Uni Ulm auf Hannover Messe präsent - Im Blickpunkt: Diamant-Winzlinge mit großer Zukunft

16.04.2009 - (idw) Universität Ulm

Auf synthetischem Diamant basierende mikromechanische Schalter und Sensoren setzt bei der Hannover Messe vom 20. bis 24. April die Universität Ulm. Mit hohen Erwartungen präsentiert werden die Winzlinge auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Baden-Württemberg vom Institut für elektronische Bauelemente und Schaltungen, Experten zufolge eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Diamanttechnologie. Entwickelt haben die Ulmer Exponate zwei Doktoranden des Institutsdirektors Professor Erhard Kohn, nämlich Joachim Kusterer, Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, und sein italienischer Kollege Michele Dipalo, vor etwas mehr als drei Jahren mit einem Master-Abschluss in Turin an die Uni Ulm gewechselter Physiker. Namhafte Konzerne, darunter EADS, Alcatel-Lucent und Bosch, haben bereits Interesse an den zukunftsträchtigen Mikro-Bauelementen signalisiert.
Aus gutem Grund. "Der für den Einsatz unter Extrembedingungen konzipierte Mikroschalter arbeitet selbst bei hohen elektrischen Leistungen absolut zuverlässig, ebenso in chemisch aggressiven Umgebungen oder bei mechanischem Schock", sagt Joachim Kusterer. Bedingungen jedenfalls, unter denen Bauelemente auf Basis anderer Materialien versagten. Der Wissenschaftler sieht denn auch ein weites Feld potenzieller Einsatzmöglichkeiten: Satelliten- und Weltraumtechnik, Mobilfunk, Radartechnik, Ölbohrtechnik, Fahrzeug-, Schiffs- und Energietechnik zum Beispiel. Zusätzliche Vorteile des Schalters, neben der Übertragung der zehnfachen Leistung herkömmlicher Mikroschalter auf Siliziumbasis: Geringe elektrische Verluste, die minimale Größe, konstante elektrische Eigenschaften auch bei hohen Leistungen und die Langzeitstabilität.
Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten mit hohem Nutzwert attestiert Michele Dipalo auch dem chemischen Mikrosensor, speziell für Analysen in aggressiven Umgebungen: "Überall dort, wo herkömmliche Bauelemente durch chemische Prozesse zerstört werden, eröffnen sich damit völlig neue Anwendungen." Für die chemische Prozessüberwachung in der Halbleiterindustrie zum Beispiel, in der Lebensmittelchemie oder in der Pharmazie. Erhebliche Vorteile biete der Mikrosensor überdies in der Abwasserreinigung. "Mit ihm können organische Giftstoffe entdeckt werden", verspricht Dipalo, dies sei bisher mit keinem anderen Mikrosensor möglich gewesen. Einen weiteren hoch interessanten Markt für die Neuentwicklung sieht er in der Brauchwassergewinnung in Gebieten mit hohen Salzwasservorräten.
"Weltweit kennen wir keine vergleichbaren Alternativen zu unseren mikromechanischen Schaltern und Sensoren", erklären die beiden Nachwuchswissenschaftler nicht ohne Stolz und verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die langjährigen Erfahrungen im Institut mit ihrer Basistechnologie. Schließlich seien daraus bereits zwei erfolgreiche Start-up-Unternehmen hervorgegangen. Joachim Kusterer und Michele Dipalo wollen schon bald mit einem dritten folgen. Ziel dabei: Die eigenen Innovationen vor Ort zu produzieren und international zu vermarkten. Dem ehrgeizigen Duo zufolge ein durchaus realistisches Unterfangen: "Fundierte Marktanalysen versprechen für beide Produkte beste Absatzchancen."

Weitere Informationen: Dipl.-Ing. Joachim Kusterer und Michele Dipalo MSc, Institut für Elektronische Bauelemente und Schaltungen und Michele Dipalo MSc, Tel. 0731/50-26187