Klimawandel wird Wasserhaushalt im Elbegebiet stark verändern

12.10.2009 - (idw) Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Die Folgen der globalen Erwärmung machen sich zunehmend regional bemerkbar, so auch im Flusseinzugsgebiet der Elbe. Phasen von extremem Niedrigwasser werden vor allem im Sommer immer häufiger. Die langfristigen Änderungen des Wasserhaushaltes werden die ökologischen und sozioökonomischen Entwicklungsaussichten der Region entscheidend prägen. Dies ist der Tenor eines Memorandums, in dem jüngste Ergebnisse des Elbe-Projektes im Forschungsprogramm "Globaler Wandel des Wasserkreislaufs" (GLOWA) zusammengefasst sind. Auf der Nationalen GLOWA Konferenz vom 12. bis 14. Oktober 2009 in Potsdam diskutieren die Wissenschaftler zusammen mit den Betroffenen in Politik und Gesellschaft über die Perspektiven für die Region.

"Die durch den Ausstoß von Treibhausgasen bereits messbaren Veränderungen des Klimas und des Wasserhaushaltes im Elbegebiet bestätigen die Vorhersagen der Klimaforschung nachdrücklich", sagte Frank Wechsung vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am heutigen Montag auf der Konferenz. "Aus Szenarien ist absehbare Realität geworden." Wechsung leitet das Forschungsvorhaben für das Flusseinzugsgebiet der Elbe. Es ist eines von insgesamt fünf Gebieten in Europa, Nahost und Afrika, das für die Untersuchungen ausgewählt wurde.

Seit 1951 ist im Elbeeinzugsgebiet die Durchschnittstemperatur bereits um 1,2 Grad Celsius gestiegen. Modellrechnungen zeigen, dass ein weiterer Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad Celsius bis zur Mitte des Jahrhunderts den Wasserhaushalt im Elbegebiet weiter stark verändern wird. In den berechneten Szenarien verlagert sich das Maximum des von der Elbe und Ihrer Nebenflüsse geführten Wassers demnach vom Frühjahr in den Winter. Zugleich treten Phasen von Niedrigwasser früher ein und halten länger an, wobei die Pegel das bisherige Niveau immer häufiger unterschreiten. Eine Folge davon wären abnehmende Grundwasservorräte.

Die Landwirtschaft werde zwar noch einige Zeit von den ansteigenden Temperaturen profitieren, so Wechsung, Wasser werde jedoch zunehmend zum begrenzenden Faktor weiterer Ertragssteigerungen. Im Energiesektor seien Einbußen vor allem bei der von Kühlwasser abhängigen Stromerzeugung in Ostdeutschland und der Wasserkraftnutzung in Tschechien und Deutschland zu erwarten. Die Elbe-Schifffahrt habe ihr Transportaufkommen wegen der verschlechterten Schiffbarkeit des Flusses schon jetzt deutlich reduziert.

Was die regionalen wirtschaftlichen Folgen der Klimaänderungen betrifft, geben die Modellrechnungen der Forscher jedoch vorerst Entwarnung. "Die Kosten der Klimafolgen in Ostdeutschland und Tschechien werden zunächst überschaubar bleiben, nicht zuletzt weil der Wasserverbrauch von Industrie und Haushalten deutlich gesenkt wurde und sogar weitere Minderungen zu erwarten sind", sagte Wechsung.

"Die Ergebnisse des GLOWA-Elbe Projektes verdeutlichen, bei allem Optimismus, wie stark sich die vom Wasser abhängigen Gebiete in Zukunft an den Klimawandel anpassen müssen", sagte der Direktor des PIK, Hans Joachim Schellnhuber, am Montag auf einer Podiumsdiskussion während der Konferenz. "Wie die Region auf die künftigen Veränderungen reagiert, hängt nicht zuletzt von der grundsätzlichen Wertschätzung für die Flüsse und Seen ab, die Ostdeutschland prägen", resümierte er.

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