaren Herzkrankheit gehören. Der Forßmann-Preis ist mit 5.000 Euro und der Bronzeplastik "Herzpionier" von Otmar Alt dotiert. Den Preis für das Lebenswerk erhielt Prof. Dr. Dr. h. c. Franz Loogen, Düsseldorf. Der 84-Jährige gehört zu den Gründungsvätern der deutschen Kardiologie. Erstmals wurde in diesem Jahr auch ein Nachwuchs-Stipendium in Höhe von 6.000 Euro vergeben, Preisträger ist der Heidelberger Dr. Dierk Thomas (28).

Förderpreis: Grundlegender Mechanismus der Statine

Ralf Brandes arbeitet im Institut für Kardiovaskuläre Physiologie der Universität Frankfurt. Er hat in aufwändigen experimentellen Arbeiten den Einfluss der Statine auf die Funktion der Innenschicht der Blutgefäße, dem Endothel, aufgeklärt. Die Statine hemmen die Synthese so genannter LDL-Cholesterine, die für Herz-Kreislauferkrankungen sehr ungünstig sind. Brandes konnte zeigen, wie sich der Zustand des Endothels verschlechtert, wenn Statine nicht verabreicht werden, und wie der grundlegende Mechanismus der Medikamentengruppe funktioniert: Statine aktivieren ein bestimmtes Enzym (NADPH Oxydase) im menschlichen Körper. Wenn die Therapie abgesetzt wird, nehmen z. B. Herzinfarkt oder Angina pectoris signifikant zu. Brandes hat bereits für seine Dissertation den Dissertationspreis der Deutschen Gesellschaft für Angiologie erhalten (1995), zudem im Jahr 2000 den Hermann-Rein-Preis der Deutschen Gesellschaft für Mikrozirkulation, 2001 und 2002 jeweils einen Nachwuchsforscherpreis.

Preis für das Lebenswerk

Wie Ralf Brandes erhielt auch Prof. Dr. Dr. h. c. Franz Loogen die Bronzeplastik "Herzpionier", die der Hammer Künstler Otmar Alt eigens für den Forßmann-Preis geschaffen hat. Loogen gehört zu den Gründungsvätern der deutschen Kardiologie und gilt als Nestor der klinischen Kardiologie in Deutschland. Er hat die Düsseldorfer Kardiologenschule begründet, aus der zahlreiche Lehrstuhlinhaber hervorgingen. Franz Loogen hat 1954 das erste deutsche Lehrbuch über "Herzkatheterisierung" veröffentlicht, er war 1967 der erste Inhaber eines Lehrstuhls für Kardiologie in Deutschland. Sein erster Habilitant war Prof. Dr. Ulrich Gleichmann, einer der Stifter des Forßmann-Preises.

Nachwuchs-Stipendium

Das Nachwuchs-Stipendium stiftet die Firma "Hämopep" (Hannover), es wurde in diesem Jahr erstmals vergeben. Dr. Dierk Thomas erhielt es für seine Promotion: Er hat die Regulation des Kaliumstromes am Herzen und ihre Bedeutung molekularbiologisch und zell-elektrophysiologisch untersucht. Er fand heraus, dass Medikamente, die gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden, Rhythmusstörungen auslösen können, wenn der Kaliumstrom gehemmt ist. Dr. Thomas war mit 28 Jahren der jüngste Bewerber um diesen Preis.

Katheterdiagnostik im Selbstversuch

Prof. Dr. Werner Forßmann (1904 - 1979) hat als Chefarzt der Chirurgischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses in Düsseldorf ein grundlegendes medizinisch-kardiologisches Verfahren entwickelt: die Herzkatheterdiagnostik. Er erprobte sie erstmals 1929 im Selbstversuch - unter schwierigsten Bedingungen: Durch ein Gefäß seines rechten Armes führte er einen Katheter bis zum rechten Herzvorhof. Mithilfe eines Spiegels verfolgte er auf einem Durchleuchtungsschirm den Weg des Katheters durch seinen Körper. Für dieses Experiment wurde er 1956 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Der Name Forßmann steht für Unbeirrbarkeit, Wagnis und Durchsetzungsvermögen.

Junge Wissenschaftler unterstützen

Forßmanns Leistung und Einfluss auf die medizinische Forschung soll Vorbild sein für junge Wissenschaftler. Die Stiftung Kardiologie 2000 will mit dem Forßmann-Preis ihre Arbeit unterstützen und fördern. Über die Preisvergabe entscheidet das Kuratorium der Stiftung. Gegründet wurde sie im Jahr 2001 vom Stifter-Ehepaar Prof. Dr. Ulrich Gleichmann und Dr. Sigrid Gleichmann.

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Gert Muhr, Dekan der Medizinischen Fakultät, Ruhr-Universität Bochum, MA 1/57a, Tel. 0234/32-24960, E-Mail: dekan-medizin@rub.de