Deutsche Biologen sprechen international mit einer Stimme für Darwins Evolutionstheorie

09.04.2009 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Historisches Treffen an der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität Einig und stark präsentierte sich das Deutsche Nationalkomitee (DNK) der Biologen am 8. April 2009 bei seiner Generalversammlung am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS), dem Exzellenzinstitut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Vertreter der deutschen biologischen Fachgesellschaften waren zusammengekommen, um die künftigen internationalen Aktivitäten der deutschen Lebenswissenschaftler zu bestimmen. "Ein wirklich großer Erfolg ist, dass nach einer langen Phase der Zersplitterung von nun an alle biologischen Fachgesellschaften in Deutschland mit einer Stimme sprechen", erklärte nach dem Treffen der Vorsitzende des DNK, Prof. Dr. Ralf Reski, Lehrstuhlinhaber für Pflanzenbiotechnologie an der Universität Freiburg.

Durch die nun beschlossene enge Kooperation des DNK mit dem Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO) unter seinem Vorsitzenden Prof. Dr. Rudi Balling treten die deutschen Biologen erstmals geeint auf. Beide Organisationen arbeiten eng verzahnt und teilen sich die Zuständigkeiten: "Während der VBIO die Lebenswissenschaftler in Deutschland vertritt, ist das DNK sozusagen das Außenministerium der deutschen Biologinnen und Biologen", erläutert Reski. Denn das DNK vertritt - initiiert und gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) - die deutschen Biologen auf dem internationalen Parkett, insbesondere in der International Union of Biological Sciences (IUBS) und der International Union of Microbiological Societies (IUMS). Beide Organisationen sind Mitglieder des International Council of Sciences (ICSU).
Der scheidende Direktor der IUBS, Dr. Talal Younes, war genauso wie seine Nachfolgerin, Dr. Natalie Fomproix, zu dem für die deutschen Biologen historischen Treffen nach Freiburg gereist. Das zentrale Thema, das die Delegierten beschäftige, war das Dawin-Jahr mit seinen Aktivitäten und Konferenzen. Eine der herausragenden Tagungen zu diesem Thema wird im Sommer ebenfalls in Freiburg stattfinden. "Evolution: Karrieren eines wissenschaftlichen Paradigmas" lautet der Titel des
1. Interdisziplinären Symposions des Freiburg Institute for Advanced Studies, das am 16. und 17. Juli 2009 stattfinden wird. In einer ungewöhnlich weiten Perspektive, die die Geistes- und Kulturwissenschaften genauso einbezieht wie die Sozial- und Naturwissenschaften, geht es bei dieser Tagung um die Bedeutung evolutionärer Modelle für die Methodik und Systematik verschiedenster Wissenschaftsbereiche. Gesucht wird auch nach den gesellschaftlichen und weltanschaulichen Konsequenzen dieser Ansätze in Geschichte und Gegenwart (http://www.frias.uni-freiburg.de/).

Auch zu der von Charles Darwin begründeten Evolutionstheorie bezog das DNK während der Generalversammlung eine deutliche Position. "Die Tendenzen, die Erkenntnisse der Evolutionstheorie Darwins zu relativieren, sind unwissenschaftlich und rein ideologisch begründet", betonte Reski im Anschluss an das Treffen. Damit wenden sich die deutschen Biologen gemeinsam gegen antidarwinistische Strömungen vor allem in den USA aber auch in einigen Länder Europas. Eine Absage erteilen sie der Idee eines "Intelligent Design" der so genannten Kreationisten, die überzeugt sind, dass Gott alle Lebewesen in ihrer jetzigen Form geschaffen habe, da das Leben in all seiner Komplexität nicht durch Zufall, Mutation, Auswahl und Anpassung entstanden sein könne. "Solche Ideologien haben im Biologieunterricht nichts zu suchen. Jede jährliche Grippewelle belegt - zu unser aller Leidwesen - die Bedeutung der Evolution für uns und unsere Umwelt", unterstrich Ralf Reski, der auf der Freiburger Evolutionstagung die Sektion "Evolution und 'Weltanschauung'" moderieren wird.

Bei dem Treffen des DNK wurde zudem die kommende Generalversammlung der IUBS im Oktober in Kapstadt (Südafrika) vorbereitet. Als nichtstaatliche weltweite Dachorganisation der Biologen ist die IUBS ein wichtiger Ansprechpartner für UNO und UNESCO und hat in der Vergangenheit so wichtige Prozesse angestoßen, wie die Sicherung der Artenvielfalt (Biodiversität). Bereits vor Jahrzehnten hatte sie auf die negativen Auswirkungen des globalen Klimawandels hingewiesen. "Und das zu einer Zeit, als noch kein Politiker mit den Begriffen "Biodiversity", "Nachhaltigkeit", oder "Global Change" etwas anfangen konnte", resümierte Dr. Younes seine fast dreißigjährige Tätigkeit als IUBS-Direktor.

Kontakt
Prof. Dr. Ralf Reski
Vorsitzender des DNK
Lehrstuhl Pflanzenbiotechnologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-6969
E-Mail: reski@uni-freiburg.de
Internet (Lehrstuhl): http://www.plant-biotech.net
Internet (DNK): http://www.iubs-member-germany.de
Weitere Informationen: http://www.plant-biotech.net http://www.iubs-member-germany.de