Kluge Köpfe mit PFIFF erhalten

14.05.2009 - (idw) Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Das Projekt zur Förderung und zum Erhalt intellektueller Fähigkeiten für ältere Arbeitnehmer (PFIFF) geht in die zweite Runde. Im Bochumer Opelwerk nehmen ältere Beschäftigte an einem vielschichtigen Training teil, um ihre geistige Fitness zu stärken und Stress besser zu bewältigen. Die Projektpartner erhoffen sich gesicherte Erkenntnisse über Maßnahmen, mit denen sich die geistigen Fähigkeiten älterer Beschäftigter fördern und erhalten lassen. Ergebnisse der ersten Phase des PFIFF-Projektes wiesen auf einen Zusammenhang der Arbeitsgestaltung mit der geistigen Fitness älterer Beschäftigter hin. Hintergrund für das im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) ins Leben gerufene Forschungsprojekt ist der demographische Wandel. Unternehmen in Deutschland müssen sich auf einen steigenden Altersdurchschnitt ihrer Mitarbeiter einstellen. Manche geistigen Fähigkeiten lassen jedoch im Alter nach. Dabei können Faktoren wie einseitige Arbeit, ungünstige Arbeitsbedingungen, aber auch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung eine Rolle spielen. Die Ergebnisse des ersten PFIFF-Projektes fasst die Broschüre "Geistig fit im Beruf" zusammen, die über http://www.inqa.de bezogen werden kann.

Bei der Fortsetzung des Projektes stehen Maßnahmen im Vordergrund, die das Training geistiger Basisfähigkeiten auf breiter Ebene fördern sollen. Für das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderte Projekt, das von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) unter der fachlich wissenschaftlichen Leitung von Dr. Gabriele Freude begleitet wird, haben sich verschiedene Projektpartner zusammengeschlossen. Dazu gehören neben der Adam Opel GmbH das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung TU Dortmund (IfADo) unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Falkenstein, die Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Joachim Zülch), die Rehabilitationspsychologie der TU Dortmund (Prof. Dr. Alexa Franke) und die Gesellschaft für Gehirntraining (Rita Pfeiffer).

Am Projekt können maximal 160 Beschäftigte aus der Produktion teilnehmen, die älter als 45 Jahre sind. Außerhalb der Arbeitszeit erwartet sie in der Abteilung Arbeitsmedizin des Opelwerkes Bochum ein vielschichtiges Training, das ihre geistige Fitness stärken und ihre Stressbewältigungs-Kompetenz verbessern soll. Anhand computergestützter Aufgaben werden verschiedene geistige Fähigkeiten wie beispielsweise Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Erinnerungsfähigkeit, Kurzzeitgedächtnis und räumliche Aufmerksamkeit trainiert, die im Alter häufig nachlassen. Vor und nach der Trainingsmaßnahme erfolgt jeweils eine psychologische Untersuchung dieser Fähigkeiten. Bei einem Teil der Versuchspersonen werden am IfADo Elektro-Enzephalogramm (EEG) Untersuchungen vorgenommen. Mit diesen Untersuchungen wollen die Wissenschaftler Wirkungen des Trainings auf die kognitiven Fähigkeiten und die zugrunde liegende Hirnaktivität messen. Zudem werden mit Fragebögen Daten zu Faktoren erfasst, die einen wesentlichen Einfluss auf die geistige Fitness eines Menschen haben. Dazu gehören zum Beispiel das private Umfeld, das Freizeitverhalten, die Motivation, die Einstellung zum Arbeitsplatz oder die generelle Zufriedenheit mit der aktuellen Arbeits- und Lebenssituation. Die anonymisierten Testergebnisse erlauben keinerlei Rückschlüsse auf den einzelnen Beschäftigten.

Zudem wird die wissenschaftliche Projektbegleitung die Umsetzung des Programms im betrieblichen Umfeld näher beleuchten. Fragen wie "Wer nimmt teil und warum?" "Wie lassen sich Barrieren in der Umsetzung erfolgreich meistern?" "Wie lässt sich die Trainingsmotivation bei Teilnahme aufrechterhalten?" "Für wen ist das Training besonders wirksam?" stehen im Zentrum dieser Prozessevaluation.

Die Kosten für das auf zwei Jahre angelegte Projekt belaufen sich auf rund 700.000 Euro. Das BMAS und die BAuA erhoffen sich von diesem Projekt grundlegende Erkenntnisse über Möglichkeiten, um die geistigen Fähigkeiten älterer Beschäftigter zu erhalten und zu verbessern. Zudem sollen die Ergebnisse Ansätze zur Arbeitsgestaltung liefern, die dem demografischen Wandel Rechnung tragen und den Einsatz älterer Arbeitnehmer in Produktionsbetrieben fördern. Dabei haben die Ergebnisse nicht nur Relevanz für den gesamten Fahrzeugbau, sondern auch für andere Industriebetriebe, die in Großserien fertigen.
Weitere Hintergrundinformationen und Ergebnisse aus dem ersten PFIFF-Projekt befinden sich im Internet unter der Adresse http://www.pfiffprojekt.de.

Hinweis für die Redaktionen:
Ansprechpartner für Fragen und mögliche Kontaktaufnahme sind:
Dr. Gabriele Freude Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Tel. 030-515484411 freude.gabriele@baua.bund.de

Prof. Dr. Michael Falkenstein Leibniz-Institut für Arbeitsforschung TU Dortmund
Tel. 0231-1084-277 falkenstein@ifado.de

Prof. Dr. Joachim Zülch Industrial Sales Engineering Universität Bochum
Tel. 0234-3226388 Joachim.Zuelch@rub.de

Dr. Patrick Gajewski Leibniz-Institut für Arbeitsforschung TU Dortmund
Tel. 0231-1084-291 gajewski@ifado.de

Dieter Welwei Adam Opel GmbH Bochum, Ergonomiebeauftragter
Tel. 0234-989-3182 Dieter.Welwei@de.opel.com